Die Online-Bürgerbewegung "Campact" ruft in E-Mails dazu auf, bei der anstehenden Bundestagswahl den Grünen-Abgeordneten Johannes Kretschmann zu wählen und nicht CDU-Staatssekretär Thomas Bareiß. Dieser findet das unerhört.
Zollernalbkreis - Der in Berlin eingetragene Verein begründet dies damit, dass Bareiß einer "der größten Blockierer wirksamer Klimaschutzmaßnahmen" im Bundestag sei. Die Vereinigung bezeichnet sich selbst als unabhängig und überparteilich, kämpft jedoch für den Klimaschutz. Deshalb mische sie sich auch in den Wahlkampf ein, begründet sie die E-Mail-Kampagne. "Campact" wirft Bareiß zudem Lobbyarbeit vor. Die Vereinigung hatte bereits gegen andere Kandidaten – nicht nur von der CDU –, die ihrer Meinung nach den Klimaschutz verhindern, ähnliche Kampagnen gestartet.
Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten erklärt sie, dass auch viele andere NGOs, wie beispielsweise Greenpeace, in ihrem Schwarzbuch Bareiß als Politiker wahrnehmen würden, der wiederholt einen konkreten Klimaschutz ausgebremst habe. Campact bleibe aber parteipolitisch unabhängig, und würde nicht zur Wahl einer Partei mit der Zweitstimme aufrufen, jedoch zur Wahl von Kandidaten, die für ähnliche Ziele wie Campact eintreten würden. Diese könnten unterschiedlichen Parteien angehören. Das Ergebnis einer Forsa-Umfrage habe ergeben: "Das Maß für Bareiß Verfehlungen scheint für viele Wähler voll zu sein", schreibt "Campact"
Bareiß spricht von persönlichen Angriffen
"Diese Form von persönlichen Angriffen, Unterstellungen und Stimmungsmache habe ich bisher noch nicht erlebt. Campact hat wohl ganz gezielt Abgeordnete der CDU und CSU im Visier und für vogelfrei erklärt", ist die Reaktion von Bareiß auf die Aktion.
Die Klimaaktivisten hätten bereits weitere Aktionen angekündigt. Dies seien Methoden, die eine erschreckende Dimension erreicht hätten und der Demokratie schaden würden. "Wer unseren Wahlkreis in Berlin vertritt, entscheiden die Wähler und nicht Campact", sagt der CDU-Politiker.
Auch die Kritik der Klimalobby könne er nicht nachvollziehen. Kein anderes Land in Europa sei so erfolgreich beim Klimaschutz wie Deutschland. Fast 50 Prozent des Stroms des Landes stamme aus erneuerbaren Energien. "Ich finde es nicht nur unfair, sondern unverschämt, mir zu unterstellen, ich würde etwas ausbremsen. Das Gegenteil ist der Fall."