Anlage soll sicher gebaut werden. Gemeinderat diskutiert. Nitratbelastung verbessert.
Hüfingen/Bräunlingen - Der Bräunlinger Palmhof will erweitern, der Hüfinger Gemeinderat diskutiert darüber. Denn es gibt Fragen: Besteht durch den Ausbau der Biogasanlage eine Gefahr für das Hüfinger Trinkwasser? Wird eine größere Anlage auch für mehr Verkehr in Hüfingen sorgen? Und welchen Einfluss hat das ganze Vorhaben auf die Landschaft?
Arnold Niehagen, der seit zehn Jahren für den Palmhof tätig ist und die Erweiterung geplant hat, führte die Argumente an, die er schon im Bräunlinger Gemeinderat und vor dem Donaueschinger Gemeindeverwaltungsverband vorgebracht hatte. Die Anlage werde so gebaut, dass für das Hüfinger Trinkwasser keine Gefahr bestehe: Die Behälter bestünden aus einem Arbeits- und einem Auffangbehälter. Leitungen würden nur oberirdisch verlegt, so dass sie jederzeit einsehbar seien. Die Rangierflächen würden wasserundurchlässig gebaut, die Entwässerung erfolge in die Biogasanlage.
Planer Arnold Niehagen: Grundwasserschutz ist das alleroberste Ziel
"Der Grundwasserschutz ist das alleroberste Ziel und wir werden alle Belange der Stadt Hüfingen berücksichtigen", versprach Niehagen. Außerdem werde eine Rückhalteeinrichtung gebaut, die im Falle einer Havarie den kompletten Inhalt eines Gärbehälters auffangen könnte.
Ziel der Anlage sei es nicht nur, die Nahwärmeversorgung der Bräunlinger Gewebegebiete Niederwiesen und Stetten zu übernehmen, sondern laut Niehagen auch, Heizöl und fossiles Co2 einzusparen. Aktuell würden pro Jahr durch die Biogasanlage 1,3 Millionen Liter Heizöl und 3,8 Tonnen Co2 eingespart werden. Im Endausbau wären es 3,4 Millionen Liter Heizöl und 9,8 Tonnen Co2 pro Jahr.
Niehagen bezog auch Stellung zu Aussagen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Schwarzwald-Baar-Heuberg. Ein Grünlandumbruch, bei dem Grünland in Ackerland umgewandelt und intensiv bewirtschaftet wird, sei nicht zu befürchten, da dieser in Baden-Württemberg verboten sei. Auch die Nutzung von Moorflächen sei beim Palmhof ausgeschlossen, da die betreibende Familie Ewald solche Flächen überhaupt nicht besitzen würde.
BFSO/Grünen-Fraktionssprecher Peter Albert unternahm einen historischen Ausflug in das vergangene Jahrhundert. Bräunlingen habe schon zweimal die Hüfinger Wasserversorgung gefährdet. 1903 habe es in Hausen vor Wald ein Brunnenfest gegeben: Sechs Quellen habe es dort damals gegeben. Doch dann habe Bräunlingen die Brändbachtalsperre gebaut und den Kirnbergsee angelegt. Und danach seien die Quellen in Hausen vor Wald zum Erliegen gekommen. "Es gab einen jahrlangen Streit, bei dem Hüfingen unterlegen ist, und nun droht uns schon wieder Gefahr aus Bräunlingen", so Albert.
Peter Albert: Neun Biogasanlagen in Bräunlingen reichen
Neun Biogasanlagen gebe es auf Bräunlinger Gemarkung, das reiche. Außerdem habe Bräunlingen 20 Quellen und Hüfingen nur zwei, die auch noch direkt unter dem Palmhof liegen würden. "Unsere Bedenken gelten weniger der Anlage, als dem Drumherum", so Albert.
SPD-Stadtrat Sigmund Vögtle, der sich schon im Gemeindeverwaltungsverband gegen die Pläne ausgesprochen hatte, sprach von einer gigantischen Erweiterung, die vor allem die Hüfinger Bewohner betreffe. Die Landschaft werde nicht nur in Monokulturen umgewandelt, sondern die Anlieferung erfolge auch mit riesigen Traktoren, die überwiegend über Hüfinger Gemarkung fahren würden. "Bräunlingen war so clever, dass der Blenklepass und auch die wirklich gut augebaute Straße nach Döggingen für den Lastwagenverkehr gesperrt ist und wir in Hüfingen den kompletten Industrieverkehr von Bräunlingen schlucken müssen", so Vögtle. Der Ausbau des Palmhofes werde nicht nur zu einem riesen Verkehrsaufkommen führen, es sei der Natur damit auch "nichts Gutes" getan.
Doch es gibt auch andere Stimmen im Hüfinger Rat: CDU-Fraktionssprecher Christof Faller, selbst Landwirt und Biogas-Anlagen-Betreiber, hielt ein Plädoyer für die Landwirtschaft. "Mit 20 bis 30 Hektar ist ein Landwirt heute nicht mehr lebensfähig. Wir brauchen Umsatz, um über die Runden zu kommen", so Faller, der in der Vergangenheit selbst Kritik für seine Biogasanlage einstecken musste. Dass der BUND sich gegen die Erweiterung des Pamhofs ausspricht, sei nicht erstaunlich. Der BUND sei schließlich gegen alles. Arnold Niehagen sei eine Planungskapazität für Biogasanlagen und wisse, wovon er spreche. Was den CDU-Fraktionssprecher richtig aufregt: "Es werden immer Sachen in den Raum gestellt, die nicht stimmen, und alle kauen sie dann nach."
Nitratbelastung verbessert
Bürgermeister Michael Kollmeier betonte, dass die Nitratbelastung des Hüfinger Trinkwassers sich verbessert habe: 2014, 2015 und 2016 seien die Werte gestiegen. "Aber schon 2017 sind sie wieder stark gefallen." Allerdings werde die Schutzzone für drei Jahre eingerichtet, sodass das Ganze im Jahr 2020 noch einmal beurteilt werde. "Die europaweit einheitlich festgelegte Qualitätsnorm liegt bei 50 Milligramm Nitrat je Liter. Und von diesem Wert waren wir auch im Jahr 2015 weit entfernt", so Bürgermeister Kollmeier. Aktuell liege der Nitratwert bei 22,5. Und im Bezug auf die Hüfinger Trinkwasserversorgung: "Im Umfeld der Hüfinger Tiefquellen am Schellenberg hat nicht nur die Familie Ewald ihre Felder, sondern auch alle Hüfinger Landwirte."
Im Juli 2018 verkündete Bräunlingens Bürgermeister Micha Bächle die Lösung für die Klärschlammtrocknung und die Biowärme Bräunlingen. Der Palmhof soll die Aufgabe übernehmen, die Gewerbegebiete Stetten und Niederwiesen mit Wärme und Strom zu versorgen. Schon damals war klar, dass der Palmhof diese Aufgabe nur dann stemmen kann, wenn er auch erweitert. Schon damals machten weder die Familie Ewald, noch Bürgermeister Micha Bächle ein Geheimnis daraus, dass an entsprechenden Plänen gearbeitet wird. So soll das bestehende Betriebsgelände erweitert werden. Der ursprünglich geplante Stall für 40 000 Legehennen ist mittlerweile vom Tisch.