Ein Innenstadtberater in Diensten der IHK soll dabei helfen, Fußgängerzonen in der Region zu beleben. Foto: Buckenmaier

Wie lässt sich der Exodus des Einzelhandels aus den Städten der Region noch bremsen? Die IHK Nordschwarzwald will dafür einen "Innenstadtberater" einstellen, wie Tanja Traub von der IHK jetzt vor dem Planungsausschuss (PA) des Regionalverbands erläuterte. Dessen Mitglieder zeigten sich skeptisch.

Nordschwarzwald - Klar ist: Nicht erst seit der Corona-Krise steht der stationäre Einzelhandel – abgesehen von den gerade auch in der Pandemie gut florierenden Lebensmittel-Grundversorgern – mächtig unter Druck. Schon zuvor sorgte der anhaltende strukturelle Wandel der Branchen hin zum stetig wachsenden Onlinehandel vielerorts zu Frequenzverlusten, Umsatzrückgängen und vermehrten Leerständen. "Die Pandemie hat hier noch wie ein Brandbeschleuniger gewirkt", so auch Matthias Proske, Direktor des Regionalverbands Nordschwarzwald. "Es sind dadurch noch mehr Kunden als sowieso schon zum Onlinehandel abgewandert", so aktuell die Erfahrung auch aus den hiesigen Einzelhandels-Zentren.

Vor diesem Hintergrund habe das Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg bereits zum Jahresbeginn im Rahmen des Dialogprojekts "Handel 2030" die Installation von regionalen Innenstadtberatern in allen zwölf Regionen des Landes angeschoben. Diese Innenstadtberater sollen in Kommunen mit 10 000 bis 50 000 Einwohnern in Abstimmung mit oder auf Wunsch der vor Ort Verantwortlichen tätig werden. Dazu sollen sie grundsätzlich "übergeordnet" zu den Kommunen bei geeigneten regionalen Trägern angestellt werden, wie eben beispielsweise den Industrie- und Handelskammern, bei Handelsverbänden, Wirtschaftsförderungsgesellschaften oder auch den Regionalverbänden oder zugeordneten Beratungsunternehmen mit ausgewiesener Einzelhandelsexpertise, die jeweils für eine Region des Landes zuständig sind.

Mündliche Zusage liegt bereits vor

Für den Nordschwarzwald gebe es entsprechend eine Absprache, dass die hiesige IHK die vom Land finanzierte Planstelle beantragt – und der Regionalverband dafür auf sein Antragsrecht verzichtet. Tatsächlich läge eine mündliche Zusage für die Förderung der bei der IHK anzusiedelnden Stelle bereits vor, der endgültige Förderbescheid lasse aber durch Verzögerungen im Ministerium noch auf sich warten.

Aufgabe des Innenstadtberaters werde es unter anderem sein, gemeinsam mit den Innenstadtakteuren vor Ort standortbezogene Konzepte zur Stärkung der jeweiligen Zentren zu erarbeiten, dabei Stärken und Schwächen als Handelsstandort im Rahmen einer IST-Analyse fundiert herauszuarbeiten und ebenfalls gemeinsam mit den Akteuren vor Ort darauf aufbauend einen Maßnahmenplan zu erarbeiten. Auch dessen Umsetzung und die Koordination der Maßnahmen mit den verschiedenen Playern zu moderieren, würde zur Tätigkeitsbeschreibung des Innenstadtberaters gehören – während die eigentliche Umsetzung der konzipierten Maßnahmen immer Aufgabe der Akteure in den jeweiligen Kommunen bleiben würde, wobei der Innenstadtberater bei Bedarf jedoch weiter beratend und unterstützend zur Seite stünde.

Was dabei am Ende an "konkreten" Maßnahmen wirklich herauskäme, da konnte Tanja Traub naturgemäß als Beispiele derzeit nur Bekanntes benennen: So sei allgemein eine "Belebung von Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen" ein mögliches Ziel, auch die "Vereinheitlichung von Öffnungszeiten" oder die "Nachfolgenutzungen bei Leerständen" könnten auf der ToDo-Liste des künftigen Innenstadtberaters stehen. Eine wichtige Aufgabe würde auch sein, eigene lokale Online-Marktplätze auf- oder auszubauen sowie für eine Verbesserung der Erreichbarkeit von Innenstädten oder dem Ausbau der Service-Qualität in den Unternehmen zu sorgen.

Letztlich würde es auch zu den Pflichten des Innenstadtberater gehören, bestehende Veranstaltungen zu überarbeiten und neue Konzeptionen von zeitgemäßen stadtprägenden Events zu entwickeln.

Ob es aber dabei der richtige Weg sei, solche Ideen und Konzepte über einen "Berater von außen" in die mittelgroßen Städte der Region zu tragen, "der einen vor Ort sagen will, wie es geht" (Zitat Proske), da zeigten sich zumindest einige der anwesenden PA-Mitglieder wenig überzeugt. Während etwa die Städte Calw und Freudenstadt grundsätzliches Interesse an der Unterstützung durch solch einen bei der IHK angesiedelten Innenstadtberater bereits geäußert hätten, formulierten andere kommunale Vertreter wie etwa Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg (SPD) deutliche Kritik. Aus Viehwegs Sicht bräuchten die Händler in ihrer aktuellen akuten Not "keine neuen Beiräte oder Berater", sondern eher eine schnelle Umsetzung von wirklich greifbaren und realistischen Maßnahmen.

"Zurückdrehen lässt sich die Uhr hier nicht mehr"

Auch Matthias Proske äußerte sich für den Regionalverband nach Ende von Traubs Vortrag in seiner Einschätzung eher verhalten: "Ob die Kunden, die etwa wegen der Pandemie in den Onlinehandel abgewandert sind, wirklich zurückkehren, wird sich zeigen". Persönlich rechne er aber eigentlich nicht damit. Was man da jetzt eigentlich benötige, um die mittelgroßen Städte der Region wirklich für (neue) Kunden attraktiv zu machen, sei "ein Gesamtpaket", das nicht nur an den Einzelhandel denke, auch Gastronomie und Kulturschaffende müsse man mit einbinden, um innerstädtisch neue Erlebnisräume zu schaffen. Nur so könne der Strukturwandel offensiv zum Nutzen der Kommunen gestaltet werden. Zurückdrehen lasse sich die Uhr hier nicht mehr, so Proske.