Die EU möchte eine Kennzeichnungs-und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen einführen. Dazu hat unsere Redaktion das Lahrer Tierheim sowie Tierärzte gefragt.
Auf Tierhalter könnten schon bald neue Regeln zukommen, die von der EU vorgegeben werden. Das Parlament hat nämlich am 19. Juni vorgeschlagen, das Chippen und Registrieren von Hunden und Katzen per Gesetz verbindlich zu machen. Ziel ist, das Wohlergehen und die Rückverfolgbarkeit der Tiere zu erhöhen, der illegale Handel soll ebenso bekämpft werden. Wann das Gesetz verabschiedet wird, ist nocht nicht bekannt. Doch was bedeutet es überhaupt für Halter? Gibt es auch Nachteile? Unsere Redaktion hat beim Lahrer Tierheim und bei Tierärzten nachgehakt.
„Ich halte die Einführung einer Pflicht für sehr begrüßenswert“, so die Meinung von Martin Spirgatis, Vorsitzender des Tierheims in Lahr. Er sehe eine große Chance durch den Einsatz der Chips, wenn zugelaufene Tiere identifiziert und ihrem Halter zurückgebracht werden können. „Das Tier muss aber registriert sein, sonst nützt es wenig“, gibt Spirgatis zu bedenken. Zudem sei es wichtig, dass die Tierhalter die Daten stetig akutalisieren. Wenn zwischenzeitlich die Halter umziehen oder das Tier verkauft wird und diese Informationen fehlen, sei die Auslesung des Chips nicht hilfreich.
Die Kennzeichnungspflicht kann viele Probleme lösen
Eine weitere Baustelle liegt aus Spirgatis’ Sicht in der Kontrolle der Chip-und Registrierungspflicht. „Das muss konsequent durchgezogen werden“, fordert der Vorsitzender des Tierheims. Der erhöhte Aufwand komme dann auf die Behörden zu, die nicht begeistern sein werden, vermutet Spirgatis. Letztendlich sei es eine Frage des Personals und der Kosten, die im Rahmen der Kontrolle entstehen. Sollte die Pflicht nicht ausreichend oder gar nicht überprüft werden, dann falle die Last wieder auf das Tierheim zurück. Zudem könne man den Halter nicht ermitteln, wenn das entsprechende Register nicht freigegeben sei. „Ich befürworte eine Pflicht, aber es muss genauso stringent gehandhabt werden wie etwa die Anmeldung und Überprüfung eines Kfz-Kennzeichens“, hält Spirgatis fest.
„Ich befürworte eine Kennzeichnungspflicht grundsätzlich“, sagt der Lahrer Tierarzt Georg Walter. Es könnten viele Probleme verhindert oder abgemindert werden, wenn die Identität eines Tieres eindeutig festgestellt werden könne, eine Speicherung der Daten vorausgesetzt. Zu den Problemen zähle etwa der illegale Handel und die Einfuhr von Tieren, das Aussetzen von Tieren, die sichere Rückführung verloren gegangener Tiere oder die Frage der Halterzuordnung bei Haftungsfragen, zum Beispiel nach Beißvorfällen. Walter ist sich sicher: „Viel Tierleid könnte verhindert werden.“ Es stehe aber fest, dass verantwortungsbewusste Halter bereits jetzt ihre Tiere chippen und registrieren lassen – ohne Pflicht.
Tierärztin Stephanie Kempchen schließt sich der Meinung ihres Kollegen an: „Es ist ganz, ganz wichtig, zu chippen.“ Sie sieht dabei die Halter in der Verantwortung, sich um ein Haustierregister zu kümmern. Tasso sei beispielsweise ein zuverlässiger Anbieter.
Kontrollen zeigen bei Haltern Wirkung
Die Kontrolle der künftigen Regeln sei von großer Bedeutung. Dies veranschaulicht sie durch ein persönliches Beispiel: Sie selbst habe in Niedersachsen gearbeitet, wo Halter ihre Hunde registrieren, eine Haftpflichtversicherung abschließen und einen Sachkundeausweis erbringen müssen. In der Fußgängerzone habe einmal das Ordnungsamt die Einhaltung der Pflichten kontrolliert. Dies hatte Wirkung auf andere Hundehalter: „Ich war vier Wochen lang mit Chippen beschäftigt“, erinnert sich Kempchen. Daran zeige sich, dass manche Menschen erst handeln, wenn sie dazu aufgefordert werden oder ein Bußgeld zahlen müssen.
Die Tierärztin fürchtet keinen höheren Arbeitsaufwand in ihrer Praxis, denn „das Chippen dauert im Normalfall fünf Minuten“. Sollte mehr Personal, eine Sedierung des Tieres oder sogar ein Hausbesuch notwendig sein, könne es mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Chippen beim Tierarzt
„Der Chip ist ein winziger, reisgroßer Transponder, der mit einer Spritze unter die Haut gesetzt wird“, erklärt Tierärztin Stephanie Kempchen. Er werde an der linken Halsseite des Tieres platziert. Der Hund spüre keine Schmerzen. Die Chips enthalten eine 15-stellige Nummer, mit der Informationen wie Alter, Geschlecht und Herkunft hinterlegt werden können. Sie kosten zwischen 30 bis 60 Euro. Die Kosten für das Einsetzen liegen zwischen zehn und 20 Euro und richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Bei einem aufwendigem Vorgang können auch höhere Gebühren berechnet werden. Das Chippen sei eine einmalige Investition, da er ein Hundeleben lang halte.