Offizielle Spendenübergabe im Übergangsquartier des Hospiz‘ am Buck: (von links) Dominik und Ingrid Philipp, Susanne und Thomas Vetterlein, Klauspeter Huck, Sibylle Heinz, Sigrun Lacher und Susanne Wetzel. Foto: Alexandra Günzschel

Durch die deutschlandweite BVZ-Spendenaktion „Rapunzel“ sind 18 000 Euro für den Förderkreis des Lörracher Hospizes am Buck zusammengekommen.

Der Bundesverband der Zweithaarspezialisten (BVZ) hat 18 000 Euro an den Förderkreis Hospiz am Buck gespendet. Die symbolische Scheckübergabe fand am Montag im Ausweichquartier der Einrichtung an der Bergstraße statt. Möglich wurde die beachtliche Spende durch die Aktion „Rapunzel“, die alljährlich vom BVZ veranstaltet wird. Ein Jahr lang sammelt der Verband menschliches Echthaar, das dann im Rahmen einer Auktion veräußert wird.

 

Mitmachen kann eigentlich jeder, der mindestens 20 Zentimeter langes Haar loswerden will. Auch graue Haare werden gern genommen. Sie seien sehr selten, berichtet Thomas Vetterlein aus Rheinfelden, Mitglied im BVZ-Vorstand und Initiator der nun erfolgten Spende. Auch könne es sich lohnen, einmal im Keller nach alten Zöpfen der Großmutter zu schauen. Oft seien die älteren Haare noch gut zu gebrauchen.

560 Kilogramm an Haarspenden sind auf diese Weise in diesem Jahr zusammengekommen. Insgesamt 492 000 Euro brutto konnte der BVZ bei seiner Versteigerung in Frankfurt erzielen. Dort schalten sich auch Interessenten online zu. Einer der Stammkunden sitzt in Neuseeland.

60 Prozent für die Kinderkrebshilfe

Da das Finanzamt die Aktion als Geschäftsmodell eingeordnet hat, musste der BVZ erstmals Steuern entrichten. Von der übrig gebliebenen Summe gingen 60 Prozent an die Kinderkrebshilfe. Für die Verteilung der anderen 40 Prozent waren die sieben über Deutschland verteilten Vorstandsmitglieder verantwortlich, von denen Vetterlein einer ist. Tatsächlich gebe es viele Nachahmer der Aktion Rapunzel, erklären die anwesenden Verbandsmitglieder bei der Spendenübergabe. Diese wollten dann häufig Geld mit dem Haar machen, warnen sie und betonen: „Wir sind das Original.“

Filigrane Handarbeit

Im Landkreis Lörrach gibt es zwei Zweithaarspezialisten, die sich dem Verband angeschlossen haben. Das sind Dominik und Ingrid Philipp vom Salon Andreas in Tumringen und das Zweithaarstudio Sibylle von Sibylle Heinz in Rheinfelden. Auch sie sind zur Spendenübergabe gekommen. Drei bis vier Zöpfe würden für eine Echthaarperücke benötigt, erklären sie. Die Herstellung erfordere viel filigrane Handarbeit. Von 200 Arbeitsstunden vom ersten Bespannen des Arbeitskopfes bis zum fertigen Produkt ist die Rede. Die Echthaarperücken werden zumeist in Asien hergestellt. Oft übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten. Für Haarausfall, der durch Chemotherapien verursacht wird, gilt dies allerdings nicht. Weil es sich dabei nur um eine temporäre Situation handelt, werden in solchen Fällen nur Kunsthaarperücken bewilligt.

Förderkreis ist begeistert

Der Vorstand des Förderkreises Hospiz am Buck zeigte sich sehr begeistert und gerührt von der hohen Spendensumme. Die Spendenbereitschaft lasse nach und jemand, der mitten im Leben stehe, denke nicht ans Hospiz, hat Kassenführerin Sigrun Lachner festgestellt. Eine so hohe Spende hat sie in den fünf Jahren, in denen sie nun dabei ist, jedenfalls noch nicht gesehen.

Ein Großteil dieses Geldsegens soll nun in den Umbau und die Erweiterung des Hospiz‘ am Buck fließen, erklärt Vorsitzender Klauspeter Huck. Denn für fünf Prozent der Kosten müssen die Hospiz-Betreiber selbst aufkommen.

Therapien ermöglichen

Es gebe immer eine Standardausstattung, aber auch Optionen mit mehr Komfort, beispielsweise bei den Betten, deutet Huck mögliche Verwendungszwecke an. „Das neue Hospiz soll nicht 08/15 werden.“ So soll beispielsweise der Garten mit Betten zugänglich sein. Im Wesentlichen würden die Spendengelder aber in den großen Topf fließen, sagen er und seine Stellvertreterin Susanne Wetzel. Ermöglicht werden davon beispielsweise Atem- oder Musiktherapien, Fußpflege oder Maniküre, neue Einrichtungsgegenstände oder Sonderausstattungen wie Hebehilfen. „Manchmal können wir den Bewohnern auch Sonderwünsche erfüllen“, sagt Huck und nennt als Beispiel einen Mann, der gerne noch einmal eine halbe Stunde in der Stadt verbringen wollte. Mit dem Rollstuhltaxi wurde ihm dieser Wunsch erfüllt.

Wer Haare spenden möchte und sicher gehen will, dass sie bei der Aktion Rapunzel ankommen, kann sich an die beiden BVZ-Mitglieder im Landkreis wenden. Die Haare können zudem zur Firma Haarkunst, Bergstraße 11, 08237 Steinberg, geschickt werden.