Auf dem Grabfeld 41 des Heiligkreuzfriedhofs soll ein Urnengrabfeld unter dem Titel "Fluss der Erinnerung" entstehen. Foto: Alexander Kauffmann

Hechingen plant auf dem Heiligkreuzfriedhof ein neues Urnengrabfeld: „Fluss der Erinnerung“ mit Bachlauf und Sitzbänken.

Der Tod ist ein Thema, über das selten gesprochen wird. Für manche ist es gar ein Tabu-Thema – und das, wo doch alle Menschen eines Tages sterben müssen. Wie es mit dem Leichnam nach dem Tod weitergeht, damit hat sich nun der Ortschaftsrat Stetten befasst. Auf der Gemarkung des Hechinger Teilorts liegt der Heiligkreuzfriedhof, und dort soll ein weiteres Grabfeld für Urnen eingerichtet werden. Der Bauausschuss wird darüber in seiner Sitzung am Mittwoch kommender Woche entscheiden.

 

Anlass für den Vorstoß ist der Umbruch in der Bestattungskultur. Standard war früher das klassische Grab mit Pflanzen und behauenem Stein. Inzwischen ist das die Ausnahme.

In der Sitzungsvorlage für den Ortschaftsrat berichtet die Stadt, dass die „klassischen Sargbestattungen kontinuierlich an Bedeutung verlieren“. Auf der Gemarkung Hechingen finden demnach 70 Prozent der Verstorbenen in einer Urne die letzte Ruhe – nur 30 Prozent im Sarg, und die Anzahl der Urnenbestattungen steigt nach wie vor.

„Pflegearme Bestattungsformen“

Ein weiteres Argument, das gegen die klassische Form der Beisetzung spricht, ist der Aufwand: Ein Grab mit Pflanzen benötigt kontinuierliche, den Jahreszeiten angepasste Pflege. Wie die Stadt in der Sitzungsvorlage berichtet, wächst nicht nur die Nachfrage nach Feuerbestattungen, sondern entsprechend auch nach „naturnahen und pflegearmen Bestattungsformen“.

Folgerichtig schlägt die Stadt den kommunalen Gremien vor, das Angebot auf dem Heiligkreuzfriedhof anzupassen. Auf dem 700 Quadratmeter großen Grabfeld 41 soll eine Urnengemeinschaftsgrabanlage entstehen, die unter dem Titel „Fluss der Erinnerung“ stehen soll. Diese Überschrift wird gestalterisch umgesetzt mit einem 30 Meter langen Bachlauf, der sich über das Gelände schlängelt, so die Idee. Findlinge sollen den Bereich ebenso schmücken wie ansprechende Bepflanzung. Ein Hauptweg mit abzweigendem Pfad lädt zum Spaziergang ein, und Sitzbänke zum Innehalten in der parkähnlichen Anlage.

Anonyme Bestattung möglich

Das neue Grabfeld soll Platz für rund 300 Urnen bieten. Die Namenskennzeichnung der Verstorbenen ist freiwillig. Auf Wunsch wird, gegen gesonderte Gebühr, eine einheitliche blattförmige Namenstafel mit Vor- und Nachnamen, sowie Geburts- und Sterbejahr gesammelt auf einem großen Naturstein angebracht. Rund um den Stein können Blumen und Gestecke abgelegt werden. Da die Namenskennzeichnung den Angehörigen freisteht, ist sowohl eine anonyme, als auch eine halbanonyme Bestattung möglich.

Die Kosten für die Einrichtung des Grabfelds werden auf 35.000 Euro geschätzt und sollen mit den Gebühreneinnahmen refinanziert werden. Der Ortschaftsrat Stetten hat dem Vorhaben schon einstimmige Zustimmung erteilt. Ein Verzicht auf das neue Angebot „würde an dem bestehenden und weiter steigenden Bedarf vorbeigehen“, heißt es in der Sitzungsvorlage, zumal mit anderen Angeboten rund um Hechingen Konkurrenz zum Heiligkreuzfriedhof gibt. Werden zu viele Verstorbene woanders bestattet, sinken die Einnahmen. Der Bauausschuss des Hechinger Gemeinderats berät und entscheidet über das Thema Urnengrabfeld auf dem Friedhof Heiligkreuz während der Sitzung am Mittwoch, 10. Juni, von 18.30 Uhr an im Saal des Rathauses.

41 Bäume belegt

Auf dem Heiligkreuzfriedhof erfreut sich auch das Baumgrabfeld großer Beliebtheit. 41 Bäume sind belegt, und das Grabfeld wird jährlich um weitere Bäume erweitert. Auf dem anonymen Grabfeld gibt es inzwischen 365 Gräber. Es ist fast vollständig belegt.