Im Foyer des OHG-Nagold versammelten sich zahlreiche Gäste zum gemeinsamen „Ramadan“-Fastenbrechen. Foto: Manuel Virág

Kurz nach Sonnenuntergang versammelten sich mehr als 80 Besucher im Foyer des OHG-Nagold zum täglichen „Ramadan“-Fastenbrechen. So läuft das muslimische Festessen ab.

Lange Tafeln erstrecken sich durch das Foyer des Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) Nagold. Ein Raunen geht entlang der voll besetzten Tische, man tauscht sich über den Tag aus. Plötzlich wird es still. Mucksmäuschenstill. Ein Gebetsruf schallt durch den Raum – das tägliche Fastenbrechen ist eröffnet.

 

Mit einer Dattel und einem Glas Wasser, mit welchen der muslimische Prophet Muhammad der Überlieferung nach einst sein Fasten brach, wird das Festessen eingeleitet. Über 80 Gäste haben sich in der Schule versammelt, um gemeinsam den „Iftar“ (arabisch für „Fastenbrechen“) zu feiern.

Mit einer AG fing alles an

Angefangen habe alles mit ein paar muslimischen Schülern, die einen Raum zum Beten gesucht hatten, erklärt Ethiklehrerin und Organisatorin Melanie Schmid. Also gründeten die OHG-Schüler eine AG: die „Ikra“-AG.

„Ikra“ sei arabisch und bedeute „lies“, erläutert Schmid. Die AG sollte nämlich eine Möglichkeit schaffen, in Gemeinschaft mit anderen Schülern den Koran zu lesen und miteinander zu beten.

Zur muslimischen FastenzeitRamadan“ hatten die Schüler 2022 dann eine Idee: Sie wollten ein gemeinsames Fastenbrechen organisieren. Im Dachgeschoss des alten OHG-Gebäudes fand dann der erste „Iftar“ statt, damals noch mit rund 30 Besuchern.

Das Interesse stieg

Nachdem der „Iftar“ im Folgejahr schon 50 Gäste verzeichnen konnte, meldeten sich im Jahr darauf schon um die 80 Teilnehmer für das Festessen an, sodass das Event aus dem engen Dachgeschoss in das große Foyer des neuen OHG-Gebäudes verlagert werden musste.

Mehr als 80 Besucher versammelten sich zum „Iftar“ im OHG-Foyer Foto: Manuel Virág

Mittlerweile wird es selbst dort zu voll: „Wir mussten schon extra Tische und Stühle holen, damit alle sitzen können“, freut sich Schmid über das Interesse.

„Ramadan“, auch für Nicht-Muslime

Nun ist das Buffet eröffnet. Das meiste Essen ist von den Gästen selbst mitgebracht; Von Fleisch und Suppe bis hin zu leckerem Kuchen ist alles mit dabei. Auch unser Reporter selbst darf zugreifen, auch wenn er gar nicht muslimisch ist, geschweige denn gefastet hat.

Eingeladen sei nämlich jeder, egal welcher Religion er angehöre, erklärt Schmid. Stolz können sie auch immer öfter beobachten, dass auch Schüler anderer Glaubenszugehörigkeiten sich für den „Iftar“ interessieren.

„Da gibt es auch viele Nicht-Muslime, die sich einfach mal umschauen möchten“, meint sie. „Mittlerweile sind wir hier eine bunte Mischung.“

Ein gemeinsames Miteinander

Denn wichtig sei laut Schmid bei dem Fest vor allem eines: Ein gemeinsames Miteinander. Es sei schön zu sehen, wie Familien und Schüler verschiedener Religionen gemeinsam essen und sich unterhalten, findet sie.

Hin und wieder müssen die Gespräche allerdings angehalten werden: während dem Essen gibt es zwischendurch immer wieder kleinere Gebetspausen, in der alle Gäste kurz ihre Löffel und Gabeln ablegen und einen Moment innehalten.

Stück für Stück leeren sich die Teller. So langsam neigt sich der „Iftar“ dem Ende zu, beim Gehen wird noch das ein oder andere Stück Kuchen eingepackt.

Auch der „Ramadan“ selbst geht langsam zu Ende. Am 20. März ist der große Abschluss. Danach darf wieder nach Herzenslust gegessen werden, bis die Fastenzeit dann im nächsten Jahr wieder von neuem losgeht.