Rege beteiligt haben sich die Meßstetter Gymnasiasten an der bundesweiten Initiative „#IchStehAuf“, die Demokratiebildung an Schulen fördern will. Dabei ist auch aufgefallen, wie sehr aktuell politische Themen schon die Jüngsten trifft und beschäftigt.
„Wir brauchen die Demokratie genauso, wie die Demokratie uns braucht.“ Mit diesen Worten begrüßte Markus Haug, Fachsprecher für Gemeinschaftskunde, die Meßstetter Gymasiasten in der Aula. Etwa 220 Schüler der Klassen fünf bis zwölf hatten sich dort im Rahmen der bundesweiten Initiative „#IchStehAuf – Schulen für Demokratie und Vielfalt“ eingefunden, an der das Gymnasium erstmals teilgenommen hat.
Eine Premiere, die bei Lehrern und Schülern einen ordentlichen Eindruck hinterlassen hat. „Ich war zum Beispiel ziemlich erstaunt darüber, dass sich schon Achtklässler Gedanken um bezahlbare Bauplätze machen“, bekennt Haug. Aber auch Themen wie eine gerechte Bezahlung, Artenschutz oder ein „höflicher Umgang und Zusammenhalt in Familie und Gesellschaft“ waren Wünsche, die Schüler der Mittelstufe am Mikrofon vorgetragen haben.
Auf Karteikarten stehen die Wünsche und Ängste
Dann waren ihre Schulkameraden an der Reihe: Auf bunte Karteikarten schrieben sie ihre Wünsche, Ängste und Sorgen auf, die mit Wäscheklammern klassenweise an Fäden in der Aula befestigt wurden.
Neben der Bandbreite der Wünsche – von einer „Döner-“ und einer „Bierpreisbremse“ über eine gute Klassengemeinschaft bis hin zu mehr direkter Demokratie nach Schweizer Vorbild und mehr Bürgerbeteiligung – wurde bei dem Aktionstag auch deutlich, wie sehr aktuell politische Themen ihren Eindruck bei den Schülern hinterlassen. So stehen auf den Karten Wünsche wie, dass „der Krieg nicht zum Weltkrieg ausartet“, die Lebensmittelpreise wieder günstiger und die Preise generell nicht höher werden sowie dass „Politiker für ihre Fehler haften“ sollen und die politische Berichterstattung allgemein differenzierter sein soll. Aber auch populistische Aussagen wie „Ausländer raus“, eine Arbeitspflicht für alle, ein geringeres Bürgergeld und „Angst vor zu vielen Ausländern in Deutschland“ war zu lesen.
Die Demokratie muss viel aushalten können
„Demokratie muss auch viel aushalten können“, meint Haug – in drei Fällen jedoch habe er Karten wieder abnehmen müssen, weil deren Inhalte zu plakativ, zu beleidigend oder gewaltverherrlichend gewesen seien.
Abgesehen davon blieben aber fast alle Karten hängen – darunter auch eine, auf der gefordert wird, beim Ukraine-Krieg auch die russische Seite anzuhören und zu berücksichtigen. „Die Karten-Ketten werden später in den jeweiligen Klassenzimmern angebracht und deren Karten von den Klassenlehrern respektive Fachlehrern im Unterricht weiter behandelt“, sagt Haug.
Infos zur Initiative und teilnehmende Schulen
„#IchStehAuf – Schulen für Demokratie und Vielfalt“
ist eine Initiative der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung in Kooperation mit der Zeit-Verlagsgruppe und der ARD. Ziel der Initiative ist es, die Demokratiebildung an Schulen zu stärken und über den Aktionstag am 6. Juni hinaus nachhaltig zu fördern.
Mehr als 1500 Schulen
bundesweit haben sich laut Internetseite der Initiative – www.ichstehauf.org – für den Aktionstag angemeldet, 391 davon aus Baden-Württemberg. Aus dem Zollernalbkreis nahmen neben dem Gymnasium Meßstetten unter anderem diese Schulen daran teil: die Grundschule Schmiden und die Realschule in Balingen, das Gymnasium Hechingen, die Schillerschule Onstmettingen sowie die Walther-Groz-Schule in Ebingen.