Das seit Jahren leerstehende Hotel Sonne in Freudenstadt wird derzeit abgerissen. Doch wie geht es mit dem Gelände weiter?
Neben dem Kurhaus in Freudenstadt geht die Sonne unter. Das ist bildlich gemeint, tatsächlich wird das seit über zehn Jahren leerstehende Hotel Sonne abgerissen.
Was nach dem Hotel auf dem städtischen Gelände folgt, ist ungewiss. Dazu Pressesprecher Volker Rath von der Stadtverwaltung: „Im Augenblick gibt es keine konkreten Pläne eines Investors zur Nachnutzung des Geländes.“
Für ältere Freudenstädter muss das zum Teil bereits abgetragene Hotel ein schmerzlicher Anblick sein. Eine aufgerissene Ruine, aus der ein gewaltiger Bagger ganze Wandpartien brutal ausbricht, um dann Einzelteile und Wertstoffe vorsichtig aus dem Bauschutt heraus zu pflücken.
Wildnis in der Innenstadt
Mit dem früheren „Hotel Sonne am Kurpark“ verbinden sich viele Erinnerungen an eines der führenden Freudenstädter Häuser in zentraler Lage der Stadt. Andererseits hatte man sich inzwischen auch an die Wildnis aus übermannshohen Bäumen und Büschen gewöhnt, an verrostete Garagentore, löchrige Zäune, die verrottete Pergola oder den maroden Gebäudekomplex in unmittelbarer Nachbarschaft des stolzen Kurhauses aus den 50er Jahren.
Die traurigen Reste des einstigen Hotels waren gewiss kein Postkartenmotiv der Stadt. Vor gut zehn Jahren sah es noch sehr viel besser aus für das Hotel. Im November 2014 beschäftigte sich der Gemeinderat mit dem Ansinnen einer internationalen Hotelkette, anstellte der „Sonne“ in einem mehrgeschossigen Neubau ein neues Stadthotel mit 130 Betten zu errichten.
Doch das Projekt verzögerte sich immer wieder, dann kam Covid und mit der Pandemie zerstoben auch in Freudenstadt hochfliegende gastronomische Baupläne. Das gilt offensichtlich auch heute noch.
Und warum wird die Immobilie jetzt abgerissen? „Der Abbruch muss bis Frühjahr 2026 erfolgt und abgerechnet sein“, sagt der Pressesprecher. Dabei geht es um Landeszuschüsse für ein zeitlich begrenztes innerstädtisches Sanierungsgebiet. Als ein solches ist das Areal „Promenadenplatz“ seit August 2016 festgesetzt.
Dort ist zwei Jahre später ein Bebauungsplan in Kraft getreten, in dem das Hotelgrundstück als Sondergebiet mit möglichen neuen Grenzen berücksichtigt ist. Diesen Status möchte die Stadt wohl erhalten wissen.
Hoffnung auf Kongresse
So werden wohl bald nur noch die Erinnerungen an eine „Sonne am Kurpark“ übrig bleiben, die einst im Besitz der Familie Espenlaub Geschichte geschrieben hat. Espenlaub (gestorben 2009) war stark engagiert im Landesvorstand des Dehoga, die „Sonne“ war fester Bestandteil im städtischen Tourismus. Als in den 80er Jahren an das Kurhaus das Kongresszentrum angebaut wurde, erhielt das Hotel sogar einen direkten Zugang zur Kurhausgarage.
Man erhoffte sich aus Tagungen und Kongressen viele neue Gäste. Doch das Kongresswesen kam nie recht in Schwung. Der Hotelbetrieb wurde aufgegeben, das Haus diente über viele Jahre der Arbeiterwohlfahrt als Mutter-und-Kind-Kurklinik und stand, als auch dieser Boom verklungen war, mehr als ein Jahrzehnt leer.