Die Preisgekrönten Foto: Reiner Pfisterer

Bei der Hugo-Wolf-Akademie haben sich die Preisträger des Internationalen Liedwettbewerbs vorgestellt. Warum der Abend ein Konzertereignis ersten Ranges war.

In seinem „Gebet“ schreibt Eduard Mörike: „In der Mitten liegt holdes Bescheiden“. Die Vertonung des Gedichts durch Hugo Wolf singt am Sonntagnachmittag Giacomo Schmidt: innig, dicht, präzise. Gemeinsam mit der Pianistin Jong Sun Woo ist der Bariton mit dem ersten Preis des Liedwettbewerbs ausgezeichnet worden, den die Hugo-Wolf-Akademie zum 14. Mal in der Stuttgarter Musikhochschule veranstaltet hat, und es liegt in der Natur eines Preisträgerkonzertes, dass Mörikes Zeile zu ihm nicht passen will. Mittelmäßiges gibt’s hier nämlich nicht, und mit holdem Bescheiden wären die vier beteiligten Duos nicht weit gekommen.

 

Hier geht’s um Spitzenkunst, die allen Zukunftspessimismus gegenüber einer vermeintlich nicht mehr zeitgemäßen Nischenkunst aushebelt. So, wie hier junge Menschen die ebenso intime wie komplexe Verbindung von Lyrik und Musik als hoch emotionale Kunst des singenden Geschichtenerzählens präsentieren, wirkt das Lied quicklebendig.

Lieder von und über Frauen

Und es ist ein besonderes Verdienst dieser Veranstaltung, dass man auch wahrnimmt, welch entscheidenden Anteil die Pianistinnen daran haben. Was wäre etwa Schuberts „Erlkönig“, gesungen von der Mezzosopranistin Corinna Scheurle, gewesen, hätte nicht Hanna Bachmann am Klavier für zuspitzende Dynamisierung gesorgt? Die beiden Musikerinnen teilten sich den dritten Preis mit Jonas Müller (Bariton) und Anna Gebhard, deren Vortrag seinen Höhepunkt im Vortrag eines Briefes von Abraham Lincoln an die Mutter von fünf im Bürgerkrieg gefallenen Söhnen erreicht; Michael Daugherty hat das Zeitdokument als „Letter to Mrs Bixby“ in eindringliche Töne gefasst.

Gewinner und Jury Foto: Reiner Pfisterer

Dann aber kommt die zweite Preisträgerin. Gemeinsam mit ihrer polnischen Tastenpartnerin Joanna Kacperek bringt die französische Sopranistin Clara Barbier Serrano in ihrem auch dramaturgisch durchgestylten Kurzprogramm mit Liedern von und über Frauen glutvolle Fülle und Feinheit zusammen. Was für eine Stimme, was für eine Gestaltung, welche Breite im Ausdruck und welch tiefes Textverständnis!

Preisträgerkonzert Hugo-Wolf-Akademie: Hinreißend!

Auf demselben Spitzenniveau, vielleicht noch ein Quäntchen souveräner, präsentiert sich der erste Preisträger Giacomo Schmidt, dessen kraftvollem Organ die Pianistin Jong Sun Woo entsprechendes Geleit bietet. Bei Eislers launigem „Der Priem“ wie auch bei Wolfs „Feuerreiter“, dessen letzter Strophe Schmidt knisternde Spannung verleiht, kommen Text und Musik auf subtilste Weise zusammen. Hinreißend!