Ist es nicht eine Freude, mit dem Hund unterwegs zu sein? Hundehalter verstehen das. Und auch der Fürstengarten bietet sich zum Gassigehen an, natürlich nur angeleint (denn es herrscht Leinenpflicht). Foto: Alexander Kauffmann​

Rangendingen verteuert Hunde massiv, um die Zahl der Tiere zu begrenzen. Der Vergleich zeigt: Umliegende Gemeinden sind günstiger.

Ein Hundehalter genießt den Abendspaziergang mit dem Hund im Fürstengarten, und es gibt für ihn keinen Grund zur finanziellen Schwermut: „In meinen Augen ist die Hundesteuer angemessen“, sagt der Mann aus Hechingen, der seinen Namen – vielleicht wohlweislich – lieber nicht in der Zeitung lesen will. Es ist der Vierbeiner seiner Tochter und natürlich ist der „beste Freund des Menschen“ vorschriftsgetreu angeleint und bei der Stadt angemeldet.

 

Das ist vorbildlich, aber nicht alle Besitzer von Hunden nehmen das Hundesteuer-Thema so locker wie der zuvorkommende Gassigeher im Fürstengarten.

Wenige Kilometer weiter ist die Hundewelt ganz offensichtlich nicht mehr so heil: Der Rangendinger Gemeinderat hat die Hundesteuer im Dezember nämlich kräftig angehoben.

In Bisingen entscheidet Prüfung

Betroffene Herrchen und Frauchen machten ihrem Unmut mit Leserbriefen und Wortmeldungen in der Gemeinderatssitzung am Montag Luft. Eine „willkürliche Angelegenheit“ sei die Steuer, mit der die Gemeinde in Zeiten klammer Haushaltslage finanzielle Löcher stopfe, so die Vorwürfe.

Wie der Vergleich unserer Redaktion zeigt, ist die Hundehaltung nach dem Beschluss des Gemeinderats in Rangendingen (bisher) mit Abstand am teuersten. Erhöht hat der Gemeinderat den Satz für den ersten Hund auf 150 Euro und für den ersten Kampfhund auf 800 Euro. Damit ist Rangendingen vorerst Spitzenreiter. Zum Vergleich:​

Haigerloch: erster Hund: 108 Euro, erster Kampfhund: 600 Euro.

Jungingen: erster Hund: 98 Euro, Kampfhund: 800 Euro.

Burladingen: erster Hund: 96 Euro, erster Kampfhund 480 Euro.

Hechingen: erster Hund: 84 Euro, erster Kampfhund: 450 Euro. Aus Anlass der Haushaltsberatungen ist derzeit im Gespräch, die Hundesteuer auf den Durchschnittswert der Nachbarkommunen zu erhöhen. Als Beispiele sind in diesem Zusammenhang Bodelshausen (120 Euro für den ersten Hund), Balingen (108 Euro) und Rangendingen (150 Euro) im Gespräch.

Bisingen: erster Hund: 84 Euro, Kampfhunde: keine gesonderte Gebühr. Unterschieden wird in der Kirchspielgemeinde zwischen Hunden mit und ohne Begleithundeprüfung. Haben Halter und Haustier diese Prüfung abgelegt, kostet der erste Hund nur noch 42 Euro.

Grosselfingen: erster Hund: 60 Euro, Kampfhunde: keine gesonderte Gebühr

Die Übersicht zeigt: Bislang ist der Hund in Grosselfingen und in Bisingen mit Abstand am günstigsten. Bürgermeister Friedbert Dieringer kündigt auf Anfrage an, das Thema im Gemeinderat zu besprechen – wie das Gremium dort entscheidet, ist offen.

Bisingen ist im Hinblick auf die befragten Gemeinden die einzige, die bei der Lenkungsfunktion der Hundesteuer auch die Qualifikation von Hund und Halter in Betracht zieht – die Hundehalter selbst bezahlen müssen. Die Erziehung des Hundes ist ein Aspekt, der in anderen Gemeinden erstaunlicherweise kaum diskutiert wird. Dort steht vorwiegend die Anzahl der Hunde im Mittelpunkt der kommunalpolitischen Diskussion: So ging es auch bei der Entscheidung in Rangendingen wie andernorts darum, die Anzahl zu begrenzen.

Stadt erhält Kontrollmeldungen

Indes könnte eine erhöhte Hundesteuer doch einen entscheidenden Haken haben: Wer sich an der Steuer vorbeischleichen will, meldet das Haustier gar nicht erst an, könnte man vermuten. Gezahlt wird nämlich nur nach Anmeldung. Hundemarken wolle die Gemeinde Rangendingen erst einmal nicht ausgeben, hieß es seitens der Verwaltung. Wie machen es die Gemeinden in der Umgebung?

Aus Hechingen heißt es dazu auf Anfrage: „Wir führen keine systematischen Kontrollen durch, um die Erfüllung der Hundesteuerpflicht zu kontrollieren.“ Die Stadt weist auf „Hundekontrollmeldungen“ hin: Diese werden in der Regel von der Kommune, in der sich ein Hundebesitzer abgemeldet hat, an die Verwaltung der Zielkommune gesandt. Ferner gebe es „im Rahmen des Ordnungswesens immer wieder Hinweise auf (möglicherweise) nicht angemeldete Hunde, denen wir natürlich nachgehen“. Eine weitere einfache Kontrollmöglichkeit bieten in Hechingen die Hundesteuermarken.

Jungingens Bürgermeister Oliver Simmendinger spricht in diesem Zusammenhang von einem Kontrollgang des Ordnungsamts pro Jahr. Dabei werde stichprobenmäßig geprüft, ob Hunde angemeldet sind. Dass es in Jungingen Hundemarken gibt, erleichtert die Kontrolle.

Auch in Haigerloch bieten Hundemarken die Möglichkeit zur Kontrolle. Diese werden dort, so heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus, nicht systematisch geprüft. Allerdings sind es unter anderem Ortsvorsteher oder der Fronmeister, die die Augen offenhalten.

In der Praxis heißt das: Komplett sicher sein, dass das Haustier unentdeckt bleibt, können Hundehalter nicht. Es kann sogar günstiger sein, die Steuer zu zahlen, denn wer erwischt wird, dem drohen empfindliche Geldbußen.