David Leukert war zu Gast im Kräuterkasten und warf einen kritischen Blick auf den Alltag.
Es ist ein kritischer Blick auf Probleme mit Männern, mit Frauen und mit der Sprache, den David Leukert im Kräuterkasten dem Publikum servierte.
Sprache entlarvt, das sieht man schon an den Namen, die Eltern heute hochtrabend ihren Kindern verpassen. Nun, die Gäste im voll besetzten Kräuterkasten hatten da noch Glück, die heißen ganz normal Helmut, Sabine und so weiter. Aber die sind ja auch nicht mehr ganz jung. Und als wollten sie rebellieren, verwenden die jungen Leute mit den komplizierten Namen eine höchst einfache Sprache mit Sätzen aus drei Wörtern. Wie sollen da Menschen aus anderen Ländern Deutsch lernen, wenn dort oft die eigenen Eltern ihre Kinder nicht mehr verstehen. Aber Deutsch ist ja so altmodisch. Also erfindet man jetzt angeblich englische Wörter, über die derjenige, der wirklich des Englischen mächtig ist, nur lachen kann: Nordic Walking, Public Viewing, Handy.
Pausenlose Lacheffekte
Für Lacheffekte sorgt David Leukert pausenlos, wenn er die heutige Lebensart, die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die Sprache untersucht. Dabei teilt er nach allen Seiten aus. Macht sich lustig über die, die so gnadenlos vegetarisch sind, dass sie ihren Hund nur mit Salat ernähren, aber auch über die, die so auf Fleisch versessen sind, dass sie den eigenen Vierbeiner „Vorrat“ nennen. Seinen scharfen Blick zeigt er auch beim Kampf der Geschlechter, beweist mit Zahlen, dass es mehr weibliche als männliche Artikel gibt, dass Mehrzahl immer weiblich ist, dass Mann weiblich wird in „die Mannschaft“, dass die Tendenz, heute männlich und weiblich zu umgehen, zu sprachlichen Fehlern führt, weil etwa Studierende der Wortart nach pausenlos Tag und Nacht studieren müssten.
Die Politik im Blickfeld
Nach der Pause erweitert David Leukert noch sein Blickfeld auf die Politik. Da deutet er schon Konflikte an, indem er mit der Mundharmonika zur Einführung westliche und östliche Nationalhymnen mit einem Schlaflied vermischt. Politiker jeder Couleur kriegen ihr Fett ab, sei es, wenn sie Schweigeminuten vom Blatt ablesen, wenn sie die Menschen im Lande nicht durch zu viel Informationen beunruhigen wollen, wenn sie ihre Meinung ändern, sobald es vorteilhaft erscheint. Er ist ganz aktuell, weiß um den Mietpreisvergleich zwischen Stuttgart und München Bescheid, und er gräbt in der Vergangenheit, wenn er auflistet, wie wenig das Fachgebiet eines Ministers zu tun hat mit dessen eigener Ausbildung.
Aber das Hauptproblem für ihn ist doch die Rolle, die der Mann heute spielt. Was ist ein Mann? Hat er sich überhaupt weiter entwickelt und wie? Ist er hilflos der Frau ausgeliefert: „Was macht eine Frau, deren Mann im Garten Zickzack läuft? Sie schießt weiter!“ Wie geht man mit dem eigenen Sohn um, dessen höchstes Kompliment ist, dass er seinen Alten „nicht scheiße findet“. Taugen Filmhelden wie Lino Ventura, Charles Bronson noch als Vorbilder, hat Mann noch Macht?
Spitzfindig, witzig und makaber
Nun, David Leukert hat Macht über die Sprache, spitzfindig, witzig, makaber. Mächtig ist er auch am Schluss, wenn er mit der Mundharmonika ein Konzert gibt und dabei gleichzeitig ein großes imaginäres Orchester dirigiert. Und er hat Macht über das Publikum im Kräuterkasten, das ihm, egal ob Frau oder Mann, begeistert applaudiert.