Tanja Traub übernimmt am 1. Januar die Position der IHK-Hauptgeschäftsführerin im Nordschwarzwald. Foto: IHK

34 Jahre war Martin Keppler in führenden Positionen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald in Pforzheim tätig, davon 22 Jahre als Hauptgeschäftsführer. Diese Zeit war geprägt von Krisen.

Nordschwarzwald - Angefangen mit den Nachwehen der Verwerfungen an den Finanzmärkten 2008/2009 bis hin zu den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der drohenden Klimakatastrophe heute.

 

Für den scheidenden Hauptgeschäftsführer, der sein Amt zum Jahreswechsel an Tanja Traub übergibt, ist das kein Grund, in Fatalismus oder Panik zu verfallen. Im Gegenteil: Für Keppler stecken in Krisen stets auch Chancen. "Schon aus der Finanzkrise haben wir gelernt. Wir sind gestärkt daraus hervorgegangen." Die Wirtschaft könne heute besser mit Krisen leben. Resilienz nennt sich das auf neudeutsch.

"Jetzt wird es knapp"

Dennoch blickt Keppler nicht ohne Sorge in die Zukunft. "Jetzt wird es knapp", sagt er mit Blick auf staatliche Hilfen, die schon während der Corona-Pandemie in hohem Maß benötigt wurden. Nun werden Milliardensummen unter anderem für Gas- und Strompreisbremse gebraucht

Nachfolgerin Tanja Traub macht sich keine Illusionen: "Krisen werden uns weiter begleiten", ist sie überzeugt, "wir müssen uns ständigen Veränderungen stellen". Man lebe heute in einer fragilen Umgebung, sagt Traub auch mit Blick auf Gefährdungen der Demokratie.

"Wir galten damals als die grüne Kammer"

Wenn Keppler im Gespräch mit unserer Zeitung auf sein jahrzehntelanges Berufsleben zurückblickt, dann fällt ihm als erstes die Gründung der Umweltakademie ein, die sich in der IHK-Geschäftsstelle Freudenstadt befindet. Das war Ende der 80-er Jahre, gleich zu Beginn seiner Zeit bei der Kammer. Damals hat die Wirtschaft mit ökologischen Themen noch gefremdelt. Man war also der Zeit voraus. Keppler: "Wir galten damals als die grüne Kammer". In ganz Süddeutschland war er als eine Art Pionier zu diesem Thema ein gefragter Referent.

Ökologische Gewerbegebiete

Angesichts von Klima- und Energiekrise ist das Thema Umweltschutz aktueller den je. Mittlerweile beschäftigt sich die IHK Nordschwarzwald mit ökologischen Gewerbegebieten. Auch wenn sie Umweltschützern ein Dorn im Auge sein, "Gewerbegebiete werden wir weiter brauchen", ist Traub überzeugt. Um dabei ökologische Aspekte so weit wie möglich zu berücksichtigen, arbeite die Kammer mit dem Fraunhofer-Institut zusammen. Da gehe es um die gemeinsame und effiziente Nutzung erneuerbarer Energien, um Elektromobilität, Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr und anderes mehr. Dadurch lassen sich Ressourcen und damit Kosten sparen und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Förderbescheid für neues Zentrum

Keppler ist froh, dass kurz vor Ende seiner Amtszeit der Förderbescheid für das neue IHK-Bildungszentrum in Nagold eingetroffen ist. Anlässlich seiner Verabschiedung war Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut nach Pforzheim gekommen, um den Förderbescheid über 3,4 Millionen Euro zu übergeben. "Dadurch können wir jetzt mit dem Bau spätestens Anfang 2023 beginnen", freut sich Keppler. Mit der Geschäftsstelle Nagold entsteht ein Projekt im zweistelligen Millionenbereich.

Digitalisierung führt zu einer hohen Spezialisierung

Sich um die Details in der Umsetzung zu kümmern, wird dann Traub vorbehalten bleiben. Angesichts des anhaltenden Mangels an Fachkräften ist die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines der herausragenden Themen für die IHK in den kommenden Jahren. Denn die Digitalisierung führe zu einer hohen Spezialisierung und hochkomplexen Prozessen, denen es sich ständig anzupassen gilt. Weitere Schwerpunkte von Traubs Arbeit werden Ausbau der Infrastruktur, Förderung des Tourismus, Abbau von Bürokratie, Gewerbeförderung, Existenzberatung und Außenwirtschaft sein.