Sport mit seinen Vierbeinern zu treiben, war noch nie so beliebt wie heute. Hundesport-Veteranin Anja Schondelmaier über die Gründe des aktuellen Booms.
„Werbung an sich brauchen wir eigentlich keine, man rennt uns so schon fast die Bude ein.“ Es sind Worte, die Bände sprechen, mit denen Anja Schondelmaier das Gespräch beginnt. „Man“, das sind die zahlreichen Interessenten, und „uns“ meint das Hundesportzentrum Mariazell, in dessen Vorstandsteam Anja Schondelmaier tätig ist.
Mit ihren Schapendoes Cipsy und Eddy verbringt sie jede freie Minute auf dem Hundeplatz und trainiert mit ihren Schützlingen Agility und Obedience. Der Parcoursport Agility – es geht um die möglichst schnelle und fehlerfreie Absolvierung jedes Mal neu zusammengestellter Hindernisse – begleitet Anja Schondelmaier schon lange. Ihre Liebe zur Obedience, der „hohen Schule des Gehorsams“ ist dagegen erst einige Jahre jung.
Und all das, obwohl sie zugibt, Agility einst zu Unrecht als „über Stöckchen hüpfen“ belächelt zu haben. Letztlich doch damit angefangen habe sie, um das etwas ängstliche Naturell ihres damaligen Vierbeiners Leo zu überwinden. Der Rest ist Geschichte.
Heute blickt Anja Schondelmaier auf mehr als 25 Jahre Engagement in Sachen Hund, zahllose Stunden Training und mehrere erfolgreiche Landesmeisterschaften zurück.
Regionaler Trendsetter
Und wie angesichts des einleitenden Zitats vermutet werden darf, ist sie mit ihrer Passion nicht allein. Hundesport ist so populär wie nie, sagt sie, während sie ihre Vierbeiner nach Ende des Spaziergangs zu Gesprächsbeginn in die sogenannte „Boxengasse“ im Vereinsheim dirigiert.
Über einzelne Trainingsgruppen in Mariazell sei bereits Aufnahmestopp verhängt. Das Hundesportzentrum hat sich nämlich zu einer prominenten Adresse für Hundeenthusiasten in der gesamten Region gemausert.
Dies ist nicht zuletzt dem breiten Angebot zu verdanken, dass der Verein abdeckt. Neben Agility und Obedience kann in Mariazell ein ganzes Konglomerat an Disziplinen ausprobiert, trainiert und perfektioniert werden.
Diese reichen von klassischeren Betätigungsfeldern wie Welpenerziehung oder Begleithundeausbildung über Hundeturnen bis hin zu neuesten Turniersportarten wie dem Hoopers, einer Hindernissportart aus Amerika.
Schwerpunktwandel
Und der Höhenflug gilt mitnichten nur für Mariazell, sondern deutschlandweit. Anja Schondelmaier und ihre Vereinskollegen und Freunde Conny und Bernhard Hanke führen dies auf Diversifizierung, Professionalisierung und den allgemeinen Wandel „vom Hundeverein zum Hundesportverein“ zurück.
Im Zentrum der Vereinsaktivitäten hätten lange die Welpenerziehung und die Begleit- und Schutzhundeausbildung gestanden. Das Herüberschwappen von zuerst Freizeit- und dann Breiten- und Spitzensport aus dem europäischen Ausland, verbunden mit dem Ausbau überregionaler Infrastruktur, sei ein wichtiger Wendepunkt gewesen.
Ein weiterer Katalysator, merkt Bernhard Hanke an, sei Corona gewesen, auch wenn es sich beim pandemiebedingten Haustierboom freilich um eine höchst zweischneidige Angelegenheit gehandelt habe.
Alle drei plädieren deshalb nachdrücklich für Besonnenheit beim Haustierkauf. Auch im sportlichen Kontext muss die Kompatibilität des Hundes mit dem Alltag seines Besitzers immer an erster Stelle stehen.
Spaß an der Teamarbeit
Doch zurück zur Frage, was am Hundesport fasziniert. Anja Schondelmaier meint: „Es ist toll, was man alles gemeinsam im Team erreichen kann.“ Man schaffe Dinge, die noch vor Wochen unmöglich schienen. In den vergangenen Jahren gilt dies für sie besonders beim Obedience.
„Es ist Erbsenzählerei, aber im guten Sinne, wenn auch nicht für jeden Hund und Halter etwas. Gerade das Kleinschrittige, die Detailarbeit, gefällt mir aber total“, sagt sie. Für viele sei aber auch die Welpenerziehung die „Einstiegsdroge“, von der aus oft weitergemacht werde, ergänzen ihre Kollegen.
Und wer nun selbst Bedarf nach Einstieg oder Schnupperstunde verspürt, dem sei Entwarnung gegeben. Im Junghund- und im Agility-Schnupperkurs gibt es beim Hundesportzentrum Mariazell noch keinen Aufnahmestopp.