Die Hüfinger Verwaltung verteidigt den Beschluss des Gemeinderats, Obdachlose künftig in Mundelfingen unterbringen zu wollen. Das Argument, eine dortige Unterbringung stelle die Obdachlosen vor persönliche Versorgungsprobleme, lässt die Verwaltung nicht gelten. Foto: Gerten

Gemeinderat beschließt mehrheitlich Unterbringung in Ortsteil .  Ob Haus oder Wohncontainer ist noch unklar.

Hüfingen - Der Gemeinderat hat sich entschlossen, neuen Raum zu schaffen für die Unterbringung von Obdachlosen. Die Wohnmöglichkeit soll in Mundelfingen in der Munolfstraße entstehen. Wie die Bebauunt sein wird, ob mit festem Haus oder Container ist noch nicht klar.

Die bisherige Obdachlosenunterkunft in Behla sei nicht mehr geeignet, da sie baufällig ist und eine Sanierung des Gebäudes in vertretbarem Aufwand nicht mehr möglich sei, so die Stadtverwaltung. Da die Kommune in Einzelfällen immer mal wieder Unterbringungspflichten hat, befasste sich der Gemeinderat mit neuen, geeigneten Möglichkeiten. In die Entscheidung seien Gemeinderat und Ortschaftsräte einbezogen worden.

Der Gemeinderat hat sich für einen von zwei möglichen Standorten in Mundelfingen entschieden. Es wurden alle Standorte in der Kernstadt und in den Ortsteilen, die rechtlich möglich und verfügbar sind, vom Liegenschaftsamt aufgelistet und im Gemeinderat ausführlich diskutiert. Die Ortschaftsräte haben überall in ihren Stellungnahmen "dankend" abgelehnt. Im Mitteilungsblatt und auch von der Verwaltung selbst wurde nach leer stehenden Wohnungen gesucht, um für solche Notfälle gerüstet zu sein. Darauf gab es nie irgendwelche positiven Reaktionen. Das Interesse, für Obdachlosigkeit gerüstet zu sein, wachse offensichtlich erst, wenn eine gute, humanitär ordentliche Unterbringung "in meiner Nähe" errichtet werden soll, merkt die Verwaltung dazu an.

Das vom Gemeinderat ausgesuchte Grundstück hat Süd-Ost-Ausrichtung. Der Gemeinderat ist davon ausgegangen, dass dort, wo in direkter Nähe Bürger Neubauten errichtet haben, weder Geräusch- noch Geruchsbelastung einen "Verstoß gegen die Menschlichkeit", so hört man bisweilen, darstellen können.

Der Platz um das Pumpwerk soll durch Bepflanzung und Sichtschutz aufgewertet werden, was zusammen mit der neuen Bebauung auch der Ortsverschönerung in Mundel­fingen dienen wird. Wie das Gebäude aussehen wird, das steht im Moment noch nicht fest. Es soll aber vor Herbst 2015 bezugsfertig und flexibel gebaut sein. Flexibilität ist notwendig, da es sowohl Einzelpersonen wie auch Familien gäbe, die man unterbringen müsse. Hauptamtsleiter Horst Vetter bestätigt auf Anfrage, dass man mit Wohncontainern am flexibelsten wäre, sowohl in der Einteilung als auch in der Erweiterung. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies auch so kommen werde. Das Bauamt sei gerade an der Planung, gab er Auskunft. In einem ersten Abschnitt sollen vier bis acht Personen Platz finden.

Bei der Klientel, für die eine Unterbringung geschaffen werden muss, handele es sich laut Verwaltung "weder um behinderte Menschen, noch um in irgendeiner Art mit dem Gesetz in Konflikt geratene, sondern um solche, die wohnungsmäßig in eine Notlage geraten sind", so Bürgermeister Anton Knapp. Diese Unterbringung, zu der die Stadt im Notfall verpflichtet ist, hat vorübergehenden Charakter und soll nicht auf Dauer angelegt sein.

In Behla gab es 15 Jahre lang genau die gleiche Situation. Sie habe in dieser Zeit zu keinerlei Problemen geführt. Der Gemeinderat hat jetzt Lösungen besprochen, die für mögliche Betroffene eine deutliche humanitäre Verbesserung herbeiführen wird, als dies in dem alten, desolaten Gebäude in Behla bisher der Fall ist. Auch in Behla gab es vor Ort, wie in allen anderen Ortsteilen, keine direkten Versorgungsmöglichkeiten, keine Post, keinen Arzt, keinen Laden für Lebensmittel und ähnliches.

Von Mundelfingen nach Hüfingen und zurück gebe es tagsüber gute Busverbindungen, unter der Woche bis am Abend mindestens 15 Stück. Zu späteren Zeiten sei der Anrufbus unterwegs. Dies gelte auch für das Wochenende. Menschenunwürdig könne die Notwendigkeit, den ÖPNV zu benutzen, deshalb nicht sein, folgert die Stadt. In Hüfingen seien in der Kernstadt 20 Flüchtlinge untergebracht. Ihre Wohnsituation sei deutlich schlechter, als dies künftig bei der vorübergehenden Unterbringung von Obdachlosen der Fall sein werde. Der Gemeinderatsbeschluss vom 23. Oktober sei mit großer Mehrheit (vier Nein-Stimmen) gefasst worden. Es habe eine umfassende Vorberatung am 18. September gegeben. Die Verwaltung hatte eine umfangreiche Abwägungsliste erarbeitet, die als Grundlage für die Diskussionen im Rat diente.