Wie wird die Innenstadt attraktiver? Um diese Frage zu klären, hatte sich das Rathaus Hilfe geholt. Die Erkenntnisse: Das Mietlevel ist zu hoch, aber viel läuft besser als gedacht.
Bis zu 8000 Besucher pro Tag am Wochenende, 290 belegte Erdgeschossflächen in der Innenstadt – „Lahr steht für eine Stadt dieser Größe eigentlich gut da“, ist Thomas Kaiser überzeugt. Den Innenstadtberater der IHK Südlicher Oberrhein hatte die Verwaltung im Frühjahr engagiert, um Problemen in und um die Marktstraße auf die Spur zu kommen. Bei einem Pressegespräch lieferte er interessante Erkenntnisse, die zeigen: Es gibt Handlungsbedarf, vor allem aber müsse wieder positiver über die Innenstadt gesprochen werden.
Kaiser erläuterte, dass es sechs „Zutaten“ für florierende Zentren gebe: Ambiente, Sicherheit und Sauberkeit, Erreichbarkeit, Erlebnisse, Angebote und Vermarktung. Auf letztere beide konzentrierte sich seine Analyse. Lahr, stellte er fest, weise mit der langgezogenen Marktstraße eine besondere Innenstadtstruktur vor. „Man läuft nicht überall hin und zwischen den Angeboten klaffen einige Lücken. Die Leerstände trüben den Gesamteindruck“, fasste er zusammen. Die reine Zahl der Leerstände – 44 von 334 Erdgeschossflächen, also 16 Prozent – sei zwar im Vergleich mit anderen Städten nicht überdurchschnittlich hoch, doch seien sie sehr präsent. Ein Grund für freie Flächen sei die Mietsituation. Die Preise schwanken in Lahr demnach zwischen sechs und 26 Euro kalt pro Quadratmeter. „In anderen Städten sind zehn bis 14 Euro normal“, verdeutlichte Kaiser. Andere Punkte, die im Bezug auf eine scheinbar unattraktive Innenstadt oft genannt werden wie die Parkplatzsituation, die geringe Frequenz oder die Sicherheit, konnte der Berater in den IHK-Untersuchungen nicht belegen. „Es geht da oft nur um Gefühle“, meinte er.
Personal für Leerstandsmanagement gefordert
Der Verwaltung gab er Hausaufgaben mit, wie diese sich des Themas annehmen könnte. So empfahl Kaiser, ins Gespräch mit Eigentümern zu gehen. Thema sollte sein, mit Realismus was Mietpreise angeht über mögliche Belegungen zu sprechen. Dazu solle die Stadt Personalressourcen ins „Flächenmanagement“ stecken. Die IHK erstellt Steckbriefe für jeden Leerstands, sodass die Stadt diese Flächen vermarkten kann.
Doch halt: Zusatzpersonal? Bei der angespannten Finanzsituation und der klaren Ansage des Gemeinderats, es dürften keine weiteren Stellen geschaffen werden? Kaiser legte der Verwaltung eine Argumentationsgrundlage an die Hand: Jeder Leerstand würde für die Stadt jährliche Mindereinnahmen von 12 500 Euro bedeuten. Darin eingeschlossen seien Einnahmen durch Gewerbe- und Grundsteuer. Rechnet man alle 44 Leerstände zusammen, seien das 550 000 Euro pro Jahr, die der Stadt entgingen. Oberbürgermeister Markus Ibert versicherte, nicht mit einem Personalaufbau, sondern mit Umschichtungen das Thema anzugehen.
Auch Händler und Eigentümer in der Pflicht
Es sei aber nicht nur die Verwaltung gefragt: Die Eigentümer sollten entgegenkommen und auch die Werbegemeinschaft müsse die neuen Ansiedlungen offen gegenüber treten, so Kaiser. „Es braucht die ganze Stadt“, sagte auch Ibert. Er griff vor allem die Anweisung auf, das Angebot, das es gibt, positiver zu kommunizieren: „Wir regen uns über einen Leerstand auf, indem nichts geschieht“ – damit meinte Ibert das Schuhhaus Kindle – „aber viele Flächen sind gut belegt“.
Ein positives Beispiel ist aktuell der alte Raum des an den Schlossplatz umgezogenen „Lapis Lazuli“: In die Lammstraße 15 wird das Café „Eles“ einziehen, wie die Betreiber via Instagram ankündigen.
Mehr KOD-Präsenz
Am Rande erwähnte OB Markus Ibert, dass der kommunale Ordnungsdienst in Zukunft in der Innenstadt präsenter sein soll. Zwar seien die Kriminalitätszahlen nicht besorgniserregend, doch gehe es auch darum, die gefühlte Sicherheit zu erhöhen.