Ein Dobermann hatte zugeschnappt. (Symbolfoto) Foto: © Markus – stock.adobe.com

So einfach kann’s gehen: Die Angeklagte blättert dem Opfer mal eben 70 Euro auf die Ablage des Zeugenstands, und schwupps – schon ist der Prozess vorbei. Gerichtskosten trägt die Staatskasse. Für die Angeklagte war es ein wahres Schnäppchen.

Horb - Davor hatte ein Dobermann zugeschnappt: In dem Gerichtsprozess ging es um eine Hundeattacke im September 2019 bei einer Hütte bei Rexingen. Zwei junge Frauen, die eine mit einem großen Dobermann, die andere mit einem Kleinhund, begegneten sich dort, wobei der große Hund die Frau ansprang, die ihren kleinen Hund auf den Arm genommen hatte. Der Dobermann biss ihr in den rechten Arm und ruinierte ihre neue Jacke.

Der Biss des Hundes sei zwar am nächsten Tag ärztlich behandelt (desinfiziert) worden und noch anderthalb bis zwei Wochen danach spürbar gewesen, aber den Verlust der neuen Jacke habe sie letztlich als schlimmer empfunden. "Das hat mich besonders geärgert", sagte das Opfer vor Gericht.

70 Euro hätten Prozess verhindert

Für die Angeklagte eigentlich ein Glücksfall: Das Opfer forderte nur 70 Euro für die Jacke, "dann hätte ich die Sache so stehen lassen", sagte die Frau vor Gericht.

Die Knackpunkt-Frage: Warum hat die Angeklagte die 70 Euro nicht gleich bezahlt und ist stattdessen das Risiko eingegangen, in einem Strafprozess verurteilt zu werden? Richter Albrecht Trick gab quasi die Antwort, als er der Angeklagten sagte: "Sie sind sehr sehr schlecht beraten worden" – wohl wissend oder ahnend, dass es Angehörige oder Bekannte der Dobermann-Besitzerin gewesen sein könnten, die ihr bereits beim ersten Prozess in dieser Sache geraten haben, den Gerichtstermin zu schwänzen. "Ich habe ja bezahlen wollen, aber dann kam das Schreiben vom Gericht und ich dachte, jetzt hat man mich angezeigt", sagte die Angeklagte sinngemäß. Trotzdem: Warum hat die Frau nicht einfach schon vorher aus freien Stücken die 70 Euro bezahlt und sich damit Ärger und Risiken erspart?

Angeklagte geht zur Sparkasse und holt Geld

Immerhin hatte die Frau zwischendurch auch Glück. Ihre Beschwerde gegen das Urteil in ihrer Abwesenheit hatte Erfolg. Richter Albrecht Trick hätte länger warten müssen als eine Viertelstunde, so die Begründung.

Im aktuellen Prozess tauchte die Viertelstunde wieder auf. Diesmal als Prozesspause und letzte Chance für die Angeklagte, die leidige Sache aus der Welt zu schaffen. Weil die Frau nicht genug Bargeld bei sich hatte, sagte Richter Trick: "Gehen Sie geschwind und holen sie die 70 Euro." Der Prozess wurde unterbrochen, die Angeklagte hastete hinunter zur Sparkasse, kam fristgemäß wieder zurück, blätterte dem Opfer die 70 Euro hin – und alles löste sich in Wohlgefallen auf, sprich der Prozess wurde eingestellt.

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