Das Training zahlt sich aus: Der Hund ist total auf Karin Stegemann fixiert, als sie vor den Schildern steht und mit Handzeichen und kurzen Worten Kommandos gibt (Archiv-Foto). Foto: Schneider

Der Sulzer Hundesportverein Mühlbachtal erklärt, wie jahrelanges Training und Übung das Risiko von Beiß-Attacken verringern können. Lernen müssten jedoch Mensch und Tier.

Kürzlich kam es laut SWR zu einem dramatischen Ereignis: Ein freilaufender Hund attackierte einen einjährigen Jungen in Pforzheim. Der Vierbeiner war ohne Halter unterwegs, sprang das Kleinkind an und biss ihm unvermittelt ins Gesicht.

 

Wie können solche Zwischenfälle verhindert werden? Wir haben beim Hundesportverein (HSV) Mühlbachtal angefragt, der schon lange Trainings für Hund und Mensch anbietet. Die Antwort ist eindeutig: Es braucht eine umfassende Ausbildung – für beide.

Mensch braucht Hunde-Kenntnisse

Am Ende soll – geht es nach dem Verein – die Begleithundeprüfung stehen, eine staatlich anerkannte Prüfung, die den Gehorsam und das Verhalten des Hundes in der Öffentlichkeit testet.

„Der Halter muss seine Kenntnisse über Hunde nachweisen, auch wird das Verhalten des Hundes gegenüber fremden Menschen und lauten Geräuschen getestet“, erklärt Zita Balindt.

Es braucht jahrelanges Üben

Bei der Gehorsamsprüfung muss der Hund Übungen absolvieren, etwa Leinenführigkeit oder Sitzübungen mit Entfernung und Herankommen des Halter. Ebenso werde das Verhalten des Hundes im öffentlichen Straßenverkehr geprüft – inklusive Radfahrer und Jogger, erläutert die Pressesprecherin des Vereins.

„Wenn von der Welpengruppe an immer weiter trainiert worden ist, sind die Hunde an diesem Punkt etwa eineinhalb bis zwei Jahre alt“, erklärt sie. Und kommt damit auf das zu sprechen, was beim HSV umfassend geübt wird – denn im Welpenalter würden die Grundlagen der Erziehung gelegt.

Spielerisch Regeln lernen

Meist komme das kleine Tier im Alter von von acht bis zehn Wochen in die neue Familie – es sind somit keine Geschwister aus dem Wurf da, mit denen das eigene Sozialverhalten geübt werden könne. Hier greift das Training.

„Die Welpen lernen im spielerischen Umgang, wie sie sich gegenüber Artgenossen verhalten sollen“, veranschaulicht Balindt. Denn beim Spielen mit anderen Hunden lernten sie Verhaltensregeln, die ihnen auch im Erwachsenenalter von Nutzen seien.

Praxis-Ausbildung in der Stadt

„Es geht darum, die Sozialisierungs- und Prägephase des Welpen zu vertiefen und mit gezielten Bindungsübungen das Verhältnis zwischen Halter und Welpen zu stärken“, betont sie. Denn eine wesentliche Aufgabe liege auch darin, dem Hundehalter den richtigen Umgang mit seinem Welpen zu vermitteln.

Auch gingen die Ausbilder mit den Haltern und Welpen regelmäßig in die Stadt, um das „ganz normale“ Leben zu trainieren. „Mensch und Hund lernen zu verstehen, dass es im Umgang miteinander fast keine Probleme gibt – wenn bestimmte Spielregeln beachtet werden“, betont die Vereinsfunktionärin.

Gehorsam ohne Leine

Die nächste Stufe ist die Junghundegruppe. „Hier lernt der Hund, sich auf seine Bezugsperson zu konzentrieren“, skizziert sie die Schwerpunkte – etwa durch Kommandos wie „Sitz“ und „Platz“ sowie viele verschiedene Übungen. Das führe gleichzeitig zu einer stärkeren Bindung zwischen Halter und Hund.

Weiter gehe es dann in die Familienhundegruppe. „Ein Ziel ist es, den Hund jederzeit zurückrufen zu können“, sagt Balindt. Dazu werde mitunter auch ohne Leine geübt – auch als Vorbereitung zur Begleithundeprüfung.

Viele Fragen offen

Die Tierschutzorganisation Peta fordert hingegen, einen „Hundeführerschein“ in Baden-Württemberg umzusetzen. „Bislang legt ihn jede Kommune selbst fest, er ist also nicht überall gleich“, ordnet Balindt ein. Somit variiere er momentan – je nach kommunalen Anforderungen – von Ort zu Ort.

Doch für die Hunde-Experten vom Mühlbachtal ergeben sich da gleich mehrere Fragen. „Was passiert mit den Tieren, die den Test nicht bestehen? Werden sie den Haltern abgenommen? Und wohin dann mit ihnen – ins nächste Tierheim?“, will Balindt wissen.

Kurs-Angebot ist in Arbeit

Einerseits gäbe es da wahrscheinlich Hunde, die nicht jedes Kommando sofort befolgten, für die Allgemeinheit aber keine Gefahr darstellten. Andererseits könne auch nach erfolgreich absolvierter Prüfung immer zu Ausnahmesituationen kommen.

Aber trotz dieser Ungewissheit ist man beim HSV guter Dinge. „Wir sind in Abstimmung mit dem Südwestdeutschen Hundesportverband und bei Bedarf gut vorbereitet. Sobald die Rahmenbedingungen feststehen, werden wir etwas anbieten“, versichert Balindt.

Volles Programm beim Hundesportverein

Projekte
Der Verein plant eine eigene Flyball-Gruppe. Dabei handelt es sich um einen Teamwettkampf, bei dem die Hunde in einem Parcours über Hürden rennen, einen Auslöser betätigen, um einen Ball freizugeben, und den Ball dann – über die Hürden zurück – wieder zu ihren Besitzern bringen. Ein schon laufendes Projekt sind Hunde-Besuche in Kindergärten. „Oft haben Kinder Angst vor Hunden“, sagt Vereinsvorsitzender Florian Ketterer. Und um den Jüngsten die Sorge vor den großen Tieren nehmen, gehe man mit den Hunden in die Kitas. „Es wurde sehr positiv aufgenommen und die Kids waren begeistert“, erzählt er von den ersten Terminen.

Angebote
Wer mit seinem Hund beim HSV mitmacht, hat eine breite Palette von Möglichkeiten vor sich. Neben dem Welpentraining gibt es das Junghundetraining und einen Kurs für Familienhunde. Weitere Angebote sind das Alltagstraining, ein Teamtest-Training, „Spaß mit Hund“, Agility oder Rally Obedience. Bei letzterem werden in einem Parcours unterschiedliche Unterordnungsaufgaben absolviert.