1724 Firmen, 41 Standortfaktoren, ein klares Bild: Die IHK-Umfrage deckt auf, womit Unternehmer im Südwesten kämpfen. Energiekosten und Bürokratie ganz vorne dabei.
Großer Bahnhof bei der Online-Pressekonferenz der IHK: gleich drei Kammern aus den Bezirken Schwarzwald-Baar-Heuberg, Südlicher Oberrhein und Hochrhein-Bodensee trumpfen gemeinsam auf und haben Antworten mitgebracht auf eine drängende Frage: Wie zufrieden sind die Unternehmer im Südwesten mit ihrem Standort?
Es geht um die Standortumfrage der IHKs im Jahr 2025, oder vielmehr um das, was die Unternehmer sagen: Womit sind sie zufrieden, wo sehen sie den größten Handlungsbedarf, was schätzen sie und was muss besser werden?
1724 aus den drei Kammerbezirken – 479 mehr als beim letzten Mal – haben mitgemacht und 41 Standortfaktoren bewertet. Das Ergebnis gibt es jetzt Schwarz auf Weiß, oder vielmehr: grün, gelb, orange oder knallrot auf Weiß.
Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter für das Ressort Standortpolitik bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, rollte nämlich die „Fieberkarte“ aus: Eine unheimlich große und gleichzeitig kleinteilige Tabelle mit gefühlt unzähligen Feldern in Grün-bis Rottönen, die zeigt: Auch wenn die Lebensqualität hier so hoch ist wie wohl in wenigen Gegenden Deutschlands, ist längst nicht alles im grünen Bereich.
Von „sehr gut“ bis „sehr schlecht“
Noten von eins – „sehr gut“, bis fünf „sehr schlecht“ konnten die befragten Unternehmer vergeben. Sie, sagt Hilsenbek, seien also gewissermaßen die Seismographen des Südwestens, die messen, wie gut die Bedingungen hier sind – und letztlich auch, wie gut es sich hier für alle leben lässt. Dass nämlich das eine mit dem anderen untrennbar zusammenhängt, machte IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez deutlich: „Jeder zweite Arbeitsplatz in der Region ist in der Industrie (...) – wir alle leben davon.“
Bettina Schuler-Kargoll, Vizepräsidentin der IHK in der Region, ist sich sicher: Die große Teilnahme der Unternehmer an der Umfrage zeige auch: „Die Betriebe wollen sich für gute Standortbedingungen einbringen“. Wo es in der „Fieberkarte“ jetzt also signalrot leuchtete, dorthin geht der Fingerzeig der Unternehmer und damit auch ein Auftrag an die Politik – wer tiefer in die Statistik eintauchte, konnte herauslesen, dass das Thema Schiene und damit auch der Güterverkehr auf der Gäubahn, ein besonders drängendes ist, ebenso wie das Dauerthema A98 im Bereich Hochrhein-Bodensee oder die Funklöcher rund um den Bodensee und die Schweizer Grenze.
Ein „authentisches Spiegelbild“
In welchen allgemeinen Themenfeldern es besonders viel zu tun gibt, darin waren sich die Befragten im Südwesten weitgehend einig: Am unzufriedensten zeigten sie sich mit der Verfügbarkeit und den Preisen von Wohn- und Gewerbeimmobilien, der Verfügbarkeit von Fach- und Arbeitskräften sowie Auszubildenden, der Bearbeitungsdauer von Genehmigungen und der Höhe der Energiekosten.
Grünes Licht gab es hingegen in Sachen Stabilität und Leistungsfähigkeit des Stromnetzes, der Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie dem Kultur-, Sport- und Freizeitangebot. Die Umfrage sei natürlich nicht repräsentativ, so Schuler-Kargoll, aber sie gebe doch ein „authentisches Spiegelbild“ der Lage der Betriebe, aus dem Handlungsfelder ableitbar seien. Aus dem Nähkästchen plauderte sie, als sie konstatierte: „Wer im Regierungsbezirk Freiburg bauen will, braucht Geduld und starke Nerven“ – ihr Unternehmen habe alleine auf die Genehmigung des Neubaus Ost und West drei Jahre warten müssen.
IHK-Präsident Eberhard Liebherr aus dem Bezirk Südlicher Oberrhein nickte: „Die Verwaltungsverfahren dauern in der Tat zu lange“ und „Energie ist faktisch zu teuer“. Doch er gab auch ein hoffnungsvolles Signal an „die Azubis von heute“: Sie werden gebraucht – und die Chancen auf das Glück im Südwesten seien wahrlich „hervorragend“. Es gibt alles beides: Licht und Schatten.
Und jetzt?
Doch was genau macht die IHK jetzt mit dem aufwendig zusammengetragenen Stimmungsbild aus der Wirtschaft? Ganz klar: „Lobbyarbeit“. Man versuche, die Interessen der Wirtschaft in der Politik zu platzieren – in Gesprächen Dringlichkeiten und Prioritäten zu skizzieren, Landtagsabgeordnete zu sensibilisieren und ihnen die Wirtschaftsthemen näher zu bringen.
Es gehe darum, so Thomas Albiez, „die Bedeutung der Wirtschaft als Motor für unser gesamtes Leben sichtbar zu machen“. Dass das gelinge, zeige sich in einem „Zulauf zu uns, gerade in dieser turbulenten Zeit, der so hoch ist wie nie zuvor“. Und auch die Hauptgeschäftsführerin der IHK Hochrhein-Bodensee betont, dass hier nicht gekleckert wird, sondern geklotzt: „Die IHKs haben den Vorteil, dass sie die gesamte gewerbliche Wirtschaft per Gesetz vertreten.“ In Zahlen: Alleine in Baden-Württemberg sind das 650 000 Unternehmen – rund 34 000 davon sitzen in den drei Landkreisen der regionalen IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg.