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Nach Skandalen im Kreis Rottweil IG schreibt sich tierfreundliche Schlachtung auf Fahne

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Bei der mobilen Schlachteinheit gehen die Tiere freiwillig in ein Fressgitter wie dieses. Das sind sie aus ihrem Stall gewöhnt. Foto: Kopf

Gestresst, verschwitzt, in panischer Angst - so geht es vielen Rindern, die zum Schlachthof gefahren werden. Sie wittern, was ihnen blüht. Wie sich die IG "Schlachtung mit Achtung" seit Jahren für eine tierfeundliche Schlachtung einsetzt und woran sie aktuell arbeitet, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Fluorn-Winzeln - "Die Türen zu dem Thema sind aufgestoßen", sagt Sandra Kopf von der IG "Schlachtung mit Achtung". Nicht zuletzt durch die Skandale bei einer Schweinezucht im Kreis in der Fleischfabrik Tönnies ist das Thema Tierhaltung und -schlachtung in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.

Schlachtung könne tierfreundlich sein

Die Weihnachtszeit steht an und mit ihr steht auch der Fleischgenuss ­im Fokus - gleichzeitig aber immer noch überschattet von den jüngsten Skandalen. Dass eines Tages niemand mehr Fleisch essen werde, sei unrealistisch, sagt Sandra Kopf aus Fluorn-Winzeln, Gründungsmitglied der IG.

Dennoch könne man die Schlachtung so tierfreundlich wie möglich machen. Das hat sich die IG auf die Fahne geschrieben und ein System entwickelt, mit dem genau das, Tierschutz bei der Schlachtung, möglich ist.

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"Wir möchten dem Schlachten das Grausige nehmen", lautet das Motto der IG. Sandra Kopf waren Tiertransporte schon immer ein Gräuel. "Rinder haben eine feine Nase. Sie riechen Blut. Und in der Nähe eines solchen Transporters kann man auch als Mensch die Angst riechen", sagt sie.

Voller Panik im Schlachthof

Verschwitzt, manchmal eingekotet und voller Panik kämen die Tiere im Schlachthof an, wo sie dann betäubt und getötet werden. Diese Angst der Tiere esse man als Verbraucher mit, erklärt Kopf. Die Stresshormone könnten vor dem Tod gar nicht so schnell verstoffwechselt werden.

Darunter leidet auch die Qualität des Fleisches. "Auch das Bio-Siegel ändert nichts daran. Die Rinder sterben in den gleichen Schlachthöfen", sagt Kopf.

Die Lösung? Ein hofnahes Schlachten, ohne dass die Tiere mitbekommen, was geschehen wird. Die Bedingungen dafür sind jedoch streng. Das Tier muss laut Vorschrift in einem geschlossenen Raum getötet werden. Im Kopf der IG-Gründer Sandra Kopf und Thomas Mayer entstand die Idee eines Schlachtmobils.

Das Startkapital, 60.000 Euro, erhielten die Ehrenamtlichen damals von der Grünen-Partei. 400.000 Euro kostete es letztlich, ein solches Mobil konstruieren und bauen zu lassen, das auch eine Zulassung erhält. Damit hat die IG etwas Einzigartiges geschafft: eine Möglichkeit, Rinder in ihrer gewohnten Umgebung und ohne Angst zu schlachten.

Die Tiere werden draußen mit Futter in ein Fressgitter gelockt, wie sie es aus ihrem Stall kennen. Sobald sie den Kopf hindurchschieben, fällt ein Bügel hinunter, der den Kopf fixiert. Meist bekommen die Tiere das gar nicht mit, sondern essen friedlich weiter, wie auf einigen Videos zu sehen ist, die Kopf im Gespräch zeigt. Wenn das Tier übrigens nicht freiwillig hineingeht, wird es nicht geschlachtet. Das ist Kopf sehr wichtig. Zudem darf niemand in "Schlachtermontur" auf das Tier warten.

Transparenz ist wichtig

Wenn der Kopf fixiert ist, kann es dann mit einem Bolzenschussgerät betäubt werden. Danach läuft die Zeit. Das Tier muss innerhalb von 60 Sekunden getötet werden, sonst besteht die Gefahr, dass es erwacht und weiß, was ihm blüht.

Deshalb wurde das Mobil so entwickelt, dass das Fressgitter samt Tier darin automatisch über eine Konstruktion in den dahinter stehenden Lastwagen gezogen wird. Anschließend fährt das Rollgitter des Lastwagens herunter, so dass ein geschlossener Raum entsteht. Gleichzeitig klappt eine Abdeckung herunter, so dass die Brust des Tiers freigelegt wird und der tödliche Stich schnell ausgeführt werden und das Tier anschließend in den Schlachthof gebracht werden kann.

Im Mobil ist eine Kamera installiert, so dass überprüfen kann, ob das Tier freiwillig hergekommen ist, und man über die Ohrmarke für den Verbraucher ermitteln und ihm sogar zeigen kann, wie das Tier, das er gerade isst, gestorben ist -­ wenn das erwünscht sei. "Transparenz ist wichtig", betont Kopf.

Seit mittlerweile zwei Jahren ist die mobile Schlachteinheit im Einsatz, unter anderem im Markgräfler Land und Thüringen, aber auch in Südtirol. Auch die Gemeinde Baiersbronn hat sich ein 70.000 Euro teures Exemplar zugelegt, um es den Landwirten zur Verfügung zu stellen. "Jedes Tier, das nicht lebend in den Schlachthof muss, ist ein Erfolg", sagt Sandra Kopf. Ihr Ansatz ist kein kämpferischer, sondern einer mit Vernunft und Kompromissen. "Das ist so ein sensibles Thema. Mit Druck und Kampf erreicht man da gar nichts. Vielmehr legen wir Wert darauf, mit den Behörden zusammenzuarbeiten."

Auf diese Weise soll auch eine mobile Schlachteinheit für Schweine entstehen. An einer solchen arbeitet die IG gerade. Dafür hat sie eine Förderung in Höhe von 90.000 Euro erhalten. "Da stehen wir aber noch ganz am Anfang, denn die Schweine müssen ja zum Beispiel noch gebrüht werden", erklärt Kopf. Parallel wird zudem an der Umsetzung der Idee eines "fahrenden Schlachthofs" gearbeitet, bei dem die Tiere nach dem Töten gleich vor Ort geschlachtet werden können.

"Das System ist krank"

"Die jüngsten Tierskandale haben einfach bestätigt, wie schlimm die Abhängigkeit von Großbetrieben für Tier und Mensch ist", sagt Sandra Kopf. Ihr ist wichtig, dass die Aufmerksamkeit für das Thema nun nicht versandet. "Das Problem der Rückstaus der Tiere in den Ställen bleibt bestehen. Das System ist krank: Obwohl die Ställe voll sind, werden immer weiter Tiere nachgeschoben."

Kopf möchte aber weder Landwirte noch Metzger an den Pranger stellen. Im Gegenteil: Mit der anderen Art zu schlachten soll der Imageverlust dieser Gruppen aufgefangen werden. Das geht aber nur, wenn überall ankommt, dass eine alternative Art der Schlachtung möglich und zulässig ist, so wie es die IG geschafft hat.

Am 20. Oktober hätte sie ihre mobile Schlachteinheit in Rottweil vorgestellt, doch der zweite Lockdown machte der Veranstaltung einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem bleibt die IG dran und hat bewiesen: "Schlachtung geht auch anders."

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