Die Zahl der Hunde steigt, doch eine verpflichtende Ausbildung gibt es nicht. Im Hundezentrum Dog for Fun in Villingendorf setzt man auf eigene Lösungen.
Die Anforderungen an Hunde waren selten so hoch wie heute. Sie sollen ruhig im Café liegen, problemlos mit Kindern umgehen, ihre Halter zur Arbeit begleiten und sich dabei jederzeit kontrolliert und freundlich verhalten. Gleichzeitig ist die Zahl der Hunde in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.Im Hundezentrum Dog for Fun in Villingendorf beobachtet man diese Entwicklung mit Sorge. „Die Hundepopulation ist gestiegen, und nach Corona gab es keinen Einbruch“, sagt Jeanette Frank-Semelka, Leiterin des Hundezentrums. Umso kritischer sieht sie dass Hundeführerschein bis heute nicht verpflichtend ist. Denn während Erwartungen steigen, bleibt die Ausbildung vieler Hunde dem Zufall überlassen. „Es besteht kein Zwang zur Schulung, es ist alles freiwillig“, sagt Jeanette Frank-Semelka. Dabei ist gerade die Sachkunde entscheidend.
In Baden-Württemberg wurde ein Hundeführerschein nie flächendeckend eingeführt, sondern lediglich diskutiert. „In anderen Bundesländern gibt es den Hundeführerschein noch“, sagt sie. In Niedersachsen oder Hamburg müssen Halter ihre Sachkunde nachweisen.
So funktioniert der Hundeführerschein
Der Begriff „Hundeführerschein“ umfasst dabei verschiedene Modelle. In der Regel besteht er aus einem theoretischen Teil, in dem Halter ihr Wissen über Verhalten, Erziehung und rechtliche Grundlagen nachweisen, sowie einen praktischen Teil, bei der der Umgang mit dem eigenen Hund geprüft wird. Ergänzt werden diese Prüfungen häufig durch Alltagstest, bei denen Hunde sich in realen Situationen bewähren müssen.
Genau hier setzt das Konzept des Hundezentrums an. Bereits vor neun Jahren hat Jeanette Frank-Semelka einen eigenen Hundeführerschein entwickelt. Besonders wichtig ist aus Sicht von Jeanette Frank-Semelka, dass überprüft wird, ob der Hund im Alltag tatsächlich funktioniert – etwa auf einem Supermarktparkplatz, im Baumarkt, in Apotheken und an weiteren öffentlichen Orten.
Auch über den klassischen Hundeführerschein hinaus bietet das Zentrum verschiedene Ausbildungswege an, etwa die strukturierte Ausbildung zum Therapiebegleithund mit Theorie- und Praxiseinheiten sowie abschließender Prüfung. Dieses ganzheitliche Konzept zeigt, wie umfassend die Anforderungen an moderne Mensch-Hund-Teams geworden sind.
Anreize statt Pflicht
Trotz ihrer Kritik an der fehlenden Verpflichtung setzt Jeanette Frank-Semelka nicht ausschließlich auf Zwang. Sie plädiert für Anreize: „Man könnte den Menschen den Hundeführerschein schmackhafter machen“, sagt sie. Denkbar sei etwa eine Reduzierung der Hundesteuer für Halter, die eine entsprechende Prüfung nachweisen können.
Für sie ist klar: Die steigenden Anforderungen an Hunde verschwinden nicht – auch wenn es keine Pflicht – außer für Listenhunde – zur Ausbildung gibt. Umso wichtiger sei es, Verantwortung zu übernehmen und freiwillig in Wissen und Training zu investieren. Denn ein gut ausgebildeter Hund erleichtert nicht nur den Alltag seines Halters, sondern auch das Zusammenleben in der Gesellschaft insgesamt.