Die Gemeinde Baiersbronn bereitet eine Notunterkunft für die Bewohner der Problemimmobilie in Klosterreichenbach vor. Denn die Heizung in dem Gebäude ist noch immer defekt.
Den Bewohnern der Problemimmobilie im Baiersbronner Teilort Klosterreichenbach könnte bald nichts anderes übrig bleiben, als in eine Notunterkunft umzuziehen. Die Gemeinde Baiersbronn bereitet derzeit offenbar entsprechende Schritte vor.
In dem Gebäude ist seit Jahren die Heizung defekt. Bisher haben sich die Bewohner mit allerlei elektrischen Heizgeräten beholfen. In den vergangenen Wochen kam es aber vermehrt zu Stromausfällen in dem Gebäude. Die Temperaturen in den Wohnungen sanken teils dramatisch ab.
Versuche, die Heizung wieder in Gang zu bringen, waren bisher vergeblich. Nun hat die Gemeinde an der Eingangstür ein Schreiben aufgehängt. Verfasst ist das Papier auf Ukrainisch, denn viele Bewohner des Gebäudes sind Flüchtlinge aus der Ukraine.
Unangenehme Option
„Sollte es zu einem weiteren Strom- oder Heizungsausfall kommen, können wir Ihnen nicht helfen und werden daher keine Maßnahmen von uns aus ergreifen“, heißt es in dem Schreiben. „Wir können Ihnen in diesem Fall lediglich eine vorübergehende Unterkunft in einem Gemeinschaftsraum anbieten.“
Gleichzeitig scheint die Gemeinde bemüht, den Bewohnern klarzumachen, dass das eine eher unangenehme Option wäre: „Das bedeutet, dass alle Bewohner (...) dort in einem großen Raum untergebracht werden. Daher raten wir Ihnen in Ihrem eigenen Interesse nochmals dringend, sich umgehend selbst um eine alternative Unterkunft zu kümmern.“
Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt die Gemeinde die Echtheit des Schreibens. Noch ist aber offenbar unklar, wo die Bewohner untergebracht werden könnten. „Eine endgültige Entscheidung über eine alternative Unterbringung ist noch nicht getroffen“, schreibt ein Sprecher der Gemeinde.
„Entsprechende Vorbereitungen werden jedoch intern abgestimmt, um handlungsfähig zu sein, falls sich Bewohner an uns wenden sollten“, heißt es weiter. Die Unterbringung könnte dabei ähnlich ablaufen wie vielerorts zu Beginn des Ukraine-Kriegs. So sei eine Unterbringung „ausschließlich in einer großen Halle möglich“, schreibt der Sprecher.
Nicht nur für ukrainische Flüchtlinge
Das Angebot gilt dabei aber nicht nur für die ukrainischen Flüchtlinge. „Der Aushang wurde in ukrainischer Sprache veröffentlicht, richtet sich jedoch an sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses“, heißt es in der Stellungnahme.
Doch warum hat sich die Gemeinde überhaupt entschieden, eine Notunterkunft zur Verfügung zu stellen? Wäre eine Reparatur der Heizung nicht einfacher und günstiger? Danach gefragt betont der Sprecher, dass die Gemeinde nicht Eigentümerin des Gebäudes sei.
„Daher können wir lediglich Maßnahmen der unmittelbaren polizeilichen Gefahrenabwehr veranlassen, nicht jedoch weitergehende Arbeiten am Gebäude selbst“, schreibt der Sprecher und stellt klar: „Eine umfassende Reparatur der Heizungsanlage fällt nicht in unsere rechtliche Zuständigkeit.“
Pfusch am Bau
Dass es bisher nicht gelungen ist, die Heizung wieder in Gang zu bringen, liegt offenbar auch daran, dass auch hier beim Bau mutmaßlich gepfuscht wurde. „Die vorhandenen Installationen entsprechen derzeit nicht den technischen Standards, was die eingeschränkte Funktionsfähigkeit von Stromversorgung und Heizsystem erklärt.“
Noch haben sich laut Angaben der Gemeinde keine Bewohner gemeldet, die bereit wären, in eine Notunterkunft umzuziehen. Und auch die Gemeinde macht klar, dass sie hofft, dass ein solches Szenario nicht eintrifft. „Ziel der Information war es, den Bewohnerinnen und Bewohnern die aktuelle Situation transparent darzulegen und aufzuzeigen, dass sie durch eigene Initiative dazu beitragen können, eine Notunterbringung zu vermeiden“, schreibt der Sprecher.