Ein Leser äußert sich zur Debatte um die Hundesteuer in Rangendingen. Foto: SB

In Rangendingen gehen die Diskussionen um die Hundesteuer weiter. Nun äußert sich auch unsere Leserin Sibylle Pilarczyk.

Mit großem Interesse habe ich den Bericht über die Stellungnahme von Gemeinderat und Verwaltung zur Erhöhung der Hundesteuer gelesen. Irritierend ist weniger die Entscheidung selbst als vielmehr der Ton, mit dem nun auf die Kritik vieler Bürger reagiert wird.

 

Die Gemeinde betont, schuldenfrei zu sein, über Rücklagen zu verfügen und in vielen Bereichen seit Jahrzehnten niedrige Steuern und Gebühren zu haben. Gleichzeitig wird die deutliche Erhöhung der Hundesteuer damit begründet, dass die Zahl der Hunde gestiegen sei und man dieser Entwicklung „entgegenwirken“ wolle. Hier stellt sich die Frage, ob eine Steuer wirklich das geeignete Mittel ist, um das Freizeitverhalten von Bürgern zu steuern – oder ob schlicht eine vergleichsweise kleine Gruppe von Bürgern stärker zur Kasse gebeten wird.

Transparent mit Themen umgehen

Hinzu kommt, dass in der öffentlichen Diskussion der Eindruck entstanden ist, persönliche Interessen einzelner Entscheidungsträger könnten eine Rolle spielen. Wenn etwa darauf verwiesen wird, dass ein Gemeinderatsmitglied als Jäger tätig ist und freilaufende Hunde im Wald kritisch sieht, wäre es umso wichtiger, transparent und offen mit solchen Fragen umzugehen.​

Auch das Argument der angeblich stark gestiegenen Hundezahl relativiert sich bei einem Blick auf die Zahlen. Bei rund 330 Hunden auf 5393 Einwohner entspricht dies etwa einem Hund auf 16 Einwohner. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei einem Hund auf acht Einwohnern. Von einer außergewöhnlich hohen Hundedichte kann kaum die Rede sein.

Beleidigungen nicht akzeptabel

Besonders befremdlich wirkt der erhobene moralische Zeigefinger gegenüber den kritischen Bürgern. Sicher sind Beleidigungen in keiner Diskussion akzeptabel. Doch Kritik pauschal als „unsachlich“ oder „respektlos“ darzustellen, statt sich ernsthaft mit den Argumenten vieler Hundehalter auseinanderzusetzen, trägt kaum zu einem konstruktiven Dialog bei. Demokratie lebt davon, dass Entscheidungen hinterfragt werden dürfen – gerade auf kommunaler Ebene. In der Bürgerfragestunde wurde auf eine Nachfrage lediglich entgegnet, dies sei „kein Platz für Diskussionen“, woraufhin die Debatte beendet wurde. Gerade eine Bürgerfragestunde sollte jedoch Raum für Austausch und Nachfragen bieten.

Wenn Rangendingen tatsächlich schuldenfrei ist und Rücklagen hat, stellt sich zudem die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme. Die Hundesteuer bringt laut Angaben rund 40.000 Euro netto ein. Eine finanziell solide Gemeinde könnte zumindest darüber nachdenken, diese Belastung wieder zu reduzieren und die Hundesteuer zu senken.

Vielleicht wäre genau das ein Schritt, der tatsächlich dazu beitragen könnte, dass Rangendingen wieder zu einem „freundlichen, sachlichen und konstruktiven Miteinander“ zurückfindet.

Sibylle Pilarczyk, Rangendingen

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