Neben Vertretern der Gemeinde rückte auch die Polizei an. Foto: Anwohner

Die Heizung ist seit Jahren kaputt, und jetzt ist auch der Strom ausgefallen. Ein Mehrfamilienhaus in Klosterreichenbach stand vergangene Woche kurz davor, unbewohnbar zu werden.

Wegen Pfusch am Bau, zahlreichen Polizeieinsätzen und den dubiosen Machenschaften eines Immobilienentwicklers ist ein Mehrfamilienhaus im Baiersbronner Teilort Klosterreichenbach immer wieder in die Schlagzeilen geraten.

 

Für die Bewohner ist das Gebäude ein einziger Alptraum. Gleich mehrere Wasserschäden verursachten in den Wohnungen feuchte Wände und die Ausbreitung von Schimmel. Im Keller bildeten sich riesige Pfützen. Und die verbaute Zentralheizung hat laut Angaben der Bewohner noch nie richtig funktioniert.

Doch am Sonntag vorvergangener Woche wurde alles noch viel schlimmer. Denn da die Heizung nicht geht, haben sich die Bewohner bislang mit elektrischen Heizlüftern und Heizstrahlern beholfen. Doch dann fiel plötzlich der Strom aus. Erst sei ein Teil der Anschlüsse tot gewesen, am folgenden Tag sei der Strom im Gebäude dann komplett ausgefallen, berichtet ein Bewohner im Gespräch mit unserer Redaktion.

Familien mit kleinen Kindern

Mit dramatischen Folgen: Denn nun gab es gar keine Möglichkeit mehr zu heizen. Das Thermometer im Schlafzimmer habe zeitweise nur noch zehn Grad angezeigt, berichtet der Bewohner. Dabei harren in dem Gebäude noch immer rund 70 Menschen aus, wie Ortsvorsteher Karlheinz Nestle berichtet. Darunter sind auch Familien mit kleinen Kindern.

Nestle war selbst vor Ort, nachdem ein Bewohner die Polizei informiert hatte. Neben den Beamten machte sich auch Ordnungsamtsleiter Marko Burkhardt und Vertreter der Netze BW ein Bild von der Lage.

Dabei wurde laut Nestle auch klar, weshalb der Strom ausgefallen ist. „Es wurde festgestellt, dass sich jemand gewaltsam Zutritt verschafft hat zu dem Kellerraum mit den Hauptsicherungen.“ Dabei sei dieser mit einer Kette gesichert gewesen. Und weiter: „Zwei Hauptsicherungen sind mutwillig beschädigt worden.“ Die dritte sei dann wegen Überlastung durchgebrannt.

Die Polizei bestätigt auf Anfrage, dass sie in dem Fall wegen Sachbeschädigung ermittelt. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollen die Beamten aber keine Details nennen. Somit bleibt auch unklar, welches Motiv der mutmaßliche Täter gehabt haben könnte.

Netz überlastet

Doch immerhin: Noch am selben Tag konnten die Mitarbeiter der Netze BW die Sicherungen austauschen. Circa gegen Mitternacht habe der Strom wieder funktioniert, sagt Nestle. Doch die Erleichterung der Bewohner währte nur kurz. Am Freitag vergangener Woche sei eine der Sicherungen schon wieder durchgebrannt, am vergangenen Dienstag dann die zweite.

Diesmal hatte sich aber offenbar niemand am Sicherungskasten zu schaffen gemacht. Nestle geht davon aus, dass das Stromnetz im Gebäude wegen der zahlreichen elektrischen Heizgeräte einfach überlastet war.

„Das stellt keine Dauerlösung dar“

Doch die Gemeinde fand eine schnelle Lösung. Denn die Gemeindewerke stellten vor dem Haus eine mobile Heizanlage auf. Dieses speist nun Wärme in die Heizanlage des Mehrfamilienhauses ein, so dass nun tatsächlich die Heizkörper in den Wohnungen funktionieren.

Doch ein Teil des Stroms ist laut Angaben des Bewohners noch immer ausgefallen. Und auch Nestle stellt mit Blick auf die mobile Heizanlage klar: „Das stellt keine Dauerlösung dar.“