Am Rande des DFB-Trainingslager in Südtirol hat sich ein schwerer Unfall ereignet. Foto: dpa

Nach dem schweren Unfall mit zwei Verletzten am Rande des DFB-Trainingslagers in St. Leonhard meldet sich jetzt der verletzte Streckenposten zu Wort. Vorwürfe macht er DTM-Fahrer Wehrlein keine. Aber: "Vielleicht hätten sie nicht ganz so schnell sein müssen."

Nach dem schweren Unfall mit zwei Verletzten am Rande des DFB-Trainingslagers in St. Leonhard meldet sich jetzt der verletzte Streckenposten zu Wort. Vorwürfe macht er DTM-Fahrer Wehrlein keine. Aber: "Vielleicht hätten sie nicht ganz so schnell sein müssen."

 

Berlin/St. Leonhard - Eines der Opfer des Unfalls im Trainingscamp der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Passeiertal erhebt keine Vorwürfe gegen Mercedes-Fahrer Pascal Wehrlein. „Nein. So etwas wollte doch niemand“, sagte der Mann aus Südtirol, der am Dienstag mit Verletzungen am Bein und am Rücken ins Krankenhaus von Meran gebracht worden war, im Interview mit dem „Express“ und der „Hamburger Morgenpost“.

„Vielleicht hätten sie da nicht ganz so schnell sein müssen“, sagte er mit Blick auf die Fahrer Nico Rosberg und Wehrlein. Der DTM-Pilot habe sich bereits bei ihm entschuldigt.

Er habe vergeblich versucht, einen 63 Jahre alten deutschen Urlauber zu retten. Der Mann habe nicht auf der Straße gestanden, aber dicht dran. „Er wollte ein Foto machen und wohl auch ein Autogramm haben“, berichtete der Verletzte. „Ich habe erst laut geschrien. Dann bin ich hinterher. Ich wollte ihn zurückziehen, habe es nicht mehr geschafft. Aber wenn es zwei Augenblicke länger gedauert hätte, hätte er mich auch voll getroffen. Ich hätte tot sein können.“

Wehrlein: "Schock sitzt tief"

Wehrlein äußerte sich voller Bestürzung über den Unfall: „Der Schock über die tragischen Ereignisse sitzt sehr tief“, schrieb der 19 Jahre alte Mercedes-DTM-Fahrer am Mittwoch bei Facebook . „Meine ganze Hoffnung und meine Gedanken sind bei den beiden Verunglückten und ich bete, dass wir bald positive Nachrichten bekommen werden. Ich danke allen für die Unterstützung in diesen schweren Stunden.“

Bei einem PR-Termin mit Generalsponsor Mercedes-Benz hatte der Wagen von Wehrlein am Dienstag die beiden Männer erfasst. Wehrlein sowie die beiden Nationalspieler Benedikt Höwedes und Julian Draxler, die mit im Auto saßen, blieben unverletzt.

Höwedes half bei Erstversorgung

Höwedes half nach dem Unfall bei der Erstversorgung. „Ich habe nichts getan, was nicht jeder andere auch gemacht hätte. In einer solchen Situation Hilfe zu leisten, ist selbstverständlich“, erklärte der Verteidiger von Schalke 04 am Mittwoch auf der DFB-Homepage.

Psychologische Nachwirkungen bei sich selbst schließt Höwedes nicht aus. „Ich glaube, dass die Bilder noch eine Zeit lang in meinem Kopf bleiben werden. Mir haben Gespräche mit den Trainern, der Mannschaft und den Betreuern geholfen“, sagte Höwedes, für den die Situation natürlich „ein Schock“ gewesen sei.

Der Abwehrspieler fühlt mit den Unfallopfern mit. „Meine Gedanken sind bei ihnen und ihren Familien. Ich hoffe, dass es ihnen bald besser geht“, sagte der 26-Jährige, der am Dienstag zum Unfallhergang eine Aussage bei der italienischen Polizei abgab.

Auch Höwedes Mannschaftskollegen zeigten sich betroffen. „Ich hoffe, dass der Mann schnell gesund wird und aus dem Krankenhaus kommt“, erklärte Sami Khedira. Man müsse aber trotzdem versuchen, sich weiter auf die WM-Vorbereitung zu konzentrieren: „Das ist unsere Aufgabe und Arbeit.“