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"Horror Camp" in Freudenstadt Live-Streamer auf Geisterjagd in der Waldlust

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Den Chat und die Zahlen stets im Blick: Selbst unspektakuläre Szenen wurden konstant von rund 200.000 Zuschauern verfolgt. Mit dabei waren links: Der Youtuber Sturmwaffel, Stavik, der Rapper Sido, You-Tuber "Inscope21" (Nicolas Lazaridis ), Pietro Lombardi, "Knossi" und Sascha Hellinger von "Unsympathisch-TV". Foto: Twitch Tv

Freudenstadt - Das Grandhotel Waldlust in Freudenstadt wurde am Wochenende erstmals zum Schauplatz eines 40-stündigen "Horror Camps". Eingeladen hatte der selbst ernannte "König des Internets", Jens Knossalla alias "Knossi", welcher auf der Livestreaming-Plattform Twitch.tv seinen Rekord vom "Angelcamp 2020" brechen wollte.

Der Spitzenwert lag beim Angelcamp bei 312.000 gleichzeitigen Zuschauern. Heuer gingen Knossi, Rapper Sido (Paul Würdig), Sascha Hellinger alias der Content Creator "UnsympathischTV" sowie Musikproduzent Marc Schneider alias "Manny Marc" (Die Atzen) auf Geisterjagd in der Waldlust, wie die Inszenierung des "Horror Camps" versprach.

Ghost-Busters-Karosse fährt vor

In der Karosse der "Ghostbusters" fuhren die Protagonisten am Grandhotel vor, wo sie von dem Butler Fridolin empfangen wurden und über die paranormalen Vorgänge im ehemaligen Hotel und dessen Geschichte aufgeklärt wurden.

Das Hotel wurde 1902 für den Hotelier Ernst Luz erbaut. Nach der Eröffnung beherbergte das Grandhotel den internationalen Hochadel: Fürsten, Sultane und Könige. Im Jahr 1926 residierte König Gustav V. von Schweden im Hotel Waldlust, in den 1930er Jahren waren die weltbekannten Filmstars Douglas Fairbanks und Mary Pickford untergebracht. Aus einer eleganten Villa, dem Sommerhaus Waldlust, entstand ein exklusives Hotel mit 140 Zimmern, 60 Privatbädern und 100 Liegebalkonen. Anfang der 1920er Jahre wurde ein stuckverzierter Festsaal angebaut.

Blütezeit in den 1940er Jahren

In den 1940er Jahren erlebte das Hotel eine Blütezeit. Angeblich unter Adele B., die 1949 in einem Zimmer des Hotels ermordet worden sein soll. Belege dafür lassen sich allerdings nicht finden. Später wurde das Haus zu einem Lazarett umfunktioniert. Seit den 1960er Jahren berichtete das Personal über unerklärliche Phänomene, die mit der unerlösten Seele von Adele B. in Verbindung gebracht wurden.

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Im Ballsaal des Grandhotels errichteten die als Ghostbusters kostümierten Protagonisten des "Horror Camps" ihre Kommandozentrale. Tatsächlich spielten sich dort auch die hauptsächlichen Szenen ab, die Geisterjagd geriet nach kompletter Betrachtung des Live-Streams zur Nebensache. Dabei hatten die etablierten Live-Streamer, You-Tuber und Musiker sogar das durch "Prime Video" bekannte Geisterjäger-Team "Die Geisterakten" eingeladen, um den mysteriösen Dingen im Grandhotel auf den Grund zu gehen.

schwarzwaelder-bote.de hat das ehemalige Hotel Waldlust im Mai 2019 besucht:

Gläserrücken und ein künstlicher Blitz

Ebenfalls unter den geladenen Gästen befand sich TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf, welcher die Gerätschaften des Geisterakten-Teams in Frage stellte.

Authentisch sollte das Horror-Camp und die Geisterjagd wirken, keine Inszenierungen. Jedoch war Letzteres ein Grund dafür, dass wenigstens Knossi und Manny Marc der Schrecken in die Glieder fuhr, als Heufer-Umlauf durch die Gänge des Grandhotels spukte.

Ebenso beim Gläserrücken, als ein plötzlich ein künstlicher Blitz erstrahlte, was sich die erschrockene Meute nicht erklären konnte.

Für Rapper Sido fand der Spuk in der Nacht ein frühzeitiges Ende, als er sich im Rahmen einer Vertrauensprüfung am Arm verletzte und im örtlichen Krankenhaus behandelt werden musste.

