Durften in den Herbstferien bis zu acht Kinder gleichzeitig die Bewegungslandschaft in Meßstetten nutzen, sollte im Frühjahr die gesamte Bewegungshalle blockweise nur an Angehörige eines einzelnen Haushaltes vermietet werden. Dem wurde nun eine Absage erteilt. Foto: Wysotzki

Nach Vorbild der Bewegungslandschaft im Herbst 2020 möchte der TSV Meßstetten ein ähnliches Sportangebot starten und die Halle stundenweise vermieten. Doch das ist laut Coronaverordnung nicht zulässig. Die Verantwortlichen sind enttäuscht und sagen: Es wird mit zweierlei Maß gemessen.

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Meßstetten - In den Sporthallen im Land, wo sonst Turnschuhe quietschen, Kinder lachen und auch mal der Schweiß tropft, herrscht im Moment gähnende Leere: Kein Schulsport, kein Training für Handballmannschaften, Kinderturnen oder Fitnessgruppen sind in der Halle – das Licht muss seit November dauerhaft ausbleiben.

Ähnlich dem Vorbild einiger Skilifte in der Region, die im Winter einzelne Privatpersonen angemieten durften, hatten die Funktionäre des TSV Meßstetten geplant, die Bewegungslandschaft stundenweise an Privatpersonen zu vermieten.

Im Oktober hatte der TSV kurzzeitig eine Bewegungslandschaft im Anbau der Heuberghalle angeboten. Dahinter stand ein ausgeklügeltes Anmelde- und Hygienekonzept. Geboten war eine außergewöhnliche, über mehrere Tage fest installierte Bewegungs-Landschaft, auf der sich Kinder frei austoben durften. Besonders beliebt war die Schnitzelgrube, ein mit Schaumstoffwürfeln gefülltes und mit Matten gepolstertes Becken, das den Kindern waghalsige, gut abgefederte Sprünge ermöglichte.

Obwohl der Lockdown­beschluss dem Herbstferienangebot ein vorzeitiges Ende bescherte, war die Bewegungslandschaft ein Riesenhit: Insgesamt 212 Kinder waren angemeldet.

Durften in den Herbstferien bis zu acht Kinder gleichzeitig die Bewegungslandschaft nutzen, sollte im Frühjahr die gesamte Bewegungshalle blockweise nur an Angehörige eines einzelnen Haushaltes vermietet werden. In den Pausen dazwischen sollte die gesamte Halle gelüftet werden, auch um Begegnungen zwischen den Familien zu verhindern.

Die Idee ist gut – die Absage kommt dennoch

Die Idee klingt gut – doch die Stadt Meßstetten erteilte ihr eine Absage. Die aktuelle Coronaverordnung lasse es nicht zu, Sportangebote in geschlossenen Räumen anzubieten. In der Vergangenheit habe sich die Stadt stets als guter Kooperationspartner in Coronaangelegenheiten erwiesen und sei stets bemüht gewesen, mit den Vereinen eine gute Lösung zu finden. Doch nun sind auch der Stadt die Hände gebunden: "Die Corona-Verordnungen des Landes schreiben fest, dass öffentliche und private Sportanlagen oder Sportstätten in geschlossenen Räumen nicht für den Freizeit- und Amateurindividualsport genutzt werden dürfen", lautet die Erklärung aus dem Rathaus.

Beim TSV löste das große Enttäuschung aus: "Die Fußball-Profis reisen in der Weltgeschichte umher, und wir dürfen unsere Jüngsten nicht bewegen", sagt Patricia Bodmer, Vorsitzende des TSV Meßstetten. Ins Unverständnis für diese Doppelmoral mischt sich auch Sorge: "Es ist höchste Zeit, dass sich die Kinder wieder ausgiebig austoben können."

Die Übungsleiter betonen, dass es mit einem Online-Training für die Gruppen bei Weitem nicht getan sei. Für ältere Sportler sei es vielleicht eine Notlösung, Teile der Trainingseinheiten zu Hause zu machen. Doch wenn man fünfjährigen Kindern eine Rolle vorwärts beibringen oder mit Grundschulkindern das Ballgefühl üben wolle, stoße man ganz schnell an die Grenzen des Online-Trainings. "Die Freude an Fangspielen in der Gruppe, oder einfach mal wieder über etwas drüber zu balancieren, Hindernisse zu überqueren, zu springen und zu hüpfen – das alles fehlt gerade den Jüngsten im Moment enorm, auch im Hinblick auf Gleichgewicht und Koordination", meint Bodmer besorgt.

Gewichtszunahmen, Entwicklungsdefizite bei Kindern und eine erhöhte Verletzungsgefahr sind die Folgen. Die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung auf die körperliche und geistige Gesundheit sind von Sport- und Gesundheitswissenschaften erwiesen.

Für Wachstum braucht es Bewegung

Auch Ingo Froböse von der deutschen Sporthochschule Köln wird nicht müde, immer wieder zu betonen: "Für Wachstumsprozesse und die Entwicklung bestimmter kognitiver Fähigkeiten braucht es Bewegung. Um zum Beispiel das Knochenwachstum anzuregen, müssen Kinder springen und hüpfen. Außerdem ist Sport eines der wichtigsten Stressventile", erklärt der Experte. "Wenn Sport nicht stattfinden kann, wird der Stress in den Familien nicht abgebaut."

Auch der Deutsche Turnerbund (DTB) äußerte sich dazu Anfang Februar in einem Statement und fordert die baldige Wiederaufnahme des Sportbetriebs in den Breitensportvereinen. Der DTB betont: "Die Sportvereine haben während der ersten Welle der Pandemie eindeutig gezeigt, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind und seriös das bestehende Infektionsrisiko minimieren können."

Der TSV Meßstetten versucht nun gemeinsam mit der Stadtverwaltung Meßstetten, eine Alternative zu finden. Der Antrag ist bereits gestellt, das derzeit geschlossene Freizeitgelände auf dem Blumersberg nach dem selben Vermietungsmodell für einzelne Haushalte zu öffnen.

Der TSV würde sich in diesem Fall um die Organisation der Zeitabschnitte und die Betreuung des Geländes kümmern. "Unsere Ehrenamtlichen haben lange genug zu Hause gesessen und sind bereit, endlich wieder etwas anzupacken", so Bodmer.

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