Dauerbaustelle: Auf dem ehemaligen Gelände in der Heiligenstraße geht seit Monaten nichts voran. Foto: Merz

Die Firma Emely, die am Alten Stadtbahnhof ein 130-Zimmer-Hotel bauen will, hat Klage gegen die Stadt Lahr eingereicht. Grund ist ein Streit um  die Freigabe eines Wohnungsprojekts. Das Rathaus verweist auf "fehlende Verfahrensschritte".

Lahr - Nach der Pleite der Johannis-Druckerei 2011 hat das Immobilienunternehmen »Emely« deren Gelände in der Lahrer Weststadt gekauft. Der Plan für die Heiligenstraße: der Bau von 80 Wohnungen – 38 im denkmalgeschützten Bestand, 42 in vier neuen Gebäuden. Passiert ist in den vergangenen elf Jahren wenig bis nichts, von einer Fertigstellung oder gar einem Bezug der Wohnungen ist man weit entfernt.

Wer die Schuld daran trägt, steht für "Emely"-Geschäftsführer Emin Jafarov außer Frage. "Das Lahrer Bauamt verlangt von uns gefühlt jede Woche neue Unterlagen, ich habe mittlerweile das Gefühl, dass man ein persönliches Problem mit uns hat", sagt er im Gespräch mit der LZ. 

Bekannt ist, dass die Stadtverwaltung im Frühjahr 2021 "Emely" den Weiterbau in Dinglingen untersagte, weil die Bauleitung auf dem ehemaligen Druckerei-Gelände ihr Amt niedergelegt hatte. Was zunächst nach einer  vorübergehenden Zwangspause aussah, hat sich nun zu einem Rechtsstreit ausgewachsen. "Wir haben vor zwei Wochen Klage beim Verwaltungsgericht Freiburg eingereicht", sagt Jafarov. "Wir waren lange geduldig, jetzt werden wir die Baufreigabe richterlich erzwingen."

Bürgermeister Guido Schöneboom bestätigt auf LZ-Nachfrage den juristischen Vorgang, will mit Verweis auf das laufende Verfahren aber nicht näher darauf eingehen. Die Kritik, die Stadt stelle immer neue Forderungen an den Bauherrn, weist er indes entschieden zurück: "Zuletzt wurde von unserer Seite am 16. November vergangenen Jahres mitgeteilt, welche Verfahrensschritte für eine Baufreigabe noch fehlen. Da müsste also Klarheit herrschen." Auch die Vorwürfe bezüglich persönlicher Animositäten kann Schöneboom nicht nachvollziehen: "Ich weiß nicht, wo dieses Gefühl herkommt, aber es entbehrt jeglicher Grundlage." 

Von statischen Berechnungen bis zur Garantie der Sozialwohnungsquote hat seine Firma aus Sicht Jafarovs "alles Nötige getan" – und vor allem lange genug gewartet: "Gerüst und Kran kosten Unsummen, Material geht uns kaputt. So was habe ich noch nie erlebt, wir müssen jetzt loslegen." Jeder Tag Stillstand in der Heiligenstraße bedeute einen Verlust von 6000 Euro. 

Eng verknüpft mit dem Wohnbau-Projekt in der Weststadt ist das immer wieder heißdiskutierte Hotel-Vorhaben  am Alten Stadtbahnhof. Auf dem Grundstück zwischen Friedrich-Ebert-Platz und  dem Einkaufszentrum Arena will "Emely" ein 25 und ein 16 Meter hohes Gebäude errichten, in denen neben 130 Zimmern unter anderem Restaurants, ein Konferenz- sowie ein Wellnessbereich Platz finden sollen. 

Die Pläne sind laut dem Unternehmen längst fertig. "Wir brauchen aber die Liquidität aus dem Wohnungsverkauf, um das Hotel zu finanzieren", erklärt Jafarov. Nach den ursprünglichen Plänen von »Emely« sollte die Vier-Sterne-Herberge an der B 415 30 Millionen Euro kosten – etwa die Summe, die das Projekt in der alten Druckerei bringen soll.

Info - Andere Projekte

Die Firma Emely hat in der Vergangenheit in Lahr einige Bauprojekte umgesetzt. Etwa die 31 Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Möbelhauses Koch in der Innenstadt, die Sanierung des "Adler"-Gebäudes am Hirschplatz mit Wohnraum und Gewerbeflächen oder den Bau von zwei Mehrfamilienhäusern direkt neben dem alten Druckerei-Gelände. Zuletzt wurden 23 Wohnungen im Industriehof geschaffen.