Nach fünf Jahren als Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart tritt Johannes Schmalzl am 1. November sein neues Amt als Vorsitzender der Künzelsauer Würth-Stiftung an.
Einen weiteren Fünfjahresvertrag hatte ihm das Präsidium angeboten – doch Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, stand schon bei Würth im Wort. „Das wollte ich auch halten“, sagt Schmalzl im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich freue mich auf die Arbeit bei der Stiftung Würth“, meint er zu seiner künftigen Tätigkeit als Vorsitzender des Vorstands. Diese beginnt am 1. November – und der Mann der Wirtschaft hat es dann mit Kunst, Bildung und sozialen Themen zu tun.
Blickt er zurück auf seine Tätigkeit bei der Stuttgarter Kammer, bezeichnet er vor allem die Arbeit in der Coronazeit als ganz wesentlich. „Ich durfte an 16 Hilfspaketen mitwirken“, berichtet er. Kritisch sieht der scheidende Hauptgeschäftsführer allerdings, dass Geschäfte und Gaststätten geschlossen wurden. „Es hat mir nie eingeleuchtet, dass ein Discounter eine Waschmaschine verkaufen durfte, das Fachgeschäft aber nicht.“
Mit Finanzlöchern musste sich Schmalzl ebenfalls rumschlagen, auch weil die Mitgliedsbeiträge weniger stark flossen. Jetzt aber, so sagt er, seien die Finanzen der Kammer wieder in Ordnung, „auch weil wir bei Personal- und Sachkosten gespart haben“. Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHT) in Berlin hat er mit anderen darauf hingewirkt, dass die Spitzenorganisation der Kammern von einem Verein in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft umgewandelt wurde. Dass Gerichte zudem darüber entschieden haben, dass die Kammern keine zu hohen Rücklagen für schlechte Zeiten bilden dürfen, hat Schmalzl bewegt. „Das waren die bittersten Urteile, die ich je erlebt habe“, so der scheidende IHK-Chef.
Will Ergebnisse erzielen
Schmalzl fordert wie viele andere, dass Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien wie etwa Windräder schneller über die Bühne gehen. Solche Anliegen propagiert er aber nicht auf dem Marktplatz: „Ich werbe lieber bei der Wirtschaftsministerin direkt für die besten Lösungen, anstatt öffentlich auf die Pauke zu hauen.“ Eines sagt er aber doch: „Wenn die norddeutschen Länder billigeren Strom wollen, weil dort viele Windräder stehen, muss man auch mal über den Länderfinanzausgleich reden.“ In diesen zahlen schließlich die Süddeutschen ein, von denen die Länder im Norden profitieren. Ansonsten gilt für ihn: „Es ist mir lieber, die Ergebnisse meiner Arbeit stehen im Gesetzesblatt, als dass ich in der Zeitung stehe.“
„Weniger destruktive Kräfte“
So viel Bescheidenheit kann ehren. Und auch ein Hinweis darauf sein, dass man Konflikten aus dem Weg gehen möchte. Gerichte haben entschieden, dass die Industrie- und Handelskammern sich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen und schon gar nicht einseitig Stellung zu Streitfragen nehmen dürfen. Daran hält sich Schmalzl – und dies wohl auch ganz gerne. Geht es etwa um die Energieversorgung, meint er, „es ist Aufgabe der Politik, für genügend preisgünstige Energie zu sorgen“. Es sei aber nicht Aufgabe der Wirtschaft zu sagen, welche Energie genutzt werden solle. Und wenn Schmalzl davon spricht, dass „die Zahl der destruktiven Kräfte durch viel konstruktive Arbeit inzwischen unter der Wahrnehmungsschwelle ist“, wissen Insider sofort, dass er über die kammerkritische Gruppe spricht, die in seiner Amtszeit immer wieder für Ärger gesorgt hat. Unter anderem, indem etwa in Vollversammlungen lange Reden gehalten wurden. Den Begriff Kakteen nimmt er aber nicht in den Mund. Die Kakteen ihrerseits sehen den Abschied übrigens auch nicht als Anlass, sich zu Wort zu melden.
Ganz am Anfang seiner Arbeit hat Schmalzl für Aufsehen gesorgt, weil er damit einverstanden war, mehr Transparenz zu schaffen. Am Verdienst der Hauptgeschäftsführer, der teilweise enorme Höhen erreicht hatte, war scharfe Kritik geübt worden: „Mein Gehalt muss kein Geheimnis sein“, hatte er damals in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung gesagt. Orientieren könne sich dieses an der Bezahlung des Geschäftsführers eines mittelständischen Unternehmens. Für 2021 weist der Wirtschaftsplan der Kammer ein Gehalt von 242 634 Euro aus. Dazu gibt es noch variable Bestandteile für die Erreichung bestimmter Ziele. Wie andere hat Schmalzl 2021 auf das Weihnachtsgeld und einen Teil des variablen Gehalts verzichtet. So schweigsam er sich in manchen strittigen Fragen gibt – auch wegen gerichtlicher Vorgaben –, manches sprudelt regelrecht aus ihm heraus. So etwa, dass das Präsidium der Kammer jünger und weiblicher geworden sei, „ganz ohne Quote, dafür mit sanftem Druck“. Die Hälfte des Präsidiums ist jetzt weiblich, „man musste manche überreden zu kandidieren und manche davon abhalten“, sagt Schmalzl zur Entwicklung.
Renommierte Stiftung
Für sein künftiges Engagement für die Würth-Stiftung, die sich um die Förderung von Kunst, Kultur und sozialen Einrichtungen kümmert, aber auch Schülerinnen und Schülern ökonomisches Denken nahebringen will, sagt er: „Ich gehe auch gerne zu der Stiftung Würth, weil das Stifterehepaar Carmen und Reinhold Würth unsere Region voranbringen möchte.“ Zudem reize ihn „die hohe internationale Reputation“, die die Stiftung vorweisen kann.
Vielfältiger Lebenslauf
Karriere
Johannes Schmalzl wurde 1965 in Würzburg geboren. Nach dem Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaft trat er in den Dienst des Landes. Von 2005 bis 2007 war er Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz. 2008 wurde er Präsident des Regierungsbezirks Stuttgart. In diesem Amt löste ihn die grün-schwarze Landesregierung 2016 ab. Nach einer Zwischenstation im Berliner Finanzministerium wurde er 2017 zum Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart gewählt. Schmalzl ist Mitglied der FDP.