Bundestagskandidat Jens Löw (zweiter von rechts) will EU-Landwirtschafts-Subventionen auf den Prüfstand stellen. Diese Ansicht vertrat er bei seinem Besuch in Hüfingen. Gleichzeitigt fordert Löw mehr Geld für Kinderbetreuung und Pflege. Foto: Butschle Foto: Schwarzwälder-Bote

SPD-Kandidat Jens Löw kennt keine Tabuzonen / Mogelpackungen in der "Ruck-Zuck-Qualifizierung" moniert

Von Wilhelm Butschle Hüfingen. In Hüfingen scheint die Welt in Ordnung zu sein. Diesen Eindruck hatte SPD-Bundestagskandidat Jens Löw anfangs bei seinem Besuch am vergangenen Freitag, beim Parteigenossen, dem Hüfinger Bürgermeister Anton Knapp.Dort konnte das SPD-Urgestein der Baaremer Kommunalpolitik auf allerhand städtische Vorzeigeobjekte verweisen.

Doch auch in Hüfingen finden sich Probleme. Der demografische Wandel verschont keine Kommune. Dessen bewusst wurde sich, der im September bei der Bundestagswahl gegen den Donaueschinger Oberbürgermeister Thorsten Frei antretende Sozialdemokrat beim Gespräch mit Astrid Calabrese, der Pflegedienstleiterin im Fürstlich Fürstenbergischen Altenpflegeheim.

"Ich erhoffe mir", so die langjährige Führungskraft im innovativen Pflegeheim am Hüfinger Gewerbekanal, "mehr politische und gesellschaftliche Akzeptanz für die Pflegearbeit."

Die mangelnde Achtung vor diesen Berufen, die schlechten Rahmenbedingungen und die unattraktiven Vergütungsmöglichkeiten bereiten der sogenannten Zukunftsbranche extreme Schwierigkeiten.

"In diesem Jahr", so Stiftungsrat Knapp, "konnten wir keinen einzigen Ausbildungsplatz besetzen." Eine völlig inakzeptable Situation mit Blick auf die wachsenden Anforderungen im Pflegedienst.

Doch andere Berufsbilder sind für die Jugend attraktiver. Sie bieten angenehmere Arbeitszeiten und wesentlich mehr Gehalt. Ausgerechnet jener Beruf, der die Wertschätzung für die Älteren und den gesellschaftlichen Dank für deren Lebensleistung am ausgeprägtesten zum Ausdruck bringt, leidet an bürgerschaftlicher und monetärer Unterbewertung.

Subventionen auf Prüfstand stellen

"Dies muss sich in Zukunft ändern", so Jens Löw, der im Falle seiner Wahl in den Deutschen Bundestag, die Subventionspolitik der EU auf den Prüfstein, stellen will. "Hier darf es keine Tabuzonen geben", so Jens Löw. Die finanziellen Ressourcen für staatliche Aufgaben sind begrenzt. Doch ist es eine Frage der Priorisierung welche Dinge von der Gemeinschaft zu subventionieren und zu fördern sind.

"Müssen wir industrielle Fleischproduzenten mit Steuermittel fördern", so Löw, "wenn es in der Pflege einen wesentlich höheren gesellschaftlichen Bedarf gibt?" Dabei nimmt er Förderungen der Landschaftspflege und des ökologischen Landbaus von der Streichliste ausdrücklich aus. Aber für Löw ist klar, "Die immensen Subventionen im Bundes- und EU-Haushalt müssen den Bedürfnissen gerecht werdend umgeschichtet werden." Weiteren Bedarf der gesellschaftlichen und politischen Positionierung sieht Löw, ausgebildeter Fisch- und Forstwirt, auch in der Kinderbetreuung. Mogelpackungen in der Ruck-Zuck-Qualifizierung arbeitslos gewordener Frauen für die Kinderbetreuung lehnt er ab.