Hans-Georg Braun, Facharzt für Anästhesie im Ruhestand (links), berät ab Oktober ehrenamtlich bei medizinischen Fragen und "übersetzt" dabei auch Arztbriefe und Diagnosen, damit diese für den Laien verständlich sind. Hilfe gibt es auch bei Patientenverfügungen und Vorsorgemaßnahmen. Claudia Hillig, die schon längere Zeit Sozialarbeiterin und hauptamtliche Mitarbeiterin des Hospizvereins ist, hilft ebenfalls bei Beratungen. Quelle: Unbekannt

Als Laie tut man es sich oft schwer, zu verstehen, was in medizinischen Diagnosen und Arztbriefen steht. Ab Oktober hilft nun ein erfahrener Facharzt ehrenamtlich beim Lahrer Hospizverein und berät bei diesem und weiteren Themen.

Lahr. Die Sonne strahlt warm in das geräumige und gemütliche Beratungszimmer des Hospizvereins in der Lahrer Liebensteinstraße. Hier wird schon seit vielen Jahren Beratung für Menschen angeboten, die Hilfe insbesondere bei schweren, lebensgefährdenden Krankheiten suchen, oder sich – gerade im höheren Alter – über die Vorsorge für den Ernstfall oder das mögliche Lebensende beraten lassen möchten. Bisher konnten diese Vorsorgeberatungen nur in Einzelfällen durch hauptamtliche Mitarbeiter erfolgen. Das ändert sich jetzt, denn auf die Ausschreibung des Vereins für ehrenamtliche Mitarbeiter hat jemand geantwortet, der vom medizinischen Fach kommt.

Hospizverein kann sein Beratungsangebot ausweiten

Am großen, runden Holztisch im Beratungszimmer sitzt Hans-Georg Braun und stellt sich beim Pressegespräch vor. Er kommt gebürtig aus Mainz, hat dort Medizin studiert und ist 1979 approbiert worden. Bis vor anderthalb Jahren war er Facharzt für Anästhesie, jetzt wohnt er in Wolfach und ist, wie er schmunzelnd sagt, ein "glücklicher Rentner". Ab dem elften Oktober kommt er nun an jedem zweiten und vierten Dienstag im Monat nach Lahr und hilft dort mit seiner langen Berufserfahrung und seinem Fachwissen bei Beratungen. "Ich habe mit Freude feststellen können, dass Fragen, die mich schon ein Leben lang begleiten, auch hier bestehen", sagt er lächelnd über seine neue Funktion beim Verein und die Möglichkeit, dadurch Menschen zu helfen.

Ebenfalls am Tisch sitzen Annedore Braun, die Vorsitzende des Vereins, und Claudia Hillig, Sozialarbeiterin und hauptamtliche Mitarbeiterin. Man sieht ihnen die Freude darüber an, dass Herr Braun das Team verstärkt.

Denn dadurch können sie nun, statt Beratungen in Einzelfällen, regelmäßige Sprechzeiten anbieten und dadurch deutlich mehr Menschen helfen. Insbesondere, weil sie auch ihre Beratungskompetenz ausweiten können: "Erfahrung zeigt, dass man sich als Laie mit medizinischen Fragen konfrontiert sieht, die oft verwirrend sind", erklärt Frau Braun. Beispielsweise Arztbriefe und Diagnosen, die, wenn nicht von jemanden mit Fachkenntnis erklärt, oft schwer zu verstehen sind. Und korrekte Auskünfte sind oft nicht leicht zu finden: "Doktor Google hat eben nicht immer recht", kommentiert der Arzt im Ruhestand mit einem Lächeln das Dilemma.

Deswegen sind Teil des neuen Beratungsangebotes mit dem erfahrenen Herr Braun beispielsweise "die Übersetzung: Leute können mit Diagnoseberichten kommen und der Arzt übersetzt das", erklärt Frau Braun.Ein weiterer wichtiges Kernthema bei den Beratungen sind Hilfe beim Thema Patientenverfügung und Vorsorgemaßnahmen. Eine Patientenverfügung dient dazu, seinen eigenen Willen für den Fall festzulegen, dass man irgendwann nicht mehr in der Lage sein könnte, diesen Ärzten oder Pflegekräften direkt zu sagen. Bepielsweise falls man in ein Koma fällt.

Beratung auch bei Patientenerklärungen und zur Lebenserhaltung

Herr Braun erklärt, dass er im Laufe seiner langen Berufslaufbahn einen Wandel im Patient-Arzt-Verhältnis festgestellt habe: "Früher war es eher patriarchalisch: Es wurde das gemacht, was der Arzt bestimmt. Aber der Patient ist immer mehr Herr des Verfahrens geworden". Entsprechend wichtig, fügt der Arzt hinzu, sei das Verständnis der Materie geworden.

Denn wenn es eine Patientenverfügung gibt, dann greife sie, aber eben nur falls es sie auch gebe, so der Arzt.

Doch das Aufsetzen einer solchen Verfügung ist nicht einfach, wie Hillig erklärt: "Patientenverfügungen sind sehr anspruchsvoll beim Juristendeutsch". Ganz zu schweigen von den medizinischen Details: So gebe es zum Beispiel auch die Frage, welche Schläuche an den Geräten wichtig seien und welche einen am Leben erhalten, erklärt Frau Braun. Auch hier können Herr Braun und der Hospizverein gezielt beraten.

Beratung gibt es nicht nur für diejenigen, welche sich mit einem möglichen Lebensende konfrontiert sehen. Denn, wie eine Mitteilung des Hospizvereins erklärt, verursacht eine schwere, möglicherweise lebensgefährliche Erkrankung "bei allen Betroffenen, Patienten wie Angehörigen, zunächst auch eine große Ratlosigkeit. Dabei spielt es keine Rolle, wie diese Bedrohung eintritt, und ob sich ein schneller oder eher zögerlicher Verlauf ankündigt".

Eine weitere Neuerung: Die Beratung gibt es jetzt nicht nur in Deutsch, sondern auch in Fremdsprachen: so helfen beispielsweise ehrenamtliche Mitglieder des Vereins beim Übersetzen. Allerdings gilt, wie Hillig betont: "Wir machen keine Rechtsberatung", da das gesetzlich auch nicht möglich sei.

Das erweiterte Beratungsangebot des Hospizvereins umfasst Hilfe bei medizinischen Fragen, wie die Erklärung von Arztbriefen und Diagnosen. Zudem gibt es Beratung zu Patientenverfügungen und Vorsorgemaßnahmen. Die Sprechzeiten finden ab dem 11. Oktober jeweils an jedem zweiten und vierten Dienstag im Monat in der Geschäftsstelle des Hospizvereins in der Liebensteinstraße 10 statt. Die Beratungen sind kostenlos. Der Verein bittet um vorherige Terminvereinbarung unter Telefon 07821/98 22 860. Anmeldungen von Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr möglich.