Der Musikverein Seelbach hatte sein traditionelles Frühjahrskonzert als Award-Show konzipiert, bei der nun die Instrumentalisten glänzten.
Trompeten, Tuben, Klarinetten, Querflöten und Saxophone standen im Mittelpunkt des Frühjahrskonzerts des Musikvereins Seelbach. Für jedes dieser Blasinstrumente wurden ausgewählte Stücke gespielt und mit Soloauftritten besonders hervorgehoben.
Am Samstagabend richtete der Musikverein erstmals die Seelbacher Verleihungsgala für Instrumentalsolisten – den „MVS Musik Award“ – aus. Bei dieser Premiere konnten die Musiker ihr Können in Soloauftritten unter Beweis stellen und erhielten dafür einen symbolischen „Oskar“. Das Ensemble stand unter der Leitung von Dirigent Christian Sade.
Eröffnet wurde das Konzert mit dem kraftvollen Stück „Kivgik“ von Carl Strommen und dem Schlagzeugregister. Das Werk, dessen Titel in der Inuit-Sprache „Bote“ bedeutet, wurde von einer großen Versammlung der Inuit in Alaska inspiriert, die der Komponist beobachtet hatte. Spezielle Percussion-Effekte verleihen dem Stück einen treibenden Puls und lassen das Inuit-Treffen eindrucksvoll nachempfinden. Als Solisten überzeugten Andreas Pampuch, Birgit Wegemann, Jonas Krieg und Wolf Müller mit ihrer Darbietung.
Carolin Schorpp begeisterte danach mit der Soloklarinette im ersten Satz von Mozarts Klarinettenkonzert KV 622. Der Satz zeichnet sich durch eine Mischung aus Heiterkeit und Melancholie aus. Schorpp spielte souverän und verstand es, den großen Tonumfang ihres Instruments eindrucksvoll zur Geltung zu bringen.
Vivien Himmelsbach und Julia Bühler überzeugen mit ihrem „Flower Duet“
Der japanische Komponist Hitoshi Takahashi hat sich auf sinfonische Blasmusik spezialisiert. Sein Werk „Futaba“, interpretiert von den Solisten Dieter Faisst und Johannes Jakobs (Bariton), zeigte eindrucksvoll die große Vielfalt an Arrangements für Bläserensembles. „Four Brothers“ bot anschließend einen Paradeauftritt für sechs Saxofone. Vivien Himmelsbach und Julia Bühler (Querflöten) überzeugten indes mit einem ausgesprochen gelungenen „Flower Duet“.
Auch „Boogie Down“ dürfte vielen Zuhörern sofort vertraut vorgekommen sein – die Melodie stammt von Al Jarreau. Mit „Fear of the Dark“ wurde danach ein Ausflug in die Rockmusik unternommen, wobei die Band Iron Maiden stilistisch eher dem Heavy Metal zuzuordnen ist. „The Attack of the Killer Trombones“ gehörte den Posaunen und sorgte für einen humorvollen Höhepunkt.
Eine besondere Premiere bildete „Der Herbst“ aus Vivaldis Zyklus „Die vier Jahreszeiten“. Dirigent Sade hatte „L’autunno“ eigens für dieses Konzert neu für Bläserensemble arrangiert. Die Entscheidung fiel auf diesen Satz, da er sich besonders gut für eine solche Besetzung eignet. Die Solopartie übernahm Salomé Meier (Violine) aus Schuttertal, die das Werk eigens mit den Seelbacher Musikern einstudiert hatte. Mit ihrem ausdrucksstarken Spiel zog sie das Publikum durchweg in ihren Bann.
Das Konzert wurde durch szenische Einlagen auf humorvolle Weise aufgelockert. Im Mittelpunkt standen Wim Cannie als Möchtegern-Künstler und Moderatorin Milena Harney, Schauspielerin der Kleinen Bühne in Ettenheim, die immer wieder miteinander aneinandergerieten. Dass Cannie kein Musikinstrument beherrscht, wurde schnell offensichtlich: Seine missglückten Versuche, als Solist einen Award zu ergattern, sorgten für Gelächter und kleine Turbulenzen auf der Bühne.
Als er schließlich eine Geige in die Hand nahm, konnte nur noch Klebeband Abhilfe schaffen. Das Publikum quittierte die Szene mit einer Mischung aus Pfeifen, Buhen und anschließendem Applaus – ein amüsant inszenierter Fall von „künstlerischer Notwehr“.