Ein Zeuge hat die Offenburger Polizei am Freitag auf einen Transporter aufmerksam gemacht. Die Beamten machten eine traurige Entdeckung: Rund zwei Dutzend verwahrloste für Deutschland bestimmte Hunde und Katzen – für ein Tier kam jede Hilfe zu spät.
Aufmerksam geworden war der Zeuge auf das Fahrzeug mit Schweizer Zulassung auf dem Parkdeck eines Einkaufsmarkts in der Marlener Straße. In dem mit insgesamt 32 Transportboxen ausgestatteten Fahrzeug konnten die Beamten der Polizeihundeführerstaffel sowie des Polizeireviers Offenburg 19 Hunde und sechs Katzen vorfinden.
Alle Tiere befanden sich in einem äußerst schlechten Gesundheitszustand, teilt die Polizei mit. Ein Hund lag gar schon verendet in seiner Metallbox.
„Die beiden Verantwortlichen kamen nach unseren Erkenntnissen aus Bulgarien und wollten nach Deutschland“, erläutert Polizeisprecher Wolfgang Kramer im Gespräch mit unserer Redaktion. Demnach habe es sich nicht um einen „illegalen Tiertransport“ im engeren Sinne gehandelt. „Es waren offenbar bestellte Tiere“, so Kramer – nur die Missstände beim Transport seien gravierend gewesen.
Tierschutzorganisationen hatten Vierbeiner nach Deutschland vermittelt
„Die Tiere stammen aus unterschiedlichster Herkunft in Bulgarien und sollten zu vielen Privatpersonen, teilweise organisiert durch bulgarische und deutsche Tierschutzorganisationen, verbracht werden“, heißt es dazu aus dem Ortenauer Veterinäramt. Die Polizei hatte die Behörde aufgrund des äußerst schlechten Gesundheitszustands der Hunde und Katzen eingeschaltet.
Die Tiere seien für Besitzer verteilt über ganz Deutschland, von Hessen über Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bis fast an die dänische Grenze in Schleswig-Holstein bestimmt gewesen, so das Amt. Der in Offenburg gestoppte Transporter hätte mit den Tieren demnach noch eine weite Strecke mit mehreren Zwischenstopps bis zum letzten Zielort zurücklegen müssen – unter katastrophalen Bedingungen.
Die meisten Tiere leiden an Durchfall und sind stark verwurmt
Die Tiere waren nach ihrer Befreiung aus dem Transporter beschlagnahmt und vorübergehend in einem Ortenauer Tierheim untergebracht worden. „Die meisten der Tiere leiden unter Durchfall, haben vereinzelt vereiterte Augen und sind alle stark verwurmt“, so die Behörde. „Die Mitarbeiter haben die Nacht von Freitag auf Samstag durchgearbeitet, um den erheblichen Mehraufwand erbringen zu können.“
Zwischenzeitlich seien die Tiere zumindest wieder transportfähig für die Weiterreise zum Bestimmungsort, „an dem sie jedoch unbedingt einem praktizierenden Tierarzt vorgestellt werden sollten“. Die meisten Vierbeiner seien bereits von ihren neuen Besitzern aus Deutschland abgeholt worden. Zwei Hunde befinden sich jedoch aufgrund Unregelmäßigkeiten bei den Unterlagen noch in Quarantäne. Zu den beiden Besitzern sei der Kontakt, vermutlich aufgrund der zu erwartenden Kosten, mittlerweile beinahe eingeschlafen, so das Veterinäramt.
Für den Transport verantwortliche Männer müssen Kaution zahlen
Gegen die für den Transport Verantwortlichen, zwei Männer im Alter von 34 und 55 Jahren, wurden Ermittlungen eingeleitet. „Wir ermitteln wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz“, erläutert Polizeisprecher Wolfgang Kramer. Die Strafandrohung reicht von einer Geldstrafe bis zu drei Jahren Haft.
Auch ein Verstoß gegen das Tiergesundheitsgesetz steht im Raum. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Offenburg mussten die beiden Männer eine Kaution von insgesamt 1000 Euro bezahlen. „Die beiden Männer haben hier keinen festen Wohnsitz, daher wurde erstmal die sogenannte Sicherheitsleistung erhoben“, erläutert der Sprecher der Offenburger Polizei.
Appell des Veterinäramts
Für das Veterinäramt sind Verstöße bei Transporten, die über bestimmte Tierschutzorganisationen initiiert werden, leider keine Seltenheit. „Auch bei der ,Rettung’ von Tieren aus dem Ausland und vor allem bei den Transporten spielen wirtschaftliche Faktoren offensichtlich eine große Rolle“, heißt es dazu aus der Behörde. Aus gegebenem Anlass appelliert das Veterinäramt des Ortenaukreises sich doch zunächst in den lokalen Tierheimen nach einem neuen Hausgenossen umzuschauen. „Hier warten zur Zeit sehr viele Tiere auf eine Adoption, die zum Teil während der Corona-Zeit unbedacht angeschafft und eben auch aus dem Ausland ,gerettet’ wurden.“