Im Hüfinger Hallenbadgreift man gern zum "belebten" Wasser, das dort aus einem Trinkbrunnen sprudelt. Foto: Klitzsch

Hüfinger sind angetan von "belebtem" Wasser im Hallenbad Aquari. Aber auch Kritik.

Hüfingen - Belebtes ist besseres Wasser – davon ist man im Hüfinger Hallenbad überzeugt. Der Bademeister berichtet von guten Erfahrungen mit der Wasserbehandlung einer österreichischen Firma. Andernorts ist von "parawissenschaftlichem Unfug" die Rede.

Im Hüfinger Hallenbad trinkt man und badet man in "belebtem Wasser": Vor rund einem Jahr hat die Stadt auf Anregung von Bürgermeister Anton Knapp für "einen niedrigen fünfstelligen Betrag" Vorrichtungen der Firma Grander aus Österreich installiert, die Wasser mit einem erhöhten Selbstreinigungsvermögen und einer erhöhten Widerstandskraft ausstatten sollen, wie es die Firma in einer ihrer Infobroschüren erklärt.

Wie funktioniert das? Das Wasser werde durch sogenannte "Wasserbelebungsgeräte" geführt, in dem ein als "Informationswasser" bezeichnetes Wirkmedium seine "hohe innere Ordnung" auf das durch das Gerät fließende Wasser übertrage. "Mit herkömmlichen wissenschaftlich analytischen Messmethoden ist diese Art von Energie- und Informationsübertragung noch nicht messbar", wird in der Broschüre eingeräumt.

Im Hüfinger Hallenbad- und Saunabetrieb ist man trotzdem überzeugt von der Methode. Bademeister Wolfgang Delor berichtet, dass seit Einsatz der Wasserbelebungsgeräte für das Badewasser gewisse Schimmelpilze kaum oder gar nicht mehr auftreten würden. Seither benötige man deutlich weniger Chlor, um die ständig kontrollierte Wasserqualität aufrecht zu erhalten. Zudem hätten sich Badegäste gemeldet und das weiche, chlorarme Nass gelobt, ohne dass man auf die neue Wasserbehandlungsmethode hingewiesen habe. Auch der Trinkbrunnen im Saunabereich, der mit dem "belebten" Wasser gespeist wird, finde regen Zuspruch, berichten die Mitarbeiter im Aquari.

Bademeister Delor, der mit dem Einsatz des belebten Wassers auch an den eigenen Händen den Rückgang von ihn lange plagenden Hautirritationen beobachtet hat, ist inzwischen überzeugt von der Methode der Firma Grander. Dabei habe am Anfang auch beim ihm viel Skepsis geherrscht. "Ich war zunächst der Einzige, der daran geglaubt hat", berichtet Bürgermeister Anton Knapp.

Andere glauben immer noch nicht an die Methode – im Gegenteil: "Aus dem Esoterik-Milieu stammender, parawissenschaftlicher Unfug" sei eine sachlich begründete Bezeichnung für die Wasserbelebung der Firma Grander, urteilte das Oberlandesgericht Wien am 17. August 2006 (Verfahren 4R1/ 06f). Begründet sei zudem der Vorwurf, dass "Menschen, die an gefährlichen Krankheiten wie etwa Borreliose oder Krebs leiden, möglicherweise leichtgläubig auf dringend notwendige medizinische Behandlung verzichten und auf die Wirkung des Wunderwassers vertrauen". In Neuseeland wurde die Vertriebsfirma des Grander Wassers 2005 sogar wegen Irreführung der Konsumenten in erster Instanz zu insgesamt 136 000 Dollar Strafe verurteilt. Was ebenfalls stutzig macht: Der Erfinder der Methode, Johann Grander, hat angegeben, die Entwicklung des "belebten" Wassers einem besonders guten Verhältnis mit Gott zu verdanken – vor 30 Jahren sei ihm Jesus Christus erschienen, sagte er dem Fernsehsender ORF vor zwei Jahren in einem Interview.

In Hüfingen gibt es dennoch viele, die von der Wirksamkeit der Wasserbelebung überzeugt sind. Auch das Metzger-Ehepaar Reinhard und Regina Kanstinger gehört dazu. Sie nutzten die Wasserbelebungsmethode zunächst nur privat, später auch in der hauseigenen Fleischwarenproduktion. Ohne über die neue Produktionsmethode aufzuklären, hätten sie beobachtet, wie Kunden den frischeren Geschmack und die längere Haltbarkeit der Würste gelobt hätten, erzählen sie. So richtig werben wollen aber weder Stadt noch die Metzgerei bisher mit dem belebten Wasser – aus Sorge, Kunden und Gäste könnten behaupten, man sei auf Scharlatanerie hereingefallen.

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