Sido ließ sich blind rücklings in die Arme seiner Truppe fallen und wurde zunächst aufgefangen. Scheinbar ließen jedoch die Kräfte der Geisterjäger nach, weshalb der Rapper anschließend zu Boden stürzte. Am darauf folgenden Tag kehrte Sido schlaflos aus dem Krankenhaus zurück, wobei die Protagonisten feststellten, dass die Geisterakten sich scheinbar selbst ad acta legten und vorzeitig abgereist waren. Per "Instagram" teilten die Geisterakten wörtlich mit: "...schon ziemlich früh am Abend zeigte sich, dass das Ganze eine Eigendynamik bekam, mit der wir uns zunehmend nicht mehr identifizieren konnten und später auch nicht mehr wollten."

Ohne Gruppengeplänkel ging es nicht

Bedauernd nahm dies Initiator Knossi zur Kenntnis, was jedoch bald im Gruppen-Geplänkel wieder unterging. Letzteres prägte den Fortgang des Horror-Camps, umrahmt von den Danksagungen an die treuen Follower. Der neue Rekord von rund 336.000 Zuschauern muss selbstverständlich gebrochen werden, vier nagelneue Handys sollen als Anreiz verlost werden. Selbst die Nachricht vom Tod der Hollywood-Legende Sean Connery ging unter dem Jubel für "100 Subs" völlig unter. Fortan konnte man das gesellige Zeitvertreiben, an dem sich unter anderem Pietro Lombardi und You-Tuber "Inscope21" (Nicolas Lazaridis) persönlich beteiligten, ausführlich weiter verfolgen. Mittlerweile erweckte dies bei neutralen Beobachtern den Eindruck, dass man im Live-Stream lediglich bekannte Musiker, Streamer und You-Tuber beim miteinander Abhängen zuschaute. "Big Brother" lässt grüßen. Was dies mit Horror zu tun hat, kommt auf den individuellen Betrachter an.

Der Spaß ist wichtiger als der Grusel

Für den Samstagabend wurde ein kollektives Versteckspiel auf dem dritten und vierten Stock des Gebäudes angekündigt, wobei auch Live-Auftritte von verschiedenen Musikern fleißig "gehypt" beziehungsweise beworben wurden. Hierbei lüftete Sido auch ein Geheimnis, welches längst schon keines mehr war: "Wir machen das hier alles nur für den Spaß." Dabei sei es auch nicht unbedingt wichtig, dass es das Publikum gruselt. "Für uns ist es gruselig genug. Uns bleiben genügend Bilder im Kopf", formulierte Sido den perfekten Übergang zu seinem gleichnamigen Song. "Wir machen das eigentlich, damit wir vier miteinander rumhängen und saufen können", verdeutlichte der Rapper.

Zuschauerresonanz deckt Produktionskosten

Wie auch Knossi im Live-Stream durchblicken ließ, decke die Resonanz am Horror-Camp die Produktionskosten – offensichtlich das Minimalziel des Spektakels. Es war eine private Halloween-Party, finanziert von den treuen Anhänger der Live-Streamer und You-Tuber sowie Sponsoren. Nach den Auftritten der Atzen, Slavik (Mark Filatov), Sido, Alligatoah im Vorbereich der Rezeption und der "spontanen" Erscheinung von Rapper Bausa schauten rund 264.000 Menschen den Schaustellern im Live-Stream beim Essen zu.

Das Versteckspiel, in welchem Lombardi als Jäger von der Community bestimmt wurde, verfolgten rund 286.000 Personen. Mit einem Puls von 139 Schlägen in der Minute bewegte sich Lombardi durch das Gebäude, um die menschlichen Wesen zu erspähen. Weitere Durchgänge folgten, wobei 40.000 Zuschauer abschalteten.

Um 6 Uhr morgens ist der Spuk vorbei

Gegen 6 Uhr am nächsten Morgen hatte der Spuk dann sein Ende. Geister oder körperlose Wesen sind den Protagonisten des Horror-Camps zwar nicht erschienen, was letztendlich wohl auch nicht im Vordergrund stand. Durchaus möglich wäre indessen, dass der Geist von Adele B. – wie auch die ›Geisterakten‹ – von der feiernden Halloween-Meute vertrieben wurde.

In diesem Sinne hätte Knossis Truppe, welche sich anfangs als "Ghostbusters" inszenierte, ja eigentlich ihr Ziel erreicht. Ein Ende des Spuks im Grandhotel Waldlust.

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