Das alte Pfarrhaus in Oberesslingen und ein moderner Anbau dienen jetzt als Hospiz. Foto: Leif Piechowski

Als letzter Landkreis in der Region erhält nun auch der Kreis Esslingen ein stationäres Hospiz – es wird an diesem ­Freitag offiziell eingeweiht. Der Umbau des ehemaligen Pfarrhauses sowie ein moderner Anbau für 2,7 Millionen Euro wurden ­komplett aus Spenden und Vermächtnissen finanziert.

Esslingen - Als letzter Landkreis in der Region erhält nun auch der Kreis Esslingen ein stationäres Hospiz – es wird an diesem ­Freitag offiziell eingeweiht. Der Umbau des ehemaligen Pfarrhauses sowie ein moderner Anbau für 2,7 Millionen Euro wurden ­komplett aus Spenden und Vermächtnissen finanziert.

„Selbstbestimmt leben bis zuletzt, dem eigenen Lebensrhythmus entsprechend“ – das will die Leiterin des Esslinger Hospizes, Susanne Kränzle, den Bewohnern ermöglichen. „Wer immer früh aufgestanden ist und zeitig frühstücken möchte, kann das bei uns genauso tun wie ausschlafen. Möglichst wenig soll vorgegeben sein: „Die Menschen bei uns müssen ihre Persönlichkeit nicht an der Pforte abgeben.“

Träger des Hospizes ist die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen, es werden aber Menschen jeder Religion und Nationalität aufgenommen – „diskriminierungsfrei“, wie Susanne Kränzle sagt. Die Kirche fand im ehemaligen Pfarrhaus in Oberesslingen mit seinem ehemals verwunschenen Garten das ideale Objekt, um ein Hospiz einzurichten. Um neben Foyer, Gemeinschafts- und Wirtschaftsräumen noch Platz für geräumige Einzelzimmer zu haben, wurde angebaut. Das Esslinger Hospiz entspricht mit acht Betten in seiner Größe den anderen Einrichtungen in der Region. In der Landeshauptstadt gibt es zwei Hospize (Stuttgart und St. Martin in Degerloch), in Leonberg eines für den Kreis Böblingen, in Bietigheim-Bissingen eines für den Kreis Ludwigsburg, in Backnang eines für den Rems-Murr-Kreis und in Göppingen eines für diesen Landkreis.

Ob acht Zimmer ausreichen, kann Susanne Kränzle schwer beurteilen: „Das genügt wohl, denn immer noch geht ambulant vor stationär.“ Wann immer jemand zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung die letzten Lebenstage verbringen kann, wird dem Vorrang gegeben: „Jeder will doch in seiner gewohnten Umgebung sterben“, sagt Kränzle.

Erfahrungsgemäß leben die Bewohner im Hospiz etwa 20 Tage. „Wir wollen eine ­Atmosphäre von Frieden und Ruhe schaffen. Die Menschen sollen sich wahrgenommen und aufgehoben fühlen.“ Damit das Haus freundlich wirkt und Wärme ausstrahlt, wurde kräftig Farbe eingesetzt. Die Fensterläden am grauen Schindelhaus wurden leuchtend rot gestrichen, in den Zimmern sorgt Bettwäsche in mediterranen Farben für eine warme Atmosphäre. Außerdem darf sich jeder Lieblingsstücke mitbringen: einen Sessel oder ein Bild etwa.

16 Teilzeitkräfte versorgen und pflegen auf rechnerisch 9,25 Stellen die Bewohner. „Wir beschäftigen bewusst nur Teilzeitkräfte“, sagt Susanne Kränzle. Sie ist selbst seit exakt 20 Jahren in der Hospizarbeit und weiß: „Mehr als Teilzeit schafft man nicht. Wenn man immer mit Sterbenden zusammen ist, geht das an die Substanz.“ Die Pflegereinen werden unterstützt von zwei Hauswirtschafterinnen auf 1,15 Stellen und mehreren ehrenamtlichen Kräften, die sieben Tage die Woche vormittags und nachmittags jeweils vier Stunden da sind. Sie springen ein, wo Not am Mann ist, bei der Pflege oder für einen Rundgang durch den Garten oder zum Vorlesen. Ärztlich versorgt werden die Bewohner von ihren eigenen Hausärzten oder alternativ von vier Ärzten und Palliativmedizinern in der Umgebung, mit denen das Hospiz zusammenarbeitet.

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