Die Rückkehr der Starks und neue Intrigen: Was der Auftakt der zweiten Staffel von „House of the Dragon“ zu bieten hat
Während die Kamera einem Raben folgt, der durch die karge Landschaft fliegt und schließlich an einer riesigen Mauer aus Eis ankommt, erzählt ein Mann mit sonorer Stimme vom Kampf gegen die Kälte und die Dunkelheit, von der ehrenvollen Pflicht, die Welt gegen alles, was da draußen lauert, zu verteidigen. „Der Norden muss bereit sein: Der Winter naht“, sagt Cregan Stark seinem weit aus dem Süden angereisten Besucher, dem Prinzen Jacaerys Velaryon.
Die Herren von Winterfell sind zurück
Hurra, die Starks sind wieder da! In der ersten Staffel des „Game of Thrones“-Ablegers „House of the Dragon“ hatte man Winterfells ruppig-robuste Adelsfamilie aus der unwirtlichsten Ecke Westeros’ fast vergessen. Schließlich befinden wir uns bei dem Prequel, das rund 200 Jahre vor der Originalserie spielt, in einem Zeitalter, in dem sich keiner mit dem Königshaus Targaryen anlegt – vor allem wegen der Drachen, die diese Herrscher unbesiegbar machen. Das Einzige, was dem Haus der Drachen gefährlich werden kann, ist das Haus der Drachen selbst.
In der ersten Staffel ist die Familie entzwei gebrochen: Auf der einen Seite Alicent Hohenturm (Olivia Cooke), deren Sohn Aegon II Targaryen (Tom Glynn-Carney) Anspruch auf den Platz auf dem Eisernen Thron erhoben hat, auf der anderen Seite Rhaenyra Targaryen (Emma D’Arcy), die als ältestes Kind des Königs öffentlich zur legitimen Thronerbin ernannt wurde, und ihr Onkel Daemon Targaryen (Matt Smith), der eigentlich auch vom Thron geträumt hat.
Die Drachen sind die Atomwaffen Westeros’
Vor knapp zwei Jahren endete die erste Staffel damit, dass Alicents Sohn Aemond bei einem Drachenkampf Rhaenyras Sohn Lucerys tötete. Die dunkle Ahnung, dass diese Tat am Anfang einer Gewaltspirale steht, die in einen grausigen Bürgerkrieg führen wird, bestätigt die Auftaktepisode der zweiten Staffel. Natürlich sinnt Rhaenyra auf Rache. Und die Drachen werden zu den Atomwaffen der beiden verfeindeten Seiten, die letzte Eskalationsstufe in diesem Kampf um den Thron. Diese Art von Kriegs- und Strategiespielen sind ganz nach dem Geschmack der Fantasyfans, die erst jede Episode von „Game of Thrones“ und dann jedes neue „House of the Dragon“-Kapitel verschlingen. In Westeros nichts Neues: Weiterhin strebt in dieser düster fantastisch aufgeladenen Mittelalterwelt jeder und jede danach, auf dem Eisernen Thron sitzen zu dürfen, weiterhin geht es darum, Geschichten von Verrat, Gier, vom unerbittlichen Streben nach Macht in möglichst spektakuläre Bilder zu tauchen.
Als Rattenfänger getarnte Meuchelmörder
Bei der Premiere der zweiten Staffel geizt „House of the Dragon“ allerdings noch etwas mit den expliziten Schauwerten, die fast zum Markenzeichen dieses Fantasyepos geworden sind: Diesmal wird bei der ersten Episode sowohl auf die ausführlich in Szene gesetzten Gemetzel als auch auf die üblichen Orgien verzichtet – und selten war eine Sexszene bewusst so unsexy arrangiert, wie die, in der sich Königin Alicent oral befriedigen lässt. Dafür darf man sich nicht nur über die Rückkehr der Starks freuen (die allerdings zunächst nur einen Kurzauftritt haben), sondern auch miterleben, wie König Aegon II mit seinem seltsamen Ehrentitel (der Altruistische) hadert, wie Daemon falsche Entscheidungen trifft, wie Rhaenyra herzzerreißend um ihren toten Sohn trauert und Rache schwört – oder wie die Kamera zwei als Rattenfänger getarnten Meuchelmördern folgt, die durch Königsmund schleichen und sich in den königlichen Gemächern verlaufen.
Eine Oma, die ein Jahr älter ist als ihr Sohn
Und es fällt erneut schwer, bei dem großen Ensemble den Überblick zu behalten, wer mit wem inzestuös, intrigant oder freundschaftlich verbunden ist. Die Verwirrung wird noch dadurch erhöht, dass es die „House of the Dragon“-Macher mit dem Alter ihrer Darstellerinnen und Darsteller nicht so genau nehmen: So soll man der 30-jährigen Olivia Cooke nicht nur glauben, dass sie bereits Großmutter ist, sondern auch die Mutter des Königs, der von Tom Glynn-Carney gespielt wird. Der ist gerade mal ein Jahr jünger als Cooke.
Von „Game of Thrones“ zu „House of the Dragon“
Original
Die Serie Fantasyserie „Game of Thrones“ (2011-2019) beruht auf der Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ des US-Autors George R. R. Martin. Die Serie hat es auf acht Staffeln und insgesamt 73 Episoden gebracht und ist eine der erfolgreichen Produktionen des US-Bezahlsenders HBO und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Prequel
Den „Game of Thrones“-Ableger „House of the Dragon“ hat sich George R. R. Martin, vom dem erneut die Buchvorlage („Feuer und Blut“ stammt , zusammen mit Ryan Condal („Colony“) ausgedacht. Die zweite Staffel ist am 17. Juni gestartet und in Deutschland bei Sky und dem Streamingdienst WOW zu sehen. Die acht Episoden werden wöchentlich veröffentlicht und sind auf Abruf im Original und auf Deutsch verfügbar.