Beim Empfang der Industrie- und Handelskammer redete IHK-Vizepräsident Joachim Link Tacheles – es ging um B27 und B463, um Trump, Putin und vor allem: um die regionale Wirtschaft.
In seiner Rede zeichnete Joachim Link ein gemischtes Bild von der wirtschaftlichen Lage – er drängte auf Handeln vonseiten der Politik. 19 Prozent der Unternehmen erwarteten eine Verbesserung in der nächsten Zeit, 23 Prozent eine Verschlechterung.
Es fehle an Wachstumsimpulsen, kritisierte der Geschäftsführer von Interstuhl in Meßstetten: „Vom vielbeschworenen Herbst der Reformen haben wir uns etwas anderes versprochen.“
Zwar gebe es positive Signale – einige Unternehmen wollten die Beschäftigung ausbauen, neu investieren –, doch mit Blick auf die Weltpolitik nannte Link den US-Präsidenten Donald Trump und dessen Zölle, den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der Drohnen in alle Richtungen schicke, und China, das den Zugang zu Seltenen Erden beschränke.
Für Unternehmen seien verlässliche Rahmenbedingungen dringend nötig. „Auch bei uns im Zollernalbkreis zeigt sich, dass auf politische Zusagen immer weniger Verlass ist“, so Links Sicht. Zu seinem Beispiel Regionalstadtbahn erklärte er, die Akteure „sollten sich so schnell wie möglich ehrlich machen“. Die Verbindung vom Zollernalbkreis nach Tübingen gehöre zu den unzuverlässigsten in ganz Deutschland, die Elektrifizierung sei – aus Sicht der IHK Reutlingen, Tübingen, Zollernalb – dringend nötig.
„Die entscheidenden Weichen stellen wir selbst“
Weiteres Beispiel für Stillstand: Für den vierspurigen Ausbau der B27 zwischen Hechingen und Tübingen und die Ortsumfahrung Albstadt-Lautlingen – in diesem Fall geht es um die B463 – sei kein Geld da. „Das macht mich fassungslos.“ Die IHK wollte sich an den Bundesverkehrsminister wenden.
Trotz der Herausforderungen erinnerte Link an die Verantwortung der Unternehmer: „Die entscheidenden Weichen stellen wir in unseren Betrieben selbst. Auch harte Entscheidungen gehören dazu.“
Landrat Günther-Martin Pauli: Fleiß, Arbeit und Leistung nötig
Landrat Günther-Martin Pauli ließ die Kritik nicht unkommentiert stehen, würdigte jedoch zunächst Schaffenskraft und Unternehmensgeist auch im Zollernalbkreis. Die Region habe sich auch wirtschaftlich gesehen zur Aufsteigerregion entwickelt.
Er sprach offen: „Uns Kommunen geht es ja nicht besser, Überregulierung herrscht im ganzen Land.“ Der Wohlstand, der sich auch im Zollernalbkreis zeige, beruhe unter anderem auf Fleiß, Arbeit und Leistung, nicht auf Umverteilung. Die öffentliche Hand habe nicht die Mittel, um alles zu retten, was schieflaufe.
Gönner: beste Voraussetzungen für den Einsatz von KI
Tanja Gönner, Chefin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), wiederum erklärte: Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau seien notwendig, um schwäbische Schaffenskraft wieder zu entfalten. „Die Kreativität und Innovationskraft am Standort ist unsere Stärke. Wir haben die besten Voraussetzungen für den Einsatz von KI in der Industrie.“
Optimistisch blieb auch Sarah Blickle-Fenner, seit 2017 mit ihrem Bruder David Blickle in der Geschäftsführung von Blickle Räder+Rollen. Das Rosenfelder Familienunternehmen war Gastgeber des Abends. „Wir als junge Nachfolge-Generation wollen hier in die Zukunft des Unternehmens und unserer Beschäftigten investieren“, so Blickle-Fenner. „Wir bekennen uns zum Standort.“
Das lobte auch Rosenfelds Bürgermeister Thomas Miller lobte, der das Unternehmen als eines der „Aushängeschilder unserer Stadt“ bezeichnete.