Conni ist nicht nur im Kinderbuch gefragt. Im Netz gibt es so viele Conni-Memes, dass ihr Verlag an geltendes Recht erinnert. Was sagen Stuttgarter Verlage zu Memes?
Conni mit der Schleife im Haar? Die Kinderbuchfigur aus dem Carlsen-Verlag kennt fast jeder. Seit 1992 begleitet das Mädchen im Ringelshirt Kinder durch das Abenteuer Alltag, vom Einstand im Kindergarten bis zum ersten Ausritt auf Pony Flecki. Verständlich, dass die markante Figur durch ihre massive Präsenz bestens als Motivgeberin für alle möglichen Arten von Memes taugt.
Ein Meme ist ein durch einen neuen Text verändertes Bild. Das Resultat kann im besten Fall witzig, satirisch oder gesellschaftskritisch sein und wird über soziale Netzwerke verbreitet. „Conni geht die AfD ärgern“ steht dann zum Beispiel da, wo es ursprünglich „Conni geht auf Reisen“ hieß; auch Connis Köfferchen ziert auf dem Meme ein neuer, unmissverständlicher Aufkleber.
Ein Meme verletzt Rechte
Jüngst hat der Carlsen-Verlag darauf hingewiesen, dass es sich bei solchen Memes um Verletzungen von Urheber-, Marken- und Titelrechten handle, wenn auch unwissentlich. „Der Verlag distanziert sich von menschenverachtenden, rassistischen, gewaltverherrlichenden und pornografischen Verwendungen der Conni-Figur und lässt im gegebenen Fall rechtliche Schritte prüfen. Auch Nutzungen zu kommerziellen, werblichen, Marketing- und ähnlichen Zwecken kann der Verlag nicht akzeptieren“, hieß es in einer Pressemitteilung aus Hamburg.
Meme – was ist erlaubt, was nicht?
Der Verlag als Spaßbremse? Die Protestwelle ließ nicht auf sich warten, auch nicht die Klarstellung aus dem Hause Carlsen: „Nein, wir drohen nicht mit Klagen, sondern fordern in bestimmten Fällen dazu auf, das jeweilige Meme aus dem Netz zu löschen.“ Conni stehe für Werte wie Empathie, Freundschaft und Solidarität, erklärte der Verlag seine klare Haltung. Alle Memes, die dagegen verstießen, könne Carlsen nicht tolerieren.
Auch der Stuttgarter Thienemann-Verlag hat mit Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz oder mit Momo von Michael Ende starke Kinderbuch-Helden im Programm, die schon Generationen durch ihre Kindheit begleitet haben - und die eigentlich guten Stoff für Memes liefern könnten. Der Räuber, der im Dauerclinch mit Obrigkeiten liegt, als, zugegeben etwas ungeschickter Umverteiler - auch wenn es sich bei seiner Beute um Banales wie Bratwürste oder Kaffeemühlen handelt? Und Momo, die den Herren der Zeit-Sparkasse ihr Geschäftsmodell versaut, als Vorkämpferin von Finanzwende und Slow-Living? Das böte sich an.
Warum nicht mal ein Momo-Meme?
Doch nach entsprechenden Memes sucht man im Netz vergeblich. Ganz klar: Die Cover der unzähligen Conni-Bücher bieten leichter zugängliche und auch einfacher zu bearbeitende Vorlagen für Memes-Artisten als Buchillustrationen. Svea Unbehaun, Sprecherin der Thienemann-Verlage, bestätigt, nicht im großen Stil von Memes-Umdeutungen betroffen zu sein. Doch auch so betont sie: „Aber selbstverständlich ist es Aufgabe eines Verlags, die Werke seiner Urheber und Urheberinnen vor unerlaubten Nutzungen zu schützen.“
In einem anderen Stuttgarter Verlag sind „Die drei ???“ zu Hause. Auch die Helden Justus, Bob und Peter, in den deutschsprachigen Ausgaben durch den Kosmos-Verlag vertreten, haben schon Generationen durch ihre Kindheit begleitet, die markanten Cover ihrer Abenteuer bieten einen großen Wiedererkennungseffekt. Dennoch scheinen sie für Memes nicht attraktiv, wie Verlagssprecherin Silke Ruoff sagt. Bisher seien Kosmos keine speziellen „Die drei ???“-Memes im Social Media-Umfeld aufgefallen, so Silke Ruoff und fügt an: „Aber als Teil der Popkultur gibt es natürlich häufiger Querverweise oder ,Interpretationen‘ der Marke.“
Deren Stil hat die Stuttgarter Grafikerin Aiga Rasch geprägt; ihr Design wurde auch nach ihrem Rückzug 1999 beibehalten. Den poppig farbenfrohen Motiven gelingen starke, geheimnisvolle Bildwelten, die jedes Cover zum individuellen Kunstwerk machen. Sie für ein Meme zu nutzen, ist also nicht trivial. „Die drei ??? und das verschwundene Haze“ dichtet ein Spaßvogel in der charakteristischen Typografie und zeigt dazu drei Jugendliche, die verzweifelt Bauch- und Hosentaschen nach dem verlorenen Rauschmittel durchsuchen. Eines ihrer Shirts erinnert an Aiga Raschs Farbenrausch.
Besser auf der Bestseller-Liste als im Meme-Fokus
Ein Meme kann also auch eine Art künstlerischer Hommage sein. Und dagegen hat wahrscheinlich kein Verlag etwas einzuwenden - zumal „Die drei ???“ im Kosmos-Verlag gerade für große Freude sorgen: Mit Andreas Eschbachs aktuellem Titel „Die drei ??? Die Auferstehung“ haben es die Detektive aus Rocky Beach an die Spitze der Spiegel-Bestsellerliste geschafft. „Das ist eine großartige Sache für uns“, freut sich Silke Ruoff. „ Als Kinderbuch- und Ratgeberverlag sind wir zwar häufiger auf den Spiegel-Bestsellerlisten vertreten, aber wir waren noch nie in der Belletristik auf Platz eins.“
Info
Alltagsheldin
Conni zählt zu den beliebtesten Figuren in deutschsprachigen Kinderzimmern. Seit 1992 begleiten die Bücher aus dem Carlsen Verlag Millionen von Kindern im Alltag; erfunden hat die Figur die Grundschullehrerin Liane Schneider.
Altern
Conni wächst mit ihren Leserinnen, die Reihe „Conni 15“ wendet sich an Mädchen ab 12. Autorinnen wie Julia Boehme, Herdis Albrecht, Dagmar Hoßfeld und Dorothea Tust sind mit an Bord.
Zahlen
Seit 1992 wurden mehr als 50 Millionen Conni-Bücher verkauft; aktuell sind mehr als hundert Original-Conni-Geschichten lieferbar. Es gibt zwei Conni-Musicals, eine 52-teilige Conni-TV-Serie und drei Kinofilme – einen Animationsfilm und zwei Realverfilmung mit Emma Schweiger in der Hauptrolle.