Die Meißenheimer Fans (hier beim Hinspiel gegen Wolfschlugen) haben 50 Jahre lang keine Regionalliga erlebt. Foto: Wolfgang Künstle

Die Emotionen nach dem Aufstieg sind beim HTV Meißenheim noch sehr präsent. Trainer Christoph Baumann ist stolz, in die Fußstapfen der Väter-Generation zu treten.

MEISSENHEIM. Nach einer langen Saison mit 26 intensiven Begegnungen plus zwei nervenaufreibenden Relegationsspielen gegen den TSV Wolfschlugen steht seit Sonntagabend fest: Erstmals seit 50 Jahren wird in Meißenheim ab September wieder Handball auf Regionalliga-Niveau gespielt. Am Tag danach war Trainer Christoph Baumann im Gespräch mit unserer Redaktion die gefühlte Fassungslosigkeit noch immer anzumerken.

 

„1975/1976 ist die aus unserer Sicht betrachtete Väter-Generation in die Regionalliga aufgestiegen. Dass wir das jetzt auch geschafft haben, fühlt sich noch immer etwas surreal an. Aber die Jungs haben es sich so verdient, gerade im Rückspiel“, betont der Trainer.

Torhüter Steffen Bader, einer der vielen Väter dieses Erfolgs und vielleicht der emotionale Anführer dieses Kaders, ordnete die Entwicklung so ein: „Vor sieben bis acht Jahren wurde noch überlegt, ob man sportlich freiwillig in die Landesliga zurückgeht. Demnächst spielt der HTV Meißenheim Regionalliga. Das ist Wahnsinn.“

Bader, der sich nunmehr stärker der Familie widmen will, und Thorsten Fink (zur SG Köndringen/Teningen) verlassen den Riedverein. Man wird sie schmerzlich vermissen, aber andererseits kehrt mit Luis Ehret (von Köndringen/Teningen) ein qualitativ starker Linkshänder zurück, der ein echter Meißenheimer ist, ebenso wie Trainer Baumann.

„Wenn man mal überlegt, ist Mirco Zander der einzige externe Akteur. Alle anderen können gefühlt mit dem Fahrrad zum Training fahren. Das ist völlig untypisch für die Regionalliga. Ich habe viele dieser Jungs bereits zu Jugendzeiten trainiert. Wir wollen die kommende Saison gemeinsam richtig genießen. Das ist für uns als Verein etwas ganz Großes“, so der Erfolgscoach.

Personell viel verändern soll sich Stand jetzt nichts mehr. „Erste junge Spieler haben wir diese Saison bereits eingebaut und den Weg wollen wir, im Verbund mit zweiter Mannschaft und auch unserer A-Jugend, weitergehen. Hinzu kommen weitere Optionen. Da denke ich etwa an Philip Zürcher, der verletzungsbedingt rund zwei Jahre nicht mehr regelmäßig gespielt hat“, beschreibt Baumann mit einem ersten Blick voraus.

Spiele gegen Willstätt und Baden-Baden warten

Die Relegationsbegegnungen fassten die intensive Saison nochmals kompakt zusammen. „Im Hinspiel haben wir noch viel verworfen. Es war uns aber bewusst, dass wir es besser können. Im Rückspiel waren wir sofort da und der Kopf stets oben. Wolfschlugen wurde keine einzige Führung gegönnt. Gerade im Angriff herrschte brutale Qualität vor und auch die Abwehr hat es gut gelöst“, so Baumann. Aber auch die emotionale Komponente, die Entschlossenheit und das füreinander Einstehen waren Schlüssel zum Erfolg. „Als Alexander Velz vom Platz flog, kam Max Zürcher sofort zur Bank gelaufen und hat alle motiviert, dass es jetzt erst recht losgehe. Uns war diesmal alles egal. Wir haben auf uns geschaut und das war richtig. Die gut 150 Fans, die mitgereist sind, haben die Leistung der gesamten Saison dann auch noch besonders wertgeschätzt“, hebt der HTV-Coach heraus.

Vor Augen blieb ihm, wie Bader Sekunden vor Schluss einen wichtigen Ball hielt und der Gegner den letzten Wurf daneben setzte. „Es ist krank, dass nach 28 absolvierten Spielen das Wohl und Wehe einer Saison an fünf Sekunden hängt. Umso schöner ist, dass wir es geschafft haben“, so Baumann.

Ab September warten Vergleiche mit neuen Gegnern, darunter Willstätt/Hanauerland, Baden-Baden und Köndringen/Teningen. „Auf diesem hohen Niveau sind das alles Derbys, die es zum Teil vor 50 Jahren das bisher letzte Mal gab. Daher ist die Liga unheimlich reizvoll“, so der Meißenheimer Trainer voller Vorfreude.