Feiertagsstress, zerbrechliche Kugeln und giftige Pflanzen: Die Weihnachtszeit ist nicht die beste Zeit für die Eingewöhnung eines neuen Haustieres. Foto: picture alliance/dpa

Ein Hund oder eine Katze unter dem Weihnachtsbaum? Das nimmt oft kein gutes Ende. Wieso Tiere nicht zu Weihnachten zu verschenkt werden sollten.

Eine Katze für die Oma zu Weihnachten und für den Freund einen Hund unter den Baum? Das ist meist keine gute Idee. Warum Tiere nicht als Weihnachtsgeschenke herhalten sollten, darüber hat unsere Redaktion Tierheimen aus der Region gesprochen.

 

Nicht jeder Hund passt zu jedem Frauchen oder Herrchen: „Gerade unerfahrene Haustierhalter müssen sich erst mal mit dem Thema auseinandersetzen“, erklärt Nadine Vögel, Leiterin des Kreistierheims Schwarzwald-Baar in Donaueschingen. An Weihnachten mit einem neuen Haustier überrumpelt zu werden – das endet oft nicht gut.

Bei der Vermittlung eines Hundes aus dem Tierheim gebe es einen Beratungstermin und gemeinsam wird geschaut, welches Tier passen könnte. „Danach folgen Kennenlerntermine mit Gassigehen oder Freilauf auf der Wiese“, sagt Vögel.

Alle Mitbewohner sollten das neue Haustier kennenlernen

Alle Mitbewohner sollten dabei gewesen sein, bei einer Anschaffung eines Zweithundes müsse auch geschaut werden, ob die Tiere sich untereinander verstehen.

Im Kreistierheim in Donaueschingen werden Hunde mit einem Ampelsystem gekennzeichnet: Grüne Hunde sind sehr einfach in der Führung, rote Hunde habe beispielsweise schon einmal Menschen verletzt oder aus anderen Gründen als „gefährlich“ eingestuft.

„Je nach Hund wird zusammen an Problemen gearbeitet, bis das Team mit gutem Gewissen auf sich allein gestellt weiterarbeiten kann“, erklärt Vögel. „Der Hund darf dann erst einmal für eine Woche Probe wohnen, um zu sehen, ob es im neuen Zuhause auch reibungslos klappt.“ Deshalb müsse der Vierbeiner auch immer von seiner neuen Familie selbst ausgesucht werden.

Ein Hund unter dem Weihnachtsbaum mag zwar süß aussehen, eignet sich aber nicht als Weihnachtsgeschenk für Familie oder Freunde. Foto: Kreistierheim Schwarzwald-Baar

Im Tierheim Schwarzwald-Baar gebe es daher einen generellen Vermittlungsstopp kurz vor Weihnachten. „Nicht nur um ungewollte Weihnachtsgeschenke zu verhindern, sondern auch um die Eingewöhnung nicht zu gefährden“, erklärt Vögel. Zur Weihnachtszeit werden Tannenbäume aufgestellt, Wohnungen dekoriert und fremde Besucher gehen aus und ein.

Feiertage bergen Risiken für Haustiere

Die Weihnachtszeit sei nicht die geeignete Zeit für die Eingewöhnung eines neuen Haustieres. „Viele Tiere reagieren schon recht empfindlich gegenüber dem Umzug in eine fremde Umgebung.“ Hinzu komme dann der Feiertagstress und Gefahren wie Lichterketten, herabhängende Stromkabel und Kerzen.

Auch weihnachtliche Pflanzen wie Stechpalmen, Misteln oder Weihnachtsterne sind giftig für Tiere. „Oftmals kann auf den Neuankömmling einfach nicht so gut und aufmerksam geachtet werden wie zu anderen Zeiten“, ist Vögel der Meinung.

Viele Tierheime vermitteln kurz vor Weihnachten keine Tiere an neue Besitzer. Foto: Kreistierheim Schwarzwald-Baar

Deshalb gibt es einen Vermittlungstopp zur Weihnachtszeit

Durch einen generellen Vermittlungsstopp zu Weihnachten könne vermieden werden, dass im neuen Jahr vermehrt Tiere zurück ins Tierheim gebracht werden. Trotzdem sei es keine gute Idee, stattdessen ein Tier vom Züchter oder aus dem Internet zu besorgen: „Ein seriöser Züchter sucht seine Kunden aus, oftmals wartet man auch hier lange auf den ersehnten Hund“, klärt Vögel auf.

Generell gelte laut Vögel: Je schneller das Tier abgegeben wird, desto unseriöser sei der Vermittler. Und man sollte nur dann ein Tier annehmen, wenn es einen Plan B gibt, falls es nicht klappt – und man das Tier unkompliziert zum Vermittler zurückgeben kann.

Verantwortung muss über Jahre getragen werden

„Ein Tier sollte niemals einfach ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum sein und die Anschaffung eines Haustieres sollte gut durchdacht sein“, sagt auch Katharina Ott, stellvertretende Vorsitzende vom Tierheim in Rottweil. „Was anfangs ein schneller Impuls ist, ist in Wahrheit ein Lebewesen, für dessen Leben die Verantwortung über mehrere Jahre getragen werden muss.“

Im Rottweiler Tierheim gebe es zwar keinen generellen Vermittlungsstopp rund um Weihnachten, trotzdem werde streng darauf geachtet, dass die Tiere in einem passendem Haushalt landen: Der Vermittlungsprozess an die neuen Besitzer dauert mehrere Tage bis Wochen. Es findet zudem eine Vorkontrolle statt und alle Familienmitglieder lernen das Tier kennen. So kann ausgeschlossen werden, dass das Tier als Überraschungsgeschenk unter dem Weihnachtsbaum landet.

Was, wenn sich ein Haustier gewünscht wird?

Doch was tun, wenn sich ein Verwandter oder Freund unbedingt ein Tier zu Weihnachten wünscht? „In der heutigen Zeit ist oftmals Geld nicht mehr der Mehrwert, sondern Zeit“, beantwortet Vögel die Frage. „Auch hier sollte man sich Zeit nehmen, mit dem Bekannten über die Problematik von Tiergeschenken zu sprechen, besonders zu Weihnachten.“

Ott schlägt vor: Wenn ein Tier dennoch „verschenkt“ werden soll, kann derjenige sich an Tierheime vor Ort wenden, den Vermittlungsprozess gemeinsam mit dem Beschenkten in Gang setzen.

Als entsprechendes Weihnachtsgeschenk könne man dann beispielsweise die Übernahme der Vermittlungsgebühr oder beratende Begleitung bei Auswahlprozess im Tierheim schenken.