Das traditionsreiche Freudenstädter Hotel wird nach dem Umbau zur Gartenschau unter neuem Namen eröffnet. Orhan Tiryaki, Projektentwickler und Inhaber des Hotels, gibt vorab Einblicke in das Konzept.
Für das geschlossene Hotel Schwanen am Kasernenplatz hinter dem Rathaus gibt es einen neuen Anfang. Seit Monaten wird im und um das Hotel gebaut, gehämmert, gesägt und gemauert. Grund genug für allerhand Rätselraten und Gerüchte in der Stadt.
Jetzt ist es raus: Das traditionsreiche Haus wird mit neuem Besitzer und neuem Namen wieder Gästen eine gastliche Bleibe bieten. Wiedereröffnung soll während der Gartenschau im Frühsommer sein. „Aber noch sind wir in der Rohbauphase“, sagt Orhan Tiryaki (55), Projektentwickler und Inhaber des Hotels.
Nach dem Umbau werden zwei Firmen den „Schwanen“ betreiben. Den Hotelteil mit von 18 auf 21 Appartements erweitertem Zimmerangebot übernimmt die Firma Limehome, die als Vorreiter des digitalen Hotels gilt. Also ein Hotel ohne Rezeption, mit Buchungen und Ein- und Auschecken per Code übers Internet. „Wir wollen mit dem Hotel in gehobener Kategorie vor allem den touristischen Bereich abdecken“, verrät der Projektentwickler seine Strategie.
Ein Ganztageskonzept
Was die Gastronomie betrifft, zeigt sich Tiryaki wesentlich zugeknöpfter. Der Vertrag mit der künftigen Betreibergesellschaft sei unterschriftsreif – aber eben noch nicht unterschrieben. Es werde ein „gut bürgerliches überregionales Ganztageskonzept“ umgesetzt, sagt der Projektentwickler vieldeutig und setzt lächelnd hinzu: „Da steht ein großer Name dahinter.“
Die Gastronomie mit etwa 100 Plätzen wird sich über das gesamte generalsanierte Erdgeschoss ausdehnen. Hinzu kommen etwa weitere 80 bis 100 Sitzplätze in der wiederbelebten Außengastronomie auf dem Kasernenplatz. Der „Schwanen“ wird seinen Namen verlieren. Der neue Name wird bekanntgegeben, wenn der Vertrag mit dem Gastronomen unter Dach und Fach ist. Orhan Tiryaki ist mit seiner Frau Geschäftsführer der Real Estate Developer in Freudenstadt. Er hatte den wohlbekannten aber in die Jahre gekommenen Gasthof 2022 erworben, um ihn neu auf den Markt zu bringen.
Die Monate der Pandemie, der Finanzkrise und der damit einhergehenden Unsicherheiten in Gastronomie und Hotellerie wurden genutzt, um für den Schwanen neue Konzepte zu entwickeln, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Unter Denkmalschutz
Am 24. September vergangenen Jahres wurde mit der Generalsanierung begonnen. Inzwischen ragen zwei Kräne hoch über den „Schwanen“ hinaus. Die Absicherungen der Baustelle reichen bis in die benachbarten Straßen hinein und bescheren vorübergehend einige Engpässe.
Da der „Schwanen“ unter Denkmalschutz steht, stimme man sich mit Stadtverwaltung und Denkmalbehörde ab. Die Zusammenarbeit sei gut, lobt Tiryaki. Die Sanierung reicht vom Gewölbekeller (Tiryaki: „Da haben wir ein paar Durchbrüche gemacht“) bis unters Dach. Das Dachgeschoss werde komplett ausgebaut. Ein neuer Fahrstuhl mit fünf Stationen wird die Geschosse verbinden. An die Rückseite des Gebäudes wird ein kleiner Anbau angepasst, der die künftige Lobby und darüberliegend weitere Appartements aufnehmen soll. Dazu sind die Arbeiten derzeit im Gang.
Planung und Bauleitung haben das Architekturbüro Blocher Partners aus Stuttgart sowie Diplomingenieur Öner Tiryaki übernommen. Sein Bruder Orhan hofft, mit dem Projekt „Schwanen“, dessen Kosten er auf „mehrere Millionen Euro“ beziffert, zur Belebung des Kasernenplatzes und der Innenstadt in Freudenstadt beizutragen.
Die Geschichte
Zur Historie
Der „Schwanen“ war eines der traditionsreichsten Hotels in Freudenstadt. Er war gut eingeführt, beliebt bei Vereinen und Familienfeiern. Das dominierende Haus hinter dem Rathaus war als solides Stadthotel geschätzt, das an Wochenenden gern auch touristisch genutzt wurde. Das Hotel war seit 1900 über vier Generationen im Familienbesitz. Edgar Bukenberger hatte den „Schwanen“ mit seiner Frau Michaela von seinen Eltern Heinz und Susanne Bukenberger übernommen, das Hotel über 25 Jahre gemeinsam betrieben und es dann an die Familie Tiryaki verkauft.