Ein Wasserschaden hat nicht nur bei Heike und Andreas Schmid den Betrieb lahm gelegt, sondern auch das Haus schwer in Mitleidenschaft gezogen. alles muss raus. Handwerker sind seit gestern dabei, das Haus zu räumen Foto: Filipp Foto: Schwarzwälder-Bote

Handwerker müssen das historische Gebäude in Hüfingens Hauptstraße räumen / Zukunft ist noch ungewiss

Hüfingen (ff). Den 19. Februar werden Heike und Andreas Schmid nicht so schnell vergessen: Beim Betreten ihres Frisörgeschäftes in Hüfingens Hauptstraße 22 plätscherte es wie in einer Tropfsteinhöhle – ein Wasserschaden hatte dort alles zerstört. Wasser drang aus dem oberen Stockwerk über die Decke bis in die Geschäftsräume des denkmalgeschützten Hauses im Erdgeschoss. Erst im vergangenen November war dort renoviert und eine neue Decke mit neuen Lampen eingebaut worden, erklärt Heike Schmid im Gespräch mit unserer Zeitung und blickt nun fassungslos in die Öffnungen, in denen davor die neuen Strahler hingen und die das Wasser einfach rausdrückte.

Und vor zwei Jahren hatte schon einmal ein Wasserschaden im Eingangsbereich des Friseursalons zur Zwangspause geführt. Der Schock und der materielle Schaden nun ist für die Eigentümer groß – und die Ungewissheit für die vier Mitarbeiter über die weitere Zukunft in der Kurzarbeit ebenfalls.

"Es hat lange gedauert, bis wir wegen der Fastnacht auch Handwerker finden konnten, die sind ja derzeit überall wegen Wasserschäden im Einsatz", umschreibt Heike Schmid. Klare Aussagen zum Schaden soll es heute geben. Die stehen mit dem Besuch von Architekt Bernhard Streit aus Behla auf der Tagesordnung.

Das Haus ist derzeit nicht bewohnbar. Aufgeweichte Möbel wandern in den Container, Bodenbeläge ebenso. Drei Fuhren wurden bereits abgefahren, erklärt die Eigentümerin. Selbst der Putz an den Wänden muss jetzt abgeschlagen werden.

Senior Ernst Schmid musste seine Wohnung bereits verlassen. In Hüfingen geboren und zu Schule gegangen, geriet Ernst Schmid als Soldat in jungen Jahren in Gefangenschaft.

Zurück wieder in der Heimat arbeitete er zunächst als Geselle in verschiedenen Salons. Danach konnte er in der Hauptstraße das Kolonialwarengeschäft von seinem Vater Ludwig übernehmen und seine Pläne verwirklichen: Der eigene Frisörsalon wurde schließlich 15. März 1958 eröffnet.

Zuvor hatte er in Donaueschingen eine Frisörlehre absolviert und sich auf der Meisterschule in Lübeck auf die neue Aufgabe vorbereitet.

1959 heiratete Ernst Schmid seine Frau Waltraud, die ebenfalls im Frisörhandwerk tätig war und die ihm im Geschäft eine große Stütze war.

Im Jahr 1991 folgte ein umfassender Umbau der Räumlichkeiten, dort und die Neueinrichtung des Geschäftes. Und erst vor vier Jahren könnten Heike und Andreas Schmid das 50-jährige Bestehen feiern. Nun scheint die weitere Zukunft ungewiss. "Wir haben uns auch nach dem Frisörmobil der Innung erkundigt, aber das ist mit gut acht Metern Länge viel zu groß, um es hier aufstellen zu können. Auch hat es ja keine Toilette", sagt Heike Schmid. Und die Räume, die sich in der Nachbarschaft als Interimslösung anbieten in entweder zu klein oder wie das Burgcafé zu groß.

In dem Haus, in dem einst der Hüfinger Künstler Lucian Reich der Jüngere bis zu seinem Tod im Jahr 1900 wohnte, ist jedenfalls noch viel Arbeit angesagt, bis es wieder bewohnbar wird und der Betrieb laufen kann.

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