Alexandra Markwald ist Rettungshundeführerin im Zollernalbkreis. Gemeinsam mit ihrem Schäferhund-Mischling Oskar trainiert sie für den Ernstfall.
Rückblickend betrachtet war ihre Begegnung fast schicksalhaft, sagt Alexandra Markwald heute. Als die Hundeführerin des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Zollernalb Oskar zum ersten Mal sieht, ahnt wohl keiner von beiden, welche Bedeutung sie einmal füreinander haben würden.
Im Laufe der Monate werden die beiden ein eingespieltes Team, das Herausforderungen nicht scheut. Was viele nicht wissen: Hinter Oskars Arbeit steckt nicht nur Können, sondern eine besondere Bindung zwischen Mensch und Hund.
Er ist ein echter Teamplayer. Im Interview spricht Oskar über seinen außergewöhnlichen Job.
Stell dich doch mal kurz vor: Wie heißt du, wie alt bist du – und was für ein Hund bist du eigentlich?
Mein Name ist Oskar, ich bin 3 Jahre alt und ein Mischling aus Schäferhund und Border Collie.
Wie bist du zu deinem Job beim DRK gekommen?
Mein Frauchen war bereits bei der Hundestaffel und hat sich das Ganze zuerst mal ohne Hund angeschaut. Das hat ihr dann so sehr gefallen, dass sie bewusst nach mir gesucht hat. Es war irgendwie Schicksal, denn sie wollte unbedingt einen Rüden und ich war der Einzige im Wurf. So durfte ich zu meinem Frauchen ziehen und mich dort erst in Ruhe eingewöhnen. Aber klar war direkt, dass ich die Rettungshundearbeit als Lebensaufgabe bekomme.
Was machst du, wenn du jemanden suchst?
Ich laufe frei in meinem Suchgebiet, also ohne Leine. Je nachdem wie die Witterung ist, schickt mich mein Frauchen los und ich laufe meist in Schlangenlinien durch das Suchgebiet. Bis ich was in die Nase bekomme und der Spur nachgehe.
Was passiert, wenn du jemanden gefunden hast?
Ich bleibe bei der Person und fange ganz laut an zu bellen. So hört mich mein Frauchen und kann schnell zur Hilfe kommen, wenn ich mal wieder flott unterwegs war und sie noch weiter weg ist.
Was ist dein Lieblingsmoment beim Training?
Das ist ganz klar: Wenn ich eine Person gefunden habe und mein Futterbeutel fliegt! Da ist immer eine leckere Belohnung für mich drin und ich darf mit dem Beutel spielen.
Hast du manchmal auch einfach keine Lust – und was macht dein Frauchen dann?
Ich habe wirklich immer Lust zu trainieren, bin hoch motiviert und voll bei der Sache! Aber nicht jeder Hund ist gleich. Wenn mal jemand mehr motiviert werden muss, dann überlegen sich die Menschen, ob es noch etwas Besseres als Belohnung geben kann, es kommen die guten Maultaschen oder der beste Käse zum Einsatz und manchmal machen sich die Menschen auch richtig zum Affen, wenn sie mit uns spielen.
Gibt’s etwas, das du besonders gut kannst – und etwas, das du noch üben musst?
Ich kann besonders gut Bellen, muss aber in manchen Situationen lernen geduldiger zu sein. Das fällt mir sehr schwer, denn normal bin ich immer in Action und schnell unterwegs.
Warst du schon einmal bei einem echten Einsatz dabei?
Bisher war ich noch bei keinem echten Einsatz dabei, aber ich weiß natürlich, was zu tun ist, wenn es mal so weit ist.
Wie läuft so ein Einsatz in der Regel ab?
Wenn der Melder losgeht, wird es aufregend. Alles wird stehen und liegen gelassen, mein Frauchen hüpft in die Einsatzkleidung, schnappt die Einsatztasche und wir fahren los zum Staffelheim. Dort treffen wir auf meine Kollegen, steigen um in die Einsatzfahrzeuge und fahren los zum Einsatzort. Dort bekommen unsere Frauchen und Herrchen eine kurze Einweisung wen wir suchen und erhalten eine Karte unseres Suchgebietes. Dann fahren wir unser genaues Suchgebiet an, besprechen unsere Suchtaktik und durchqueren unser Suchgebiet. Eben genau so, wie wir es auch zweimal wöchentlich trainieren.
Warum ist dein Job so wichtig?
Ich kann dazu beitragen, vermisste Personen so schnell wie möglich zu finden. Unwegsames Gelände ist für uns Hunde kein Problem, unsere hervorragende Nase erlaubt es uns, menschliche Witterung über große Distanzen und sogar unter Trümmern oder Schnee zu orten. Auch wenn Drohnen, Wärmebildkameras und andere Technologien immer besser werden, sind wir Hunde oft schneller und effektiver. Rettungshunde sind eine wertvolle Ergänzung im Katastrophenschutz und bei der Personensuche. Für Angehörige von vermissten Personen ist die Ungewissheit oft unerträglich. Selbst wenn keine Rettung mehr möglich ist, helfen wir Hunde dabei, den Vermissten zu lokalisieren und den Angehörigen Gewissheit zu geben. Das bringt Klarheit und ermöglicht Abschied. Die Rettungshundearbeit verbindet hoch entwickelte Tierfähigkeiten mit menschlichem Engagement und technischer Unterstützung.
DRK Rettungshundebereitschaft Zollernalb
Die vierbeinigen Helfer in der Not trainieren zweimal pro Woche im Zollernalbkreis. Derzeit zählt die Rettungshundebereitschaft des DRK im hiesigen Gebiet elf Aktive. Die Ausbildung dauert etwa zwei Jahre. Die Hunde müssen zunächst eine Vorprüfung im Verein bestehen. Es folgt eine Hauptprüfung: Ein unabhängiger Leistungsrichter nimmt diese ab. Die finale Einsatzüberprüfung läuft dann wieder über den Verein. Wenn der Hund alle drei Tests besteht, darf er bei Einsätzen mitlaufen. Voraussetzung ein Rettungshund zu werden ist Gesundheit und guter Grundgehorsam. Das DRK bildet Flächensuchhunde aus, die primär bei Vermisstensuchen eingesetzt werden.
Für das Training sucht das DRK derzeit dringend neue Waldgebiete im Zollernalbkreis. Sind Sie Waldbesitzer im Zollernalbkreis? Dann freut sich die Organisation über eine E-Mail an rhs@rhs-zollernalb.de.