Sie gelten als die besten Freunde des Menschen im Tierreich, und sogar ein Tag ist ihnen gewidmet: Am Sonntag ist Welthundetag.

Albstadt-Tailfingen - 10,7 Millionen Hunde gibt es laut Angaben des Industrieverbands für Heimtiere in Deutschland; jeder fünfte Haushalt hat einen. Besonders gefragt sind Labradore, Golden Retriever und Schäferhunde, aber auch Französische Bulldoggen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Wobei nicht alle Hunde an ein liebevolles und geduldiges Herrchen geraten – im Tailfinger Tierheim sind momentan neun Hunde untergebracht.

Zur Ehrenrettung der Albstädter muss freilich gesagt werden, dass der Hundebestand im Schalkental nicht pandemiebedingt zugenommen hat wie etwa in den Großstädten. "Dort haben sich viele Leute Hunde gegen die Einsamkeit angeschafft und dann bemerkt, dass die doch nichts für sie sind", berichtet Mitarbeiterin Nadine Weissmann. Das sei in Albstadt nicht so und die Zwinger deshalb auch nicht voll besetzt. "Die meisten Langzeitkandidaten sind hier, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben und entsprechend schwierig sind."

Der sechsjährige Terrier-Mischling Batman ist ein solcher Hund. Er wurde von der Straße geholt und sucht hundeerfahrene Menschen, die ihn bei sich aufnehmen würden. Batman ist eher launisch und braucht eine konsequente Erziehung; für einen Haushalt mit Kindern ist er nicht der richtige Hund. Im Tierheim versucht man, schwierigen Hunden eine gewisse Grunderziehung und "Grundzugänglichkeit" zu vermitteln, sagt Nadine Weissmann, aber ein richtiges Herrchen oder Frauchen könne kein Mitarbeiter ersetzen. Dafür fehle einfach die Zeit.

Nicht jeder Hund passt zu Kindern

Carlo, der neunjährige Rottweiler, braucht rasseerfahrene Halter, ebenfalls ohne Kinder. Der kräftige Hund besitzt einen ausgeprägten Schutz-und Jagdtrieb; hat er einmal Vertrauen gefasst, ist er sehr anhänglich. Nadine Weissmann, vermutet allerdings, dass sowohl er als auch Batman noch längere Zeit im Tierheim bleiben werden.

Bei den beiden Labradoren Heidi und Eddie und bei Mischlingshündin Jamie ist sie schon zuversichtlicher. Jamies Frauchen war gestorben; der Witwer sah sich überfordert und gab sie ins Tierheim. "Sie ist gut erzogen, geht super gerne spazieren und ist sehr verschmust. Und verfressen."

Dasselbe gilt für Staffordshire-Terrier Mitch. Er könne sich nur an eine Person oder ein Paar binden, dass ihm viel Aufmerksamkeit schenke, erklärt Weissmann. "Aber dann ist er eine richtige Knutschkugel!" Anders als Mitch kann Mash, ebenfalls ein Staffordshire-Terrier, sehr gut mit Kindern umgehen. Ihn hatte das Amt zur Verwahrung ans Tierheim übergeben. "Er war in seiner vorherigen Familie nicht gut behandelt worden und ganz abgemagert, als er ankam", sagt Nadine Weissmann mitfühlend. Mittlerweile geht es Mash wieder gut; er hat auch schon Paten gefunden, mit denen er gerne spazieren geht. Hundepaten lieben den Umgang mit Tieren, haben aber keine Möglichkeit, zuhause welche zu halten. Stattdessen kümmern sie sich um Tierheiminsassen, führen "ihre" Hunde aus und kuscheln mit ihnen. Manchmal bringen sie auch ein neues Spielzeug mit. Durchaus zur Freude der Vierbeiner, die dankbar für jede Form der Zuwendung sind.

Genau wie das Tierheim. Es finanziert den Betrieb primär über die Mitgliederbeiträge des Tierschutzvereins Zollernalb, zu einem großen Teil aber aus Spenden. 100 000 Euro waren es im vergangenen Jahr; laut Günter Wiebusch, dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins Zollernalb, lässt sich damit etwa ein Drittel der Betriebskosten decken. Auch ehrenamtliche Manpower ist willkommen. "Es ist viel Arbeit; ein richtiger Knochenjob. Aber wenn wir den Tieren damit helfen können, ist es uns das wert."

n Das Hundehaus des Tailfinger Tierheim steht seit 1983; ein neues Gebäude wird dringend benötigt. Wann es so weit ist, lässt sich derzeit nicht sagen.