Der Förderverein Stationäres Hospiz Region Nagold hatte bei seinem zehnten Vernetzungstreffen und im Rahmen der Gesundheitswoche eine Kapazität in der Demenzforschung zu Gast.
Die erste Nagolder Gesundheitswoche rief auch den Förderverein Stationäres Hospiz Region Nagold auf den Plan. Mit einem Beitrag zum Thema Demenz schloss sich der Verein dem Premiere-Projekt des Arbeitskreises der Urschelstiftung „Leben – bis zuletzt“ an und lud zu seinem bereits zehnten Vernetzungstreffen Dr. Sarah Straub, eine Kapazität auf dem Gebiet der Demenzforschung ein.
Nachdem die erste Vorsitzende des Fördervereins Barbara Fischer den Gast begrüßt hatte, knüpfte die junge Forscherin, Buchautorin und Liedermacherin direkten Kontakt zum Publikum im voll besetzten Kubus-Saal, indem sie auf ihre persönlichen, in dem Buch „Wie meine Großmutter ihr Ich verlor“ beschriebenen, Erlebnisse einging.
Beruf mit ihrer Liebe zur Musik verbunden
Ursprünglich wollte Straub Musik studieren, doch die Umstände – vor allem die tiefgreifende Liebe und Empathie ihrer an Demenz erkrankten Ersatzmutter gegenüber – prägten sie stark und entschieden über ihren weiteren Lebensweg. Der heute hoch geschätzten Psychologin ist es gelungen, den Beruf mit ihrer Liebe zur Musik zu verbinden. und sie nahm bereits drei Alben auf, darunter eins zusammen mit Konstantin Wecker.
Bei dem Nagolder Vernetzungstreffen trug die singende Psychologin einige Songs zu eigener Klavierbegleitung vor. Sie wirkten wie ein Spiegel, der ihre Emotionen, Erlebnisse und Erinnerungen reflektierte.
Unterschied zwischen der Alzheimer-Krankheit und Demenz
Auch als Rednerin und Unterhalterin machte Straub eine exzellente Figur. Mit Bescheidenheit, grenzenloser Empathie, dezentem Humor, geistreich und fesselnd interessant erzählte sie über ihre Arbeit mit Patienten, klärte über Komplexität der etwa 50 Demenz-Formen auf, ging auf den Unterschied zwischen der Alzheimer-Krankheit und Demenz ein und las einige aussagekräftige Fragmente aus ihrem Buch vor.
Den Aussagen von Straub konnte man entnehmen, dass sich diese Frau mit Leib und Seele ihrer Berufung verschrieben hat und dass sie ein Segen darstellt für alle, die von der (noch unheilbaren) Volkskrankheit Demenz betroffen sind. Sie engagiert sich stark für Angelegenheiten der Demenzkranken und ihren Angehörigen, hält Sprechstunden an der Ulmer Universität, berät online, reist mit Vorträgen, ermuntert zur Vorsorge und versucht, das negative Bild von Demenz zu verändern und die Schranken der zu unrecht verbreiteten Scham abzubauen.
Nur rechtzeitige Diagnose kann Verlauf verlangsamen
Denn auch immer mehr junge Menschen leiden an Gedächtnisstörungen und nur eine rechtzeitige Diagnose, die den Lebensstil des Patienten und die potenziellen Risikofaktoren wie genetische Veranlagungen berücksichtigt, kann den tückischen Krankheitsverlauf verlangsamen.
Im Fokus ihren Aussagen stand das Wohlergehen der Betroffenen und die Erhaltung ihrer menschlichen Würde. Durch liebevolle Fürsorge kann man den Kranken kleine Glücksmomente bescheren und falls die Geduld der Pflegenden nachlässt, sollte man im eigenen Interesse fachliche Hilfe für sich selbst holen, um einer potenziellen Depression entgegenzuwirken. Eineinhalb Stunden lang hing die Zuhörerschaft an den Lippen der Psychologin und würdigte dann ihren Vortrag mit ehrlichem Beifall.