Das Hospiz bietet Raum für Geborgenheit und einen würdevollen Abschied. Die drei Landräte der Kreise Calw, Freudenstadt und Böblingen sowie Nagolds OB Jürgen Großmann unterschrieben nun einen Kooperationsvertrag, der die finanzielle Unterstützung sichert. Foto: Menzler

Im Nagolder Hospiz treffen Menschen aus gleich drei Landkreisen aufeinander. Dort erfahren sie und ihre Angehörigen einen würdevollen Abschied, der von den Mitarbeitern bestmöglich gestaltet wird. Dafür setzen sich auch die Landkreise Calw, Freudenstadt und Böblingen ein und sichern das Hospiz finanziell ab.

Der Tod gehört zum Leben dazu – eine Tatsache, die jedem Menschen bewusst ist. Wenn es dann aber soweit ist, ist es eine der schwierigsten Situationen, der man gegenüber stehen kann – als Sterbender oder als Angehöriger. Besonders schwer ist diese Tatsache, wenn es sich um unheilbare Krankheiten handelt – und man selbst handlungsunfähig wird.

 

Um mit diesem Thema besser umgehen zu können, die Angst vor dem Tod zu nehmen und auch Sterbenden einen würdevollen und bestmöglichen Abschied zu bereiten, gibt es die Hospizarbeit. Eine Arbeit, die dazugehört – wie der Tod zum Leben.

Hospiz St. Michael Dass diese Arbeit nicht immer die leichteste ist, kann sich wohl jeder denken. Doch auch, wie wichtig sie ist. Deswegen wurde vor fünf Jahren das stationäre Hospiz St. Michael in Nagold eröffnet – mitten in der Gesellschaft, mitten im Nordschwarzwald – um Kreisgrenzen zu sprengen und Menschen zusammenkommen zu lassen.

Hospiz auf Unterstützung angewiesen

Insgesamt 362 Gäste und deren Angehörige wurden in diesen Jahren in Nagold begleitet. Zu gleichen Teilen aus den Landkreisen Calw, Freudenstadt und Böblingen. Für diese muss allerdings auch gesorgt werden. Und auch Geld spielt eine wichtige Rolle.

Finanzierung Da gesetzlich festgelegt jedoch nur 95 Prozent der Kosten von Hospizen von den Krankenkassen getragen werden, müssen Hospize die restlichen fünf Prozent der Kosten selbst finanzieren. Meist über Spenden oder Gelder von Kommunen oder dem Landkreis, indem das Hospiz steht. So auch in Nagold.

Roland Bernhard ( Landrat Böblingen), Jürgen Großmann (OB Nagold), Andrea Thiele (Vorstandssprecherin St-Elisabeth- Stiftung), Helmut Riegger (Landrat Calw) und Klaus Michael Rückert (Landrat Freudenstadt) bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags. Foto: Menzler

Bereits in den vergangenen fünf Jahren unterstützten die drei Landkreise sowie die Stadt Nagold den Bau und die Arbeit des Hospizes. Nun haben die drei Landräte Helmut Riegger (Calw), Klaus Michael Rückert (Freudenstadt) und Roland Bernhard (Böblingen) sowie Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann einen Kooperationsvertrag mit der St.-Elisabeth-Stiftung unterschrieben, der diese Finanzierung – und damit das Hospiz selbst – für weitere fünf Jahre wirtschaftlich sichert.

Mit dem Kooperationsvertrag wird nun ein „Rettungsschirm für den Notfall“ aufgespannt. Und zwar kein kleiner. Denn hinter den fünf Prozent stecken rund 100 000 Euro. Die Kooperationspartner haben sich dazu verpflichtet, einen jährlichen Abmangel von bis zu 65 000 Euro zu tragen (LK Calw: 20 000 Euro, Stadt Nagold: 20 000 Euro, LK Freudenstadt: 15 000 Euro, LK Böblingen: 10 000 Euro).

Guten Ruf aufgebaut

St.-Elisabeth-Stiftung Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der St.-Elisabeth-Stiftung, dankte ihnen für die Unterstützung und Sicherung der Hospizarbeit. Die Stiftung ist Träger des Hospizes, aber nicht nur für Hospize zuständig. Sie hat mittlerweile 80 Standorte mit mehr als 2750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 29 davon arbeiten im Nagolder Hospiz und seien der Grund dafür, dass dieses einen so guten Ruf hat.

Ihre Aufgabe ist es Menschen zur Seite zu stehen, egal welche Hintergründe diese haben. Und so sei es immer wieder schön, die verschiedenen Geschichten mitzubekommen. Jüngst sei eine Christin im Hospiz verstorben, die lange mit einem Muslim verheiratet war. Der Umgang der beiden sei ein „wahres Modell für Weltfrieden“, erzählte Jutta Benz, Leiterin des Nagolder Hospizes. Der Grundsatz gilt: Allen Menschen einen Abschied in Würde und Geborgenheit zu bieten.

So sieht eines der Zimmer im Nagolder Hospiz aus. Es soll sich nicht wie ein Krankenhaus, sondern wie eine Art Zuhause anfühlen. Foto: Menzler

OB Jürgen Großmann betonte: „Es ist nicht selbstverständlich, dass drei Landkreise Verantwortung für ein Hospiz übernehmen.“ Da zeige sich wieder, was für ein „tolles Gemeinschaftsprojekt“ das Hospiz auch ist. Von Anfang an sei das Hospiz in Nagold gut angenommen worden. Nicht zuletzt liege das auch an der guten Arbeit des Fördervereins, der katholischen Seelsorge, die einen Standort aufgegeben hat und der St.-Elisabeth-Stiftung, die mit ins Boot geholt wurde.

Investitionen haben sich bereits gelohnt

Landrat Helmut Riegger konnte nur zustimmen. 2016 habe der Landkreis bereits mit Planungen angefangen und eine Finanzierung des Hauses besprochen. „Wenn man hier hereinkommt, sieht man direkt: Jeder Cent ist richtig investiert.“ Das stationäre Hospiz sei – neben den mobilen Hospizvereinen – ein Segen für den Kreis.

Hospiz verbindet Kreise

Landrat Klaus Michael Rückert konnte sich nur anschließen. Für Freudenstadt sei die Entscheidung für ein gemeinsames Hospiz in Nagold zwar nicht so leicht gewesen, da der dortige Verein auch eines bauen wollte. „Im Nachhinein hat sich aber gezeigt, dass es eine sehr kluge Entscheidung gewesen ist“, betont er. Er habe nur positive Rückmeldungen aus seinem Kreis und das zeige, dass auch über Kreisgrenzen hinweg eine Zusammenarbeit oft sinnvoll ist.

Landrat Roland Bernhard meinte, dass die Entscheidung für Böblingen hingegen etwas leichter gewesen sei. Denn durch den Klinikverbund Südwest sind die beiden Kreise bereits eng verbunden – auch durch die Palliativstation. Er schloss sich den lobenden Worten seiner Kollegen an: Durch das Team in Nagold sei in schnellster Zeit eine sehr gute Einrichtung entstanden. „Und es ist wichtig, über die Kreisgrenzen hinweg zu denken“, betont Bernhard.