Die Polizei sucht einen jungen Mann, der in fünf Fällen – mindestens vier davon in Albstadt – im Hotel logiert hat, ohne danach die Rechnung zu bezahlen. Seinen Gastgebern tischte er ein Lügenmärchen auf.
Die Hoteliers im Zollernalbkreis sollten auf der Hut sein: Wenn ein junger Mann, seriös wirkend, gut angezogen, freundlich, mit Umgangsformen, bei ihnen logieren möchte, weil seine Meßstetter Mietwohnung angeblich schimmelverseucht, ein Sanierungsfall und momentan unbewohnbar ist, dann sollten alle Alarmglocken läuten. Der Gast in spe hat diese traurige Geschichte bereits fünf ihrer Kolleginnen und Kollegen aufgetischt, das jeweilige Hotel mehrere Tage und sogar Wochen beehrt und dann plötzlich das Weite gesucht. Seine Identität ist der Polizei, die nach ihm fahndet, bekannt, sein derzeitiger Aufenthaltsort dagegen nicht.
Eine der Geschädigten ist Josefa Knupe, Inhaberin von „Josis Klause“, im Ebinger Kirchengraben 2. Der junge Mann aus Meßstetten war Anfang September an ihrer Rezeption erschienen, hatte ihr von Feuchtigkeit und Schimmel erzählt und anschließend ein Zimmer bezogen. Elf Tage blieb er, verbrachte den größten Teil seiner Zeit auf dem Zimmer und hängte dann stets das einschlägige Schildchen „Bitte nicht stören!“ außen an den Türknauf. Am Morgen des zwölften Tages erkundigte sich Josefa Knupe, der mittlerweile empfohlen worden war, doch vorsichtshalber eine Zwischenrechnung zu stellen, ob sich denn an der Meßstetter Sanierungsfront etwas tue. Worauf ihr Gast die Achseln zuckte und bedauernd mitteilte, er müsse noch zwei weitere Nächte in der „Klause“ verweilen.
Der Vermieter sollte doch zahlen
Als auch die vergangen waren, wiederholte Josefa Knupe ihre Frage – und der junge Mann seine Antwort: Leider, leider würden noch zwei weitere Nächte fällig. Schön, antwortete Knupe, aber zuvor möge er doch bitte die verstrichenen 13 bezahlen. Darauf blickte ihr Gast nervös drein und bekannte, er habe mit seinem Vermieter vereinbart, dass der für den Hotelaufenthalt aufzukommen habe – sie möge sich doch bitte mit ihm in Verbindung setzen.
Er zog sich zurück – und ward nicht mehr gesehen
Knupe erwiderte darauf, dass das kaum möglich sein werde, denn mit dem Vermieter stehe sie in keinem Vertragsverhältnis, wohl aber mit ihrem Kunden. Er und nicht der Vermieter habe bei seiner Ankunft unterschrieben, er habe die Leistung – 13mal Übernachtung und 13mal Frühstück – in Anspruch genommen, er habe also auch zu zahlen. Wird geregelt, versprach der Kunde, gleich nach dem Frühstück. Er speiste in aller Ruhe, zog sich dann zurück – und ward nicht mehr gesehen.
Den Schaden – 1680 Euro – hat die Wirtin. Josefa Knupes Recherchen haben ergeben, dass die Meßstetter Adresse zwar existiert, dass es sich aber bei dem Haus weder um ein Mehrfamilienhaus noch um eine pilzverseuchte Bruchbude handelt. Knupes Gast war dort freilich ein Begriff; man hatte ihm vor einiger Zeit nahegelegt, sich eine andere Bleibe zu suchen und ihn seither nicht mehr gesehen.
Im Verdachtsfall sofort die Polizei verständigen!
Die Polizei in Reutlingen weiß von mindestens vier weiteren Fällen und einem Gesamtschaden, der sich inzwischen auf mehrere tausend Euro beläuft. Potenziellen Opfern der Betrugsmasche empfiehlt sie: erstens die Angaben des Gastes mit dem Meldeschein abgleichen, zweitens den Ausweis kopieren, drittens Voraus- oder Teilzahlung vereinbaren und viertens nicht zögern, im Verdachtsfall die Polizei zu benachrichtigen und Betrugsanzeige zu erstatten. Das hat Josefa Knupe getan – aber ob sie doch noch ihr Geld bekommt, steht in den Sternen.