Nach Hans Kammerlander und Reinhold Messner hat der Inline-Hockey- Club (IHC) Bitz mit Thomas Huber einen weiteren weltbekannten Extremkletterer für einen Vortrag in der Festhalle verpflichtet. Der war, versteht sich, ausverkauft.
„ In den Bergen ist Freiheit“ lautet der Titel der Multivisionsschau, in der Kletterkünstler Thomas Huber faszinierende Einblicke in sein „wildes Leben“ gab. Mit erfolgreichen Erstbesteigungen und spektakulären Kletterpartien in extremen Steilwänden hat sich der Bergenthusiast einen Namen im Alpinismus gemacht – meist in Seilschaft mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Alexander; die beiden firmieren als „Huberbuam“.
Die Reputation hilft. „Bekanntheit ist absolut notwendig, wenn man vom Bergsteigen leben will“, erklärt Huber gleich zu Beginn seines Vortrags und spielt den Werbespot ein, mit dem die Brüder schon vor vielen Jahren als „Milchschnittebuam“ einem breiten Publikum bekannt wurden.
Allerdings, so Huber, stehe er nicht wirklich hinter dem Zuckerprodukt, ganz im Gegensatz zu dem Bier aus seiner Heimat Berchtesgaden, für das er in der „dunklen Pandemiezeit“ warb. Der Brauereibesitzer war derart begeistert von dem Spot, dass er Huber Freibier auf Lebenszeit zusagte.
Der Einleitung folgten faszinierende Bildern aus dem kalifornischen Yosemite Valley, das Thomas Huber in- und auswendig kennt und als „mein Wohnzimmer“ bezeichnet. „El Capitan“, der Berg mit den senkrecht abfallenden Flanken, war lange Zeit „das Zentrum der Kletterwelt“; die Hubers haben sich dort zehn Jahre lang als Pioniere ausgetobt. Ungläubiges Kopfschütteln und ein Raunen, als das von Huber selbst konzipierte Wohn- und Schlafzelt auf der Leinwand erscheint, in dem er, an senkrechter Wand Hunderte von Metern über dem Abgrund schwebend, „gemütlich genächtigt“ habe. Freikletternd könne man so einen Granitkoloss schließlich nicht „am Stück durchsteigen“.
Spektakulär ist die „Nose“, eine 1000 Meter aufragende Wand, die früher in 30, heute in drei Tagen durchstiegen wird. Der Rekord im Speedklettern lag bei 2:48:50 Stunden und galt als unantastbar – „sie hatten bloß vergessen, dass wir auch am Start waren“. Der Rekordversuch der „Huberbuam“ sollte fürs Kino verfilmt werden, entsprechend hoch war der Druck. Mehrere Versuche schlugen fehl. Der Dokumentarfilm „Am Limit“ wurde auch ohne den angepeilten Rekord ein Erfolg, doch war die Geschichte damit nicht zu Ende. „Aufgeben war keine Option“, sagt Thomas Huber – und in der Tat standen am Ende unglaubliche 2:45:45 Stunden zu Buche.
Der ebenfalls bergbegeisterte Vater hat die beiden Buben schon früh mit auf die Berge genommen. Offenbar waren sie nicht von Anfang an Feuer und Flamme. „Bergsteigen ist für Kinder erst mal absolut sinnbefreit“, weiß Thomas Huber. Doch nach Abitur und Studium richteten sich er und sein Bruder ganz aufs Klettern aus.
Latok II und Ogre, 7108 respektive 7285 Meter hoch, beide im Karakorum, wurden erstiegen; die Bilder, die Huber zeigte, waren atemberaubend. In steilsten Granitwänden machten die Hubers neue Routen ausfindig; die vom kantigen Stone-Rock der Huber-Band „Plastic Surgery Disaster“ untermalten Aufnahmen sorgten für Gänsehaut im Saal.
„Das Können ist des Dürfens Maß“
Wobei man mit Draufgängertum allein nicht weit kommt. „Man muss die Sprache der Berge verstehen“, sagt Thomas Huber, und erkennen, wie weit man gehen darf und wo die Grenzen liegen. Dass das nicht immer funktioniert, hat er am eigenen Leibe erfahren, 2016, als er an seinem Hausberg, dem Watzmann, „einen großen Fehler“ machte und 16 Meter in die Tiefe stürzte. „Ich hatte enormes Glück.“ Huber erlitt eine Schädelfraktur – doch nur einen Monat später besuchte er mit seinem Sohn Elias die Unglücksstelle in seiner Nachbarschaft.
Anderen erging es schlechter; eingeblendete Bilder zeigen Kletterfreunde, „die nicht mehr unter uns sind“. Die Frage nach dem Risiko wird Huber oft gestellt; er beantwortete sie mit einem Wort von Paul Preuß, dem Pionier des modernen Freikletterns: „Das Können ist des Dürfens Maß.“ Soll heißen: Wer es kann, darf – wer nicht, sollte es bleiben lassen.