Seniorenunfall mit Porsche in Ludwigsburg: Wann wird es Zeit, nicht mehr selbst hinters Steuer zu sitzen? Darüber sollte man eher früher als später ins Gespräch kommen. Foto: Feuerwehr Ludwigsburg

Irgendwann wird Autofahren zum Risiko, für ältere Menschen selbst und für andere. Ein Verkehrspsychologe gab der Redaktion schon 2023 Tipps, wie man das heikle Thema ansprechen kann.

Der Vater ist über 80 oder gar über 90. Er hört schlecht, und allzu flink ist er auch nicht mehr auf den Beinen – verständlich in seinem stolzen Alter. Trotzdem steigt er täglich munter ins Auto, setzt sich ans Steuer und braust in die Stadt, bis es irgendwann nicht mehr gut geht und in Ludwigsburg die Feuerwehr wegen eines abgestürzten Porsche ins Parkhaus anrücken muss.

 

Oder schlimmer noch: Fußgänger oder Radfahrer werden übersehen – wie diese Woche mit tödlichen Konsequenzen in Rechberghausen (Kreis Göppingen)? Darüber will der Sohn lieber gar nicht erst nachdenken.


Wann sollte man den Führerschein abgeben?

Doch wie sagt man dem Vater, dass er sich und andere womöglich stark gefährdet, dass er den Führerschein langsam besser ganz abgeben sollte?

Jeder, der diese Situation mit Eltern, Tanten oder Großeltern kennt, weiß, wie heikel es sein kann, dieses Thema in der Familie anzusprechen. Nicht selten bedeutet das Auto für ältere Menschen ein Stück Autonomie und Freiheit – sie können es sich ohne ihr Auto gar nicht mehr vorstellen. Verkehrspsychologe Ralf Buchstaller empfiehlt daher, dieses Thema nicht erst dann zugehen, wenn die Eltern bereits über 80 sind.

Beschädigter Porsche nach Seniorenunfall mit Sturz aus fünf Metern Höhe in Ludwigsburg. Foto: Julian Meier

Wenn die Eltern noch 70 sind, können sie sich an den ÖPNV gewöhnen

„Das Entscheidende ist, es frühzeitig anzusprechen, sonst ist es manchmal schwierig, noch Akzeptanz zu bekommen“, sagt er. Ein guter Zeitpunkt für das erste Gespräch könne schon der Eintritt in die Rente sein. Buchstaller empfiehlt: „Man kann zu den Eltern sagen: Jetzt beginnt für euch eine schöne neue Zeit, wie stellt ihr euch das später denn mal vor, wie lange wollt ihr eigentlich noch Auto fahren? Oder auch: Habt ihr euch darüber mal Gedanken gemacht, wie das später funktionieren könnte ohne Auto?“

Das ist offen formuliert. Und der Vorteil ist: „Dann ist das Thema noch weit weg, man kann erst mal theoretisch darüber sprechen.“ Danach empfiehlt der Verkehrspsychologe, das ganze kontinuierlich zu verfolgen: immer wieder ansprechen, sagen: „Darüber haben wir ja gesprochen, und wie ist es denn zur Zeit?“


Im Alter nicht mehr flexibel?

Wenn die Eltern noch 70 seien, ergebe sich die Chance, dass sie sich in Ruhe an die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs gewöhnen. Buchstaller meint: „Das sollte man ausprobieren, so lange es leicht fällt. Sonst ist es schwierig, wenn man sich nicht vorbereitet hat.“ Er glaubt: „Im Alter ist man häufig nicht mehr so flexibel, es fällt einem schwerer, sich auf neue Situationen einzustellen. Und die Automaten im öffentlichen Nahverkehr sind ja auch für Jüngere nicht immer so selbsterklärend, da muss man sich erst damit auseinander setzen.“

Gesprächschancen nutzen

Grundsätzlich sei es sinnvoll, Gesprächschancen zu nutzen, so Ralf Buchstaller. Entdeckt man eine neue Beule, ruhig direkt ansprechen: „Was ist denn da passiert?“ Wenn das Auto zu einer großen Reparatur muss, zum TÜV oder generell schon alt ist, dann kann man fragen: „Wollt ihr da wirklich noch einmal ein neues kaufen?“ Wenn die Eltern in den Urlaub fahren, kann man sagen: „Fahrt doch nicht mehr die lange Strecke mit dem Auto, versucht es mit dem Zug.“

Man kann auch die Zeit nutzen, wenn Eltern wegen Krankheiten, Operationen und Medikamenteneinnahme zeitweise nicht mehr Auto fahren dürfen, um hinterher, wenn sie wieder gesund sind, zu fragen: „Schau, das hat doch gut geklappt, willst du nicht dabei bleiben und das Auto stehen lassen?“ Sind diese Fragen nicht ein bisschen übergriffig? – könnte man fragen.

Wer fährt Mutter und Vater auf dem Land?

Ralf Buchstaller aber meint: Dauerhaft dazu im Gespräch zu bleiben, kann nicht schaden. Von einer Abwehrhaltung der Eltern dürfe man sich nicht entmutigen lassen. Eine besondere Herausforderung kann es sein, wenn die Eltern auf dem Land leben. Buchstaller meint: „Da muss man schauen, ob es Fahrgemeinschaften geben kann, Möglichkeiten, zusammen zu fahren.“ Man könne den Eltern auch anbieten, dass man sie selbst fährt.

Ältere Leute verursachen übrigens nicht mehr Unfälle als jüngere. Die Hauptrisikogruppe sind Statistiken zufolge immer noch die 18- bis 25-Jährigen. Aber wenn ältere Leute Unfälle haben, dann sind sie häufiger die Hauptschuldigen, also die Unfallverursacher. Ältere Menschen erleiden im Durchschnitt zudem schwerere Unfallfolgen, also Verletzungen, als jüngere.

Dieser Artikel erschien erstmals im September 2023 und wurde am 6. November 2025 aus aktuellem Anlass neu veröffentlicht.