Seit 15 Tagen demonstrieren Asylbewerber vor dem Integrationsministerium nahe der Stuttgarter Königstraße, seit fünf Tagen befinden sie sich im Hungerstreik.
Stuttgart - „Mein Kopf und meine Beine tun manchmal weh, aber ich will mich nicht von einem Arzt untersuchen lassen“, sagt Hanan Tahir. Der 19-Jährige ist fest entschlossen, so lange auf Nahrung zu verzichten, bis die Forderungen der 18 Flüchtlinge aus dem Main-Tauber-Kreis erfüllt werden. Seit 15 Tagen demonstrieren sie vor dem Integrationsministerium nahe der Stuttgarter Königstraße, seit fünf Tagen befinden sie sich im Hungerstreik.
Direkt neben einem Eisverkäufer haben sie ihren Infostand aufgestellt und ihre Plakate ausgebreitet. „Menschenrechte wahren“ steht mit Kreide auf der Straße geschrieben, „Kein Mensch ist illegal“ ist auf einem Plakat zu lesen. Die Flüchtlinge bemängeln unter anderem, sie seien schlecht untergebracht und hätten nicht ausreichend Möglichkeiten, deutsche Sprachkurse zu besuchen, zudem fordern sie Geld- statt Sachleistungen. Am Straßenrand sitzen die Flüchtlinge im Schatten und trinken aus Wasserflaschen, die ihnen Passanten vorbei gebracht haben. Immer wieder bleibt jemand vor dem Informationsstand stehen. Viele lesen sich die Forderungen durch oder informieren sich bei den Bürgerrechtsaktivisten, die die Flüchtlinge unterstützen. Die Reaktionen reichen von rassistischen Anfeindungen bis hin zu Angeboten, den Asylbewerbern zu helfen. Laut eines Aktivisten nimmt die Anteilnahme am Schicksal der Flüchtlinge mit jedem Tag zu. Vereinzelt gibt es jedoch auch weniger sensible Reaktionen: „Die trinken ja Wasser, dann geht es ihnen nicht so schlecht“, sagt ein Passant im Vorbeigehen. Ein anderer informiert sich erst, dann geht er mit der Begründung „Ich geh’ jetzt shoppen“ seiner Wege.
Auf Wasser wollen die Demonstranten vorerst nicht verzichten. „Das ist die letzte Stufe unseres Protests, wir halten uns offen, ob wir so weit gehen“, sagt der Sprecher der Gruppe, Mian Anwar ul Haq.
Mit Sorge um die Gesundheit der Flüchtlinge beobachtet das Ordnungsamt die Situation: „Mehrmals täglich machen wir ihnen das Angebot, sich von einem Arzt untersuchen zu lassen“, sagt Andreas Scharf, Pressesprecher der Stadt Stuttgart. Doch zwingen könne man niemand. „Im Moment beobachten wir, bieten Gespräche an und warten ab, wie sich die Lage entwickelt“, so Scharf. Von einer Situation wie in München, wo ebenfalls protestierende Asylbewerber in einen Hungerstreik traten, sei man in Stuttgart jedoch noch weit entfernt. Dort räumte die Polizei das Camp Ende Juni, um drohende Todesfälle zu verhindern. Die Flüchtlinge hatten zuvor mehrere Tage nicht getrunken